„Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind

Jugendliche an ihren Grenzen

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Das andere Geschlecht ist eines der Hauptthemen der Schülerinnen.

Die Theatergruppe der Alfred-Delp-Schule führt „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind auf – und zeigt, was es bedeutet, in der Pubertät zu sein.

Dieburg – Zucht und Ordnung herrscht bei Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“, einem Stück, das im Jahr 1890 spielt. Wie Rektorin Sonnenstich mit den Schülern und ihrem Kollegium umspringt, ist kaum noch vorstellbar. Die Ängste und Nöte der Jugendlichen hat Wedekind in seinem gesellschaftkritischen satirischen Drama, das 1906 uraufgeführt wurde, auf den Punkt gebracht. Vergleichbar mit heute ist, dass die Pubertät noch immer so manchen Jugendlichen an seine Grenzen bringt. Dieses Thema haben 26 Schüler der Dieburger Alfred-Delp-Schule aufgegriffen, und sie spielen in ihrem Stück, dessen Premiere am Samstag in der Aula war, einzelne Szenen der Originalvorlage von Wedekind.

Ein weiteres Thema ist ebenfalls noch aktuell: die Angst um die Versetzung und das Quälen für gute Noten. So ist Mona (Carolin Gehring) permanent am Lernen, obwohl sie weiß, dass sie die Versetzung schon erreicht hat. Verzweifelt ruft sie: „Ich werde versetzt, jetzt kann die Welt untergehen“.

Martha (Tilda Novotny) hingegen hat einen Vater, der sie regelmäßig schlägt. Irgendwann lehnt sich Martha gegen ihn auf und schreit ihre Wut laut heraus. Sie will nicht nur ihrem Vater eins „auf die Fresse“ geben, sondern bezieht auch noch die Mutter, die Lehrer und ihren Ex-Freund mit ein. Am liebsten würde sie um die Welt fliegen und nie wieder zurückkommen.

Für alle Jugendlichen ist der Umgang mit dem anderen Geschlecht ein Riesenproblem. Moritz (Lennard Stiefel) erbittet von seinem weitaus erfahreneren Freund Melchior (Konstantinos Karampatzakis) einen schriftlichen Aufklärungskompass, denn selbst wortwörtlich Ratschläge von Melchior zu hören, geht ihm zu nahe. Auch die Mädchen schlagen sich damit herum. So ist für Thea (Luana Partimo) eines klar: Sollte sie Kinder bekommen, dann will sie nur Mädchen – und hier ist ihr höchstes Ziel, diese in Rosa zu kleiden.

Auch die noch heute üblichen Lebensfragen „Wozu gehe ich in die Schule?“ oder „Werde ich jemals einen Job finden?“ quälten die Jugendlichen schon damals. In der ersten Hälfte des Stücke werden die Zuschauer in die Ängste und Nöte der Protagonisten eingeführt. Die Dramen, die sich entwickeln, sollen sich die Zuschauer bei den weiteren Aufführungen selbst anschauen.

Die Bühnendekoration ist sparsam aber sinnig. Lediglich einige Stühle, ein Lernplatz, einige Riesenblüten und zwei weiße Stoffbahnen sind im Hintergrund zu sehen. Man rechnet schon fast nicht mehr damit, aber als es um die Sexualität der Jungen geht, flimmert ein blauer Tanga über die Leinwand.

Bei den Kostümen haben sich die Ausstatter viel Freiheit gelassen. So entsprechen die Kleidungsstücke nicht denen heutiger Jugendlicher, aber in der Kaiserzeit lassen sie sich auch nicht verorten.

" Wer das Stück erleben will, hat noch bei vier weiteren Aufführungen Gelegenheit dazu: Am heutigen Montag, 1., am Mittwoch, 3., Freitag, 5., und am Samstag, 6. April. Karten zum Preis von 8 Euro gibt es in der „Bücherinsel“ und in den Pausen in der Schule.

Von Agnes Badener

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