Schulstart in Dieburg

Lehrer bringen Grundschülern  Hygiene näher: „Zweimal Happy Birthday singen“

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Es geht wieder los an Marien- (Bild) und Gutenbergschule, die 4. Klassen lernen wieder vor Ort. 

Im zweiten Anlauf beginnt an diesem Montag der Unterricht an den Grundschulen wieder – zumindest für die 4. Klassen. Dabei müssen die Kollegien in Dieburg einiges beachten.

Dieburg – Seit dem 16. März, also exakt seit zwei Monaten, sitzen Hessens Grundschüler im Homeoffice. Die Kontaktsperren in der Corona-Krise haben den vertrauten Schulalltag außer Kraft gesetzt, und E-Learning ersetzt derzeit das Bildungssystem sogar für die Kleinen. An diesem Montag, 18. Mai, soll der Unterricht an den Grundschulen – ebenso wie an der weiterführenden Goetheschule (Sekundarstufe I), siehe Kasten – langsam wieder losgehen, zumindest für Viertklässler. Um das zu ermöglichen, arbeiten die Kollegien unter Hochdruck – und das bereits zum zweiten Mal.

Denn gegen den ersten Start der Viertklässler, der hessenweit für den 27. April geplant war, hatte eine Grundschülerin erfolgreich vorm Hessischen Verwaltungsgerichtshof geklagt. Jetzt nehmen die Schulen den nächsten Anlauf. Unter strengen Hygieneauflagen. Die werden mit Pfiff und pädagogischem Geschick spielerisch vermittelt: „Zweimal Happy Birthday singen, oder noch besser den Refrain unseres Gutenberg-Songs“, Schulleiterin Silke Werner-Lehr hat ein kreatives Zeitfenster entwickelt, wie lange die Händchen gewaschen werden müssen.

Am Montag erwartet sie die Kinder der beiden 4. Klassen zurück. Nach acht Wochen Coronapause, die den physischen Unterricht außer Kraft setzte. In vier Lerngruppen werden die Vierer in den nächsten zwei Wochen täglich unterrichtet. „Wir haben Glück, dass unsere Räume groß sind und das Kollegium nicht der Risikogruppe angehört“, sagt die Schulleiterin. Denn durch die Beschulung in Kleingruppen muss vieles doppelt her: Personal, Zeit und Klassenzimmer. In den vergangenen Wochen wurde der bekannte Schulalltag völlig aufgelöst: Drucker liefen heiß, Lehrer schnürten Hausaufgabenheftchen und leisteten Botendienste, um die Päckchen in Briefkästen zu werfen. Kleine Videoclips wurden gedreht, um Unterrichtsstoff zu vermitteln, die Kommunikation mit Eltern über E-Mail und Telefon gelöst. Kaum ein Kind hat die Schule von innen gesehen, doch in der nächsten Woche erwartet die Schulleitung einen deutlichen Anstieg der Schüler in der Notbetreuung, die dann wohl auf drei Gruppen ansteigt.

210 Kinder besuchen die Gutenbergschule, und ab 2. Juni sollen alle unter den neuen Auflagen wieder vor Ort über einen Corona-Stundenplan beschult werden. „Ich glaube, dass die Kinder in der letzten Zeit am meisten gelitten haben“, glaubt die Pädagogin, die das als größte Herausforderung empfindet: Den Kindern Ängste zu nehmen, und das unter der Maßgabe, dass Schule trotz physischer Anwesenheit nicht die übliche Nähe im gewohnten Rahmen ermöglicht.

Dennoch: Werner-Lehr verströmt Optimismus, auch, was die Schulkarriere der „Neuen“ angeht. „Wir haben ein gemeinsames Konzept mit der Marienschule und eine gute Zusammenarbeit mit den Kitas. Das zahlt sich jetzt aus.“ Die traditionellen Kennenlerntage für die Abc-Schützen etwa wurden vom Besuch einer Lehrkraft in den Kitas abgelöst.

Auch das Krisenmanagement an der Marienschule läuft auf Hochtouren, Schulleitung, Lehrer und Elternvertreter tagen regelmäßig. Das Maßnahmenpaket für Montag ist geschnürt, wenn die drei 4. Klassen wieder beschult werden, zunächst zeitversetzt in sechs Lerngruppen und mit zwölf Wochenstunden, bis der Rest der Schüler ebenfalls an Bord kommt. Natürlich, es gibt Unwägbarkeiten: „Von 20 Lehrern zählen sechs zur Risikogruppe,“ berichtet Rektor Lothar Oberle. Diese Kollegen unterrichten virtuell.

220 Grundschüler besuchen die Marienschule regulär, für die Jüngeren geht es Anfang Juni los. Auch an der Marienschule wächst die Nachfrage nach Notbetreuung. Noch sind es zwei Gruppen, aber auch mit einem Mehr „können wir gut umgehen“, so Oberle. Schule in Zeiten von Corona setzt vieles außer Kraft, auch die Bewertung der Kinder, die in eine Zeugnisnote münden soll. „Nach den Vorgaben des Kultusministerium werden nur Leistungen vor dem Shut-down in die Zeugnisnote einfließen“, erklärt der Schulleiter. Und sitzenbleiben? Wird keiner. „Wir können nur Empfehlungen aussprechen, aber das ist an einer Grundschule auch kein Problem.“

Die Elternschaft freue sich, die große Verantwortung wieder zu teilen, die seit dem Homeoffice der Kinder auf Eltern lastet, auch, wenn der Präsenzunterricht nur in kleinen Schritten wieder anläuft. „Trotz allem haben wir eine gute Stimmung im Team“, sagt Oberle, „und Kinder wie Lehrkräfte freuen sich sehr darauf, sich wieder zu sehen.“ 

 zah

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