Wertstoffhof in Semd

Karton-Flut kostet jetzt Geld: seit März gilt eine Gebühr für die Anlieferung

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Das geht nicht mehr: Wer seine Kartons einfach neben die Altpapiertonne stellt, bleibt auf ihnen sitzen – vor allem, weil den Mitarbeitern der Entsorgungsbetriebe das Gewicht nicht zuzumuten ist. Aber auch das Anliefern am Wertstoffhof kostet seit 1. März Geld.

In Dieburg sind die Zeiten vorbei, in denen Altpapier und Kartons Geld eingebracht haben. Und nicht nur das.

Dieburg – Wegen des riesigen Überangebots in den vergangenen Jahren ist der Preis kontinuierlich gesunken, seit Januar verlangen die Händler gar eine Gebühr fürs Altpapier – Negativzinsen quasi. Und die geben die Entsorger freilich an die Kunden weiter. 

Wer sein Altpapier, Kartonagen oder Pappe zum für Dieburg zuständigen Wertstoffhof im Groß-Umstädter Stadtteil Semd bringt, muss seit dem 1. März eine Gebühr von 10 Euro pro Kubikmeter zahlen, wie das betreibende Da-Di-Werk auf Anfrage des Dieburger Anzeigers bestätigt.

Hinter der Altpapierflut steckt vor allem der zunehmende Online-Handel und die damit verbundenen Verpackungskartons. Ein paar Zahlen: Am Wertstoffhof in Semd wurden seit 2012 Altpapier und Kartonagen ohne Gebühr angenommen. Die Vergütung, die das Da-Di-Werk von der Papierfabrik erhielt, lag 2017 noch bei mehr als 100 Euro pro Tonne. Im Dezember 2019 waren es gerade mal noch 19 Eurocent, und seit Januar verlangen die Händler dem Da-Di-Werk zufolge eine Zuzahlung von 10 Euro pro Tonne. Für Februar wird rückwirkend erwartet, dass diese Zahl auf 20 Euro steigt, erklärte ein Sprecher des Kreis-Eigenbetriebs. Tendenz steigend. „Die Gebühren auf dem Wertstoffhof sollen den Marktpreis abbilden – und das tun sie“, sagt er.

Andere Sammelstellen im Kreis wie in Roßdorf, Pfung-stadt, Griesheim oder Erzhausen haben die Gebühr bereits früher eingeführt.

Prinzip Marktwirtschaft: Die Anliefermengen haben sich parallel zu den sinkenden Preisen sehr stark erhöht: Wurden im Jahr 2017 gut 77 Tonnen nach Semd gebracht, waren es 2018 schon 103 und 2019 dann 210 Tonnen. Für 2020 erwartet das Da-Di-Werk 250 Tonnen Altpapier und Kartonage.

Das alles sind Zahlen für die Anlieferung in Semd. Auf die blaue Tonne zuhause hat die neue Gebühr keine Auswirkungen, betont der Sprecher. Wem eine blaue Tonne nicht reicht, der kann sich eine zweite abholen oder gegen eine Anlieferungsgebühr von 15 Euro nach Hause bringen lassen. Die Abfuhr bleibt kostenlos.

Vielleicht hilft ja in vielen Fällen auch schon ein besseres Tonnen-Management: „Viele Leute stopfen riesige Kartons im Ganzen in die Tonnen“, berichtet der Sprecher des Da-Di-Werks, „die ist dann natürlich schnell voll.“ Zerrissen oder kleingeschnitten würde wahrscheinlich das Dreifache in die Tonne passen.

VON RALF ENDERS

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