Dreieichbahn: „Es wird immer schlimmer“

Pendler genervt von Verspätungen und technischen Mängeln

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„Polen-Schreck“ nennt ein Bahnkunde die neuen Fahrzeuge eines polnischen Herstellers.

Ein „Qualitätssprung“ sollten die neuen Züge der Dreieichbahn laut Deutscher Bahn sein – viele Pendler sind dagegen genervt von Verspätungen und technischen Mängeln. 

Dieburg – „Mehr Freude an der Zugfahrt.“ „Spurtstarke Fahrzeuge.“ „Zum Vorteil der Fahrgäste.“ Die Freude war groß unter den Offiziellen, als sie Ende Januar die neuen Züge der Dreieichbahn vorgestellt haben. Doch wie das so ist mit Anspruch und Wirklichkeit: Die Fahrgäste sehen’s anders.

„Ich fahre nun seit acht Jahren diese Strecke, und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer“, sagt der Dieburger Tobias Hach. Der neue Zug sei „nur peinlich und absolut unzuverlässig“. Auch Hartmut Röder aus Dieburg ist unzufrieden mit der RB 61, wie die Dreieichbahn offiziell heißt, und hat nun eine Beschwerde ans Eisenbahn-Bundesamt geschrieben. Hach und Röder haben eine Reihe von Pleiten, Pech und Pannen mit den neuen Zügen vom Typ Pesa Link des polnischen Herstellers Pesa Bydgoszcz SA dokumentiert (siehe Kasten). Zu wenig Züge, eine sehr laute Lüftung/Klimaanlage, ahnungsloses Zugpersonal und vor allem immer wieder Verspätungen oder Zugausfälle – die Listen der Klagen von Hach, Röder und weiteren Fahrgästen ist lang. Hach spricht vom „Polen-Schreck“.

Freitag, 1. März, Frankfurt-Hauptbahnhof: Die Dreieichbahn (RB 61) nach Dieburg fällt mal wieder aus, obwohl die Bahn eine „Stabiliserung der Betriebslage“ nach anfänglichen Schwierigkeiten sieht.

„Die (...) beschriebenen Probleme gehören zu den leider nicht immer vermeidbaren Kinderkrankheiten“, teilt ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) in Frankfurt auf Anfrage unserer Zeitung mit. Hintergrund seien unter anderem Störungen beim Kuppeln zweier Züge gewesen. Das entsprechende Fahrzeug werde nun untersucht und vorerst nicht mehr zum Kuppeln eingesetzt. Die „Betriebslage“ habe sich seitdem „stabilisiert“. Auch das Problem der zu lauten Klimaanlage sei erkannt, die Servicestelle arbeite daran.

DB Regio arbeite mit Hersteller Pesa zusammen, um den weiteren „Roll-out“ der Gesamtflotte von insgesamt zehn Fahrzeugen vorzubereiten. Für die „Unannehmlichkeiten“ entschuldige sich das Unternehmen bei den Fahrgästen.

Doch die sind nicht die einzigen, die sich beschweren: In Dreieich haben genervte Anwohner nun eine Unterschriftenaktion initiiert. Sie klagen über den Lärm, den die neuen Triebwagen seit gut einem Monat produzieren. „Wir können einen deutlichen Unterschied feststellen zwischen den neuen und den alten Zügen. Wenn ein neuer in den Bahnhof einfährt, fallen wir fast vom Sofa“, sagt Antje Schrom, die in der Dreieicher Bahnstraße an der Strecke wohnt. Anwohner André Krebs ist ebenfalls genervt und berichtet von heulenden Geräuschen der polnischen Triebwagen.

Die neuen Dieseltriebzüge sind seit 2. Februar auf der RB 61 im Einsatz. In der Innenausstattung sind sie durchaus komfortabler und größer. Derzeit sind sechs bereits ausgelieferte Fahrzeuge unterwegs, im April sollen es neun sein, im August dann zehn. Die nicht elektrifizierte Dreieichbahn verbindet Dieburg unter anderem über Münster, Eppertshausen, Ober-Roden und Dreieich-Buchschlag mit dem Frankfurter Hauptbahnhof. Werktags nutzen der Bahn zufolge etwa 7 000 Fahrgäste die Dreieichbahn. Die S-Bahn fährt ab Ober-Roden in einem engeren Takt nach Frankfurt. Eine Verlängerung der S-Bahn bis Dieburg ist trotz zahlreicher politischer Vorstöße in der Vergangenheit nicht in Sicht.

Ihre Meinung zur Dreieichbahn

Zugausfälle, Pünktlichkeit, Ausstattung, Nutzerfreundlichkeit – schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen mit der Dreieichbahn an red.dieburg@da-imnetz.de

Von Ralf Enders

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