Geschichten um Spukgestalten

Vom kopflosen Muhkalb

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Hannelore Stuckert lehrte die Gruppe mit ihren Spukgeschichten das Gruseln. Allerdings gab es einen Trost: Innerhalb der historischen Stadtmauern von Dieburg gibt es keine Geister. 

Dieburg - Geistern und Spukgestalten mit der Laterne auf der Spur – und zum Abschluss ein Stück Totenbrot. Gespenstische Jungfrauen, Geister napoleonischer Kriegsgefangener und das Muhkalb mit den feuerroten Augen.  Von Julia Glaser 

Die Geschichten rund um diese Spukgestalten erzählte Hannelore Stuckert auf dem gespenstischen Rundgang durch Dieburg am vergangenen Mittwochabend. Angeboten hatte die Veranstaltung das Museum Schloss Fechenbach. Die rund 50 großen und kleinen Teilnehmer folgten Hannelore Stuckert, die mit einer Nachtwächterlaterne voranging. „In Dieburg selbst gibt es keine Geister“, sagte sie zu Beginn der Führung schon mal zur allgemeinen Beruhigung. „Sie spuken alle außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern.“ Entsprechend führte der Weg der Gruppe entlang dieser ehemaligen Stadtbefestigung. Nach der Klosterstraße ging es erst an der Wallfahrtskirche und an der Römerhalle vorbei, durch die Zuckerstraße über den Marktplatz zum Landratsamt und nach einem Stopp am Mühlturm zurück ins Museum. Unterwegs erzählte Hannelore Stuckert die spannenden Geschichten der Dieburger Geisterwesen. In der Klostergasse ist es zum Beispiel das kopflose Muhkalb, das mit seinen rotglühenden Augen all jene verfolgt, die sich nachts noch draußen herumtreiben. Und auch vor gesegneten Städten macht der Spuk nicht Halt: Steckt man seinen Kopf in eine Nische neben dem Chor der Wallfahrtskirche, kann man eine Frau jammern und klagen hören.

Sie hatte am Sonntag gearbeitet und auch ihre Dienerschaft dazu gezwungen, obwohl das gegen die kirchlichen Vorschriften verstieß. Als Strafe muss sie nun bis in alle Ewigkeit weiterarbeiten, ohne jemals Ruhe zu finden. Im Landratsamt geht der Geist einer jungen Frau um, deren Geliebter beim Sturz in den ehemaligen Burggraben mit seinem Pferd zu Tode gekommen war. Sie hatte ihn abgewiesen und starb vor lauter Reue kurze Zeit nach ihm an gebrochenem Herzen. Am Mühlturm erzählte Stuckert die Geschichte einer Hexe, die einem jungen Mann in der Walpurgisnacht das Bein lahm hexte, weil er sich über sie lustig gemacht hatte. Weil er sie aber um Gnade bat, heilte sie ihn im folgenden Jahr wieder. So mancher Elternteil beruhigte seinen nervösen Nachwuchs zwischendurch mit dem Spruch „Das sind doch alles nur Geschichten“, wenn es doch mal ein wenig zu gruselig wurde. Im Inneren des Mühlturms gab es altertümliche Folterwerkzeuge zu sehen, wie etwa die Doppelhalsgeige: „Zänkische Weiber wurden damit aneinander gefesselt“, erklärte Hannelore Stuckert. Das gemeinsame Leid führte dann sehr schnell dazu, dass man sich wieder vertrug. Im Anschluss an den Geisterrundgang gab es im Museum Schokoladengeister, Gruselmuffins, Totenbrot und heiße Getränke.

Seit 2011 bietet das Museum Schloss Fechenbach das Thema „Geister“ in verschiedenen Varianten an, immer am letzten Mittwoch im Oktober. Und der Zuspruch steigt: „Wir haben mit fünf Teilnehmern angefangen“, freute sich Stuckert, „jetzt sind es fast 50.“

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