Schwimmpassion

Ludwig-Steinmetz-Bade ist eröffnet: Frühschwimmer ziehen ihre Runden 

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Endlich ist das Freibad wieder offen: Die Frühschwimmer genossen die ersten Bahnen.

Mit der Öffnung des Ludwig-Steinmetz-Bades ziehen jetzt auch wieder die Frühschwimmer ihre Runden.

Dieburg – Wer schon zehn bis 15 Minuten vor Öffnung am Eingang zum Freibad steht und um Einlass begehrt, bei dem muss die Schwimmpassion außerordentlich groß sein. Zum Start der neuen Freibadsaison sind das 14 Personen. Bis auf eine junge Frau lassen sich ausschließlich Senioren ausmachen. Zum Kreis der allmorgendlichen Frühschwimmer gehörend, werden sie die nächsten Monate bei fast jedem Wetter ihre Bahnen ziehen. Einige überbrückten die kalte Jahreszeit in Hallenbädern, darunter auch Roswitha Neumann aus Groß-Zimmern. „Einmal die Woche ging ich bei uns ins Hallenbad, während ich im Sommer nahezu täglich im Dieburger Freibad bin. Das ist einfach nicht dasselbe“, betont die 74-Jährige.

Beim Einlass erhielt sie mit den anderen Frühschwimmern von Betriebsleiter Holger Kern ihre neue Dauerkarte, die unverändert auf 79,20 Euro kommt. „Das ist in Ordnung. Früher hat sie auch mal 90 Euro gekostet“, weiß Neumann.

Am Montagmorgen ist das Wetter recht heiter, das Thermometer tut 17 Grad Außentemperatur und 24 Grad im Wasser kund. Auf dem Technikraum steigt Rauch aus dem Schornstein und belegt den Betrieb der Gasheizung.

Der Rauch nimmt nicht wenigen Frühschwimmern die Angst aufs Bibbern in der Morgenfrische. „Auch wenn es nicht so ist: Eine Reihe von Gästen glaubt, dass ohne den Rauch etwas mit der Heizung nicht in Ordnung ist“, sagt Holger Stahl, Mitglied der Badeaufsicht. Zusammen mit den Kollegen ist er gespannt, ob sich 2019 das Ergebnis vom letztjährigen Traumsommer mit 100 000 Besuchern einstellen lässt. An die 140 000 Besucher 2003 dürfte man keinesfalls herankommen.

Das An- und Abschwimmen wird jeweils mit einem Glas Sekt sowie einem kleinen mitgebrachten Frühstücksbuffet genossen.

Das liegt vor allem am geänderten Freizeitverhalten der Jugend, die im Gegensatz zu früher heute weit mehr Alternativen für die Nachmittagsgestaltung hat. Viele besitzen bekanntermaßen ein Hightech-Zimmer mit Computer, Spielekonsole und Flachbildschirm. Kommen Jugendliche heute ins Schwimmbad, muss laut Stahl das gesamte drumherum – wie bei einem Event –passen. Dazu zähle richtig heißes Wetter, die Anwesenheit von Freuden oder auch das Angebot des Schwimmbadkiosks. „Zu den generellen Veränderungen gehört zudem, dass Besucher nicht mehr nur an einem Ort schwimmen. Zur Abwechslung wird auch in andere Einrichtungen oder zum See gefahren“, ergänzt Betriebsleiter Holger Kern.

Andere Bäder benötigen und wollen die Dieburger Frühschwimmer nicht, weshalb sie zu den treuesten Gästen zählen. Bei ihren Besuchen wird weniger ein Ereignischarakter als Gesundheit und Fitness bis ins hohe Alter angestrebt. Spaß hat man trotzdem – und auch ein bisschen Event: So wird das An- und Abschwimmen im Frühling und im Herbst mit einem Gläschen Sekt samt einem gemeinsamen Frühstück begangen. Jeder bringt etwas mit. Im Winter pflegt die Gruppe die Gemeinschaft mit einem monatlichen Treffen auf der Moret.

Beim Frühstück zu Beginn dieser Woche war auch die 94-jährige Elisabeth Reinold anwesend. Über Jahre gehörte sie zu den ältesten Morgenschwimmern. Im letzten Jahr musste sie den geliebten Frühsport allerdings zurückstellen, da das Radfahren aus körperlichen Gründen, auch ins Freibad, nicht mehr ging. „Heute haben wir sie extra zum Frühstück und für ein Wiedersehen mit dem Auto abgeholt“, erklärten Volker und Hanne Kramer. Ins Wasser ging es für Reinold aber noch nicht. Sie hofft, dass das noch kommt und die Schwiegertochter, die jetzt in Rente ist, sie regelmäßig bringen kann.

Für das Vorhaben muss auch die Aufsicht mitspielen, denn bei Hochbetagten ist die Gefahr besonders groß, dass im Wasser plötzlich die Kräfte schwinden.

Mit Mitte 70 könnte Volker Kramer noch gut schwimmen, was er aber nicht tut. Zum Saisonauftakt kam er trotzdem mit ins Bad, um seine Frau und die anderen Aktiven beim Aufbau des Frühstücks zu unterstützen. „Ich bin quasi der Butler“, scherzte er. Dreimal im Jahr (zum An- und Abschwimmen sowie im Juni, wenn vier Geburtstage aus der Gruppe an einem Morgen gefeiert werden) ist er als helfende Hand im Vorraum der Umkleiden zur Stelle – allerdings ohne einen Fuß ins Wasser zu setzen. Seine Frau Hanne hat sich bereits daran gewöhnt, dass ihr Mann lieber wandert oder Ski fährt. „Seit wir zusammen sind habe ich ihn erst drei- oder viermal im Wasser gesehen“, sagt sie.

VON MICHAEL JUST

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