Von Kinderwunsch bis Wechseljahre

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Der Ansager informierte das Publikum darüber, dass die Karrierefrau eine Packung Viagra mit sich führt. Visuelle Unterstützung erfolgte durch das Bodenpersonal.

Dieburg - Die Karrierefrau, 54 Jahre, hatte gestern Abend Sex mit ihrem Personal-Trainer. Die Vornehme, 57 Jahre, reich verheiratet, hatte gestern Abend keinen Sex, ebenso wenig wie die Tage davor. Von Verena Scholze

Die Hausfrau, 55 Jahre und verheiratet, kann sich an ihren letzten Sex nicht mehr erinnern. Die Junge, 42 Jahre, verlobt, hat Sex nach ihrem Ovulationskalender, bislang aber ohne Erfolg.

Diese vier so unterschiedlichen Frauen treffen in der Wartehalle eines Flughafens aufeinander, von wo sie alle eine Reise in die neue Welt, nach New York, antreten wollen. Durch widrige Umstände, die den Abflug immer wieder aufs Neue hinauszögern, sind die vier Frauen gezwungen, voneinander Notiz zu nehmen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Was dabei passieren kann, zeigte höchst unterhaltsam das Musical „Jetzt oder Nie!“, präsentiert von vier Solistinnen und der Sängerlust Dieburg unter der Leitung von Werner Utmelleki, das am Samstagabend in der Römerhalle Premiere feierte.

Kontinuierlichen Verschleiß an Männern

Die Unterhaltung der Frauen gewährt Einblicke in die Lebensgeschichte jeder einzelnen, Alltäglichkeiten, Abenteuer und „Lustbarkeiten“ werden offenbart. Die Karrierefrau (gespielt von Astrid Eschenbach) verkörpert die typische Business-Frau, unverheiratet, mit einem kontinuierlichen Verschleiß an Männern, wie sie das Publikum wissen lässt. Schick anzusehen und mit dem Auftreten einer „Frau von Welt“ ist sie unterwegs zu einem Geschäftstermin nach New York. Doch auch ihr Leben ist nicht frei von Problemen, wie im Lauf des Abends klar wird.

Den genau gegenteiligen Frauentypus verkörpert die Hausfrau (Christina Frey), etwas naiv und bodenständig. Sie hat die Reise von ihren Kindern anlässlich des Eintretens ihrer Wechseljahre geschenkt bekommen. Schnell stellt sich heraus, dass die beiden sich von früher kennen und sich einiges zu erzählen haben. Die Vornehme, sehr überzeugend gespielt von Astrid Wildenauer, ist der herablassende Typ, mit spitzer Zunge und beißenden Kommentaren. Die Junge (Annette Bergmann) schließlich wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind und will in New York eine künstliche Befruchtung vornehmen lassen.

Kein Bereich des Lebens wird ausgelassen

Humorvoll gestaltete Dialoge entspinnen sich zwischen den vier Damen, dabei wird fast kein Bereich des Lebens ausgelassen. So wird das Thema „Ich freu mich auf die Wechseljahre“ zur Melodie von „Is this the way to Amarillo?“ überzeugend von Christina Frey vorgetragen. Auch Schönheitsoperationen, Kosmetikserien und Werbung für reife Frauen, Männer und ihre Reinlichkeit, Vergesslichkeit im Alter oder das Thema Viagra werden bis ins Detail erörtert. Dabei stellt sich heraus, dass die Karrierefrau immer eine Packung selbiger Medikamente mit sich führt. Untermalt werden die Szenen von kleinen Ansagen des „Flughafensprechers“ Wolfram Glatzel, der sich mit Bemerkungen in die Unterhaltung der Damen einschaltet und ebenfalls für humorvolle Einwände sorgt.

Die vier Darstellerinnen überzeugten nicht nur durch ihr schauspielerisches Talent, sondern vor allem auch mit ihren brillanten Solostimmen zu bekannten Melodien wie „Pretty Woman“, „What a Feeling“, „Rama Lama Ding Dong“ oder „I got you Babe“, die das Publikum mit klatschen ließen. Unterstützt wurden die vier Solistinnen dabei vom Frauenchor der Sängerlust. Die Anwesenden in der gut besuchten Römerhalle erlebten einen humorvollen und kurzweiligen Abend mit viel Gelächter und einigen bislang den Männern vielleicht unbekannten Einblicken in die Welt der Frauen, die mit einem Augenzwinkern dargestellt wurden. Dies quittierte das Publikum mit spontanen Zwischen- und vor allem einem lang anhaltenden Schlussapplaus für alle Darsteller, Sängerinnen, den Leiter des Abends Werner Utmelleki und alle Mitwirkenden.

Weitere Aufführungen von „Jetzt oder nie“ sind am Freitag, 28. Juni, um 20 Uhr und am Sonntag, 30. Juni, um 18 Uhr zu sehen. Karten gibt es bei allen Chormitgliedern, in der Bücherinsel und an der Abendkasse.

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