„10 Freunde Team Triathlons Dieburg“

Top-Triathlon – doch wie lange noch?

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Zielmoderator Rene Marquardt begrüßte jeden Finisher persönlich.

Bei Dieburgs größter Sportveranstaltung rumort es hinter den Kulissen. Der Veranstalter fühlt sich vom Magistrat ausgebremst. Bei der achten Auflage gab es einen Melderekord.

Dieburg – Sonnenschein, eine toll präparierte Eventfläche und mit 1 400 Teilnehmern ein Melderekord: Die achte Auflage des „10 Freunde Team Triathlons Dieburg“ am Sonntag hätte ein durchweg positives Echo finden können. Fand sie auch – zumindest bei den meisten Teilnehmern, die von Jahr zu Jahr mehr werden und die in Teams von zehn bis zwölf Personen je 380 Meter im Ludwig-Steinmetz-Bad schwammen, 18 Kilometer zwischen Freibad, Polizeistation und Klein-Zimmern radelten und 4,2 Kilometer im Schlossgarten liefen. Doch hinter den Kulissen von Dieburgs größter Sportveranstaltung rumort es. Ihre Zukunft scheint ungewisser denn je.

Eins vorweg: Henning Müller, als Inhaber der kleinen Agentur sportwärts (Maintal) der Veranstalter, ist alles andere als der typische Nörgler vom Dienst. Eher gehört Müller, seit 2016 für den Dieburger Triathlon verantwortlich, in die Kategorie des kommunikativen und stets positiv eingestellten Sunnyboys. Improvisationstalent musste der Mittdreißiger (der seit 15 Jahren Erfahrung in der Planung, Organisation und Durchführung von Sportevents hat, im Rahmen der „10 Freunde“-Serie auch Rennen mit bis zu 3 000 Startern in Frankfurt, Nürnberg und Darmstadt veranstaltet) in Dieburg auch schon reichlich unter Beweis stellen. 2017 stand das 50-Meter-Becken kurzfristig nicht zur Verfügung, wurde aus dem Triathlon spontan ein Duathlon. 2018 begannen just wenige Tage vor dem Rennen die zuvor monatelang verschobenen Sanierungsarbeiten auf dem städtischen Sportplatz, was Müller zur Verlegung der Wechselzone zwang.

Die Teams der Haxnknacker und von „Lucky’s Eleven“ machten sich unter Anleitung von Andreas Luckhardt (r.) fast schon professionell für den Wettkampf warm.

In diesem Jahr war erstmals alles an jenem Platz, den sich der Veranstalter dafür wünscht – insbesondere die Wechselzone auf dem Sportplatz und das Ziel einen Steinwurf davon entfernt im Freibad. „Eine kompakte, zuschauer- und athletenfreundliche Eventfläche, wie wir sie uns für ein familienfreundliches Ereignis mit hohem Spaßfaktor vorstellen“, sagte Müller gestern. Trotzdem reißt dem krisenerprobten Unternehmer zunehmend der Geduldsfaden.

Grund ist die Zusammenarbeit mit der Stadt – was Müller im Vorgespräch wie auch am gestrigen Wettkampftag allerdings klar differenzierte: „Auf der Arbeitsebene läuft es toll“, betonte er. „Mit den Leuten vom Kultur- und Ordnungsamt ist die Zusammenarbeit super, auch der Bürgermeister wirft sich für den Triathlon richtig ins Zeug.“ Dann das große Aber: „Vor allem bei den Entscheidungen, die mir schriftlich vom Magistrat mitgeteilt werden, brauche ich leider nicht viel Kreativität, um herauszulesen, dass ich nicht willkommen bin.“ Auch vom Betriebsleiter des Freibads würde sich Müller mehr Offenheit für manche seiner Ideen wünschen.

Beispiele für Müllers Verdruss: Das in den Vorjahren stets geöffnete Nordtor des Freibads musste diesmal geschlossen bleiben, fiel als Ein- und Ausgang weg. Weiterhin darf parallel zum Triathlon nicht das Kinderbecken genutzt werden, was der Veranstalter gerade den jüngsten Besuchern gern ermöglichen würde. „Wir wollen ja familienfreundlich sein, stellen deshalb etwa eine Hüpfburg auf“, so Müller. Nach wie vor darf er auch keine Zuschauer direkt an den Beckenrand lassen. „Das verstehe ich nicht, im normalen Freibad-Betrieb dürfen da ja auch Leute sitzen. Hierdurch würden wir zum Vorteil der Athleten eine noch bessere Stimmung beim Schwimmen schaffen.“

Sorgenfalten hatte Müller auf der Stirn, als er im Vorfeld der diesjährigen Auflage entgegen den Vorjahren plötzlich nicht mehr einzelne Zaunelemente zwischen Sportplatz und Freibad entfernen sollte. „Da musste dann der Bürgermeister ein Machtwort sprechen, damit es mir wieder genehmigt wurde.“

Die Kreisstraße zwischen Freibad und Polizeistation blieb am Sonntag den Radfahrern vorbehalten.

Eben der Bürgermeister konnte im Vorgespräch und auch am Sonntag den Groll des Veranstalters verstehen. „Der Triathlon ist eine tolle Sache und Werbung für unsere Stadt und unser Freibad“, betonte Frank Haus. Mit Blick auf die Kritik an Magistrat sagte er: „Letztlich sind es die Entscheidungen des Kollegialorgans. Die trage ich mit.“ Mit Blick aufs Freibad müsse man schlicht konstatieren, „dass unser Personal am Anschlag ist“. Er persönlich hoffe auf jeden Fall darauf, dass der Dieburger Triathlon eine Zukunft habe.

Das wünscht sich prinzipiell auch Henning Müller. „Die Zukunft hängt jetzt aber von der Nachbesprechung ab – und vom Hallenbad“, blickte er gestern voraus. Denn 2020 warten die nächsten Umplanungen: Weil der Wassersportverein ab dem Frühjahr sein neues Sportbad auf dem Freibad-Gelände bauen lassen will, muss Müller etwa die Verbindung von der Wechselzone zur Radstrecke anders regeln. „Ich bin aber immer zu Lösungen bereit“, stellte er am Sonntag heraus. „Wichtig ist mir jedoch, dass pragmatisch und nicht bürokratisch entschieden wird.“ Noch scheint das Ereignis, das für Dieburg zusätzliche Strahlkraft in der Region erzeugt, zu retten. Müller: „Ich bin gerne hier – wenn ich gewollt bin.“

VON JENS DÖRR

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