„Verkaufen, bevor es verfault“

Kommunales „Holzkontor“ soll schnell mit Vermarktung beginnen

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Brennholzwirtschaft im Dieburger Forst. :

„Wir sitzen auf über 100 000 Festmetern Holz“, schilderte der Groß-Bieberauer Bürgermeister Edgar Buchwald jetzt nach seiner Wahl zum Vorsitzenden des Holzkontor-Verwaltungsrats in Dieburg den Ernst der Lage.

Dieburg –  „Und wir müssen schnell in die Gänge kommen, dass uns dieses Holz nicht verfault und wir es zu Dumping-Preisen verschleudern müssen. “.

25 Bürgermeister begrüßte der Langener Bürgermeister Frieder Gebhardt, wie am Donnerstag bereits kurz berichtet, jetzt als Versammlungsleiter im Plenarsaal des Dieburger Rathauses zur Gründungsversammlung des Holzkontors Darmstadt-Dieburg-Offenbach. Die Anstalt öffentlichen Rechts – Neuland in einer sonst von Zweckverbänden gekennzeichneten Landschaft – wird sich künftig um die Vermarktung der Holzbestände von 32 Kommunen kümmern.

Bieberaus Verwaltungschef Buchwald weiß, wovon er spricht: Er war mehr als 30 Jahre bei den Forstämtern Beerfelden und Michelstadt sowie später in leitender Position beim Regierungspräsidium beschäftigt. Seine Amtszeit als Vorsitzender des Verwaltungsrats wird jedoch nicht allzu lange währen, denn sie ist an sein Amt als Bürgermeister gekoppelt, und im kommenden Jahr will er nicht mehr für eine weitere Amtszeit antreten.

Die Leitfigur wird demnächst ohnehin im Groß-Umstädter Rathaus sitzen: Bürgermeister Joachim Ruppert (SPD) war maßgeblich an den zahlreichen Sondierungsgesprächen und Ausarbeitungen beteiligt, die jetzt in die offizielle Gründung eines kommunalen Holzkontors mündeten, und wurde nun einstimmig zum Vorstandsvorsitzenden gewählt. Da er sich derzeit aber noch in einer Reha-Maßnahme von einer Operation erholt, hat sein Dieburger Kollege Frank Haus (parteilos) als Beisitzer im Vorstand kommissarisch die Rolle des Ansprechpartners übernommen.

Gut möglich, dass er – oder Buchwald – in den nächsten Wochen viele Fragen beantworten müssen, denn eine kommunale Organisation zur Holzvermarktung ist in hiesigen Gefilden Neuland, und da ist noch Vieles im Detail zu klären. So wurde beispielsweise die Frage aufgeworfen, wie denn künftig mit den sogenannten Selbstwerbern zu verfahren ist – als jenen Privatpersonen oder Kleinunternehmern, die für den eigenen Bedarf Holz aus kommunalen Wäldern beziehen und weiterverarbeiten. Der Ansicht, dass da künftig wie bisher die Revierförster von Hessen Forst tätig werden, trat Buchwald entgegen und verwies auf die Satzung der neu gegründeten Anstalt öffentlichen Rechts, deren Geschäftszweck die Vermarktung kommunalen Holzes sei, und zwar in jeglicher Hinsicht. „Aber die Förster werden uns doch sicherlich behilflich sein, was die Einweisung dieser Selbstwerber angeht“ – diese Hoffnung blieb unwidersprochen.

Das Beispiel zeigt: Die Schnittmengen und Grenzlinien zwischen Hessen Forst und der neuen Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) sind zum Teil noch in der Praxis zu definieren.

Dass Hessen Forst nicht mehr wie bisher – und eigentlich bewährt – die Aufgabe der Holzvermarktung für die hessischen Kommunen stemmt, hat mit einem Beschluss der Kartellbehörden zu tun, die in der Bündelung der Aufgaben bei dem Landesbetrieb eine zu große Marktmacht sehen. Geklagt hatte die Holzindustrie in Baden-Württemberg.

Da mussten dann auf kommunaler – oder interkommunaler – Ebene neue Instrumente geschaffen werden. Da war auch schon von einer GmbH die Rede, und natürlich stand die Gründung eines Zweckverbands im Raum, die klassische Organisationsform, wenn sich mehrere Kommunen zusammentun, um eine bestimmte (Dauer-) Aufgabe zu stemmen – etwa die Wasserversorgung oder die Schmutzwasserbeseitigung. Das funktioniert in der Regel gut, ist aber ein ziemlich starres Korsett, in das der dynamischen Fortentwicklung eines Konzepts und der zugehörigen Organisationsstrukturen enge Grenzen setzt.

Beim Holzkontor soll nicht ausgeschlossen sein, dass weitere Mitglieder hinzukommen. Interessensbekundungen gibt es bereits, sie reichen bis zur Stadt Offenbach, „aber eine gewisse regionale Übersichtlichkeit sollte gewahrt bleiben“, sagte Buchwald in der Gründungsversammlung. Zur Anschubfinanzierung gewährt das Land eine Förderung von 200.000 Euro.

VON SEBASTIAN RICHTER

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