Bejagen ist möglich - aber nicht effektiv?

Gänse-Problem: Bleibt wohl nur das (Ver-)Grämen

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„Gans“ schön viele Tiere tummeln sich an einem Sommermorgen am Ufer des „Spießfeld“-Sees. Hinten rechts sind auch Nilgänse zu sehen. 

Nach wie vor verdrecken viele Dutzend Gänse das „Spießfeld“ mit ihrem Kot. Das Bejagen ist möglich – aber nicht effektiv?

Dieburg – Immer wieder melden sich Leser bei unserer Zeitung, die sich über die Verschmutzung des Ufers am Dieburger Wolfgangsee, vor allem aber am noch stärker frequentierten Freizeitzentrum „Spießfeld“ beklagen. Dort sind gerade die Bereiche in Wassernähe stark durch den Kot der örtlichen Wildgänse-Population verunreinigt, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist (wir berichteten mehrfach). Die Stadt hat das Problem erkannt, Besserung ist aber keine eingetreten.

„Grundsätzlich ist ein Bejagen möglich“, sagt Bürgermeister Frank Haus. „Ich halte das am Spießfeld aber für zu gefährlich.“ Das Thema habe er Anfang des Jahres auch mit den Jagdpächtern besprochen. „Auch dort herrschte Einigkeit, dass man nur einzelne Tiere schießen kann und das letztlich wenig bringt.“ Die Population, besonders der in hiesigen Gefilden zunächst gar nicht heimischen Nil- und Kanadagänsen, werde das nicht nennenswert verringern.

Was aber dann tun gegen die vielen Tiere, die mancher schon als „Plage“ bezeichnet und die am „Spießfeld“ auch die Bänke am Ufer und mitunter sogar die Spielgeräte mit ihrem Kot verdrecken? „Wir werden versuchen, die Tiere mit Schreckschüssen und Böllern zumindest tageweise zu betreiben“, kündigt der Rathaus-Chef an. Was mit der Idee sei, die Gänseeier zu entnehmen und so die Vermehrung zu verhindern? „Wir haben dort keine Nester finden können“, sagt Haus. Jungtiere sind gleichwohl geboren worden, wie man vor Ort sehen kann. Am Morgen sonnen sich allein am östlichen Ufer des „Spießfeld“-Sees oft 60, 70 Gänse gleichzeitig. Aber auch den weiteren Uferbereich bis hin zu den Spielgeräten nehmen die Tiere in Beschlag.

Keine Nester gefunden, doch Nachwuchs gibt es trotzdem: zwei Kanadagänse mit ihrem Küken am Ufer des „Spießfeld“-Sees.

Nicht nur im Dieburger Westen, sondern auch an einigen weiteren Gewässern im Landkreis Darmstadt-Dieburg ist in den vergangenen Jahren ein starker Zuwachs der Gänsepopulation aufgetreten und beeinträchtigt zunehmend diverse Naherholungsgebiete. Der beim Landkreis Darmstadt-Dieburg angesiedelte „Fachbereich Natur-, Gewässer- und Bodenschutz, Landschaftspflege“ hatte gegenüber unserer Zeitung bereits ausführlich Stellung zum staatlichen Umgang mit den Gänsen genommen. Auch hier die Quintessenz: Das Thema sei bekannt, eine verstärkte Bejagung führe zu keiner dauerhaft nennenswerten Reduzierung und auch das Vergrämen helfe nur kurzfristig.

Nach Auskunft der Behörde sind die Jagdzeiten in Hessen für Grau- und Kanadagänse vom 1. August bis 31. Oktober und für Nilgänse vom 1. September bis 15. Januar. Mit einer deutlichen Reduzierung der Population ist in der bald beginnenden nächsten Jagdzeit dennoch nicht zu rechnen, zumal eine „Belästigung“ des Menschen durch die Tiere nicht ausreiche, um sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Auch bei „invasiven“ Arten (definiert in einer Artenliste der EU), zu denen zum Beispiel die Nilgans gehört, dürfe man nicht pauschal reduzierende Maßnahmen ergreifen. Dies setze eine „Gefährdung von Ökosystemen, Biotopen und Arten durch Tiere und Pflanzen“ voraus. Die Verdrängung heimischer Arten durch die Nil- und Kanadagänse ist laut Behörde nicht nachgewiesen.

Womit die „Tretminen“ an Wolfgangsee und „Spießfeld“ weiter allgegenwärtig sein dürften, da den Gänsen natürliche Feinde fehlen. Bleibt wohl nur das (Ver-)Grämen.

VON JENS DÖRR

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