Tristesse statt Kabarett

Kein Geld für Toilettensanierung - Aula am Campus Dieburg bleibt verwaist

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Die Hochschul-Aula in Dieburg. Wann hier wieder öffentliche Kulturveranstaltungen stattfinden können, ist ungewiss.

Die Stadt Dieburg ist reich an kulturellen Veranstaltungen und kann einen gewissen Aderlass durchaus verkraften. Was seit einigen Monaten Realität ist und noch länger sein wird, schmerzt dann aber doch: Die zur Hochschule Darmstadt (h_da, einst FH) gehörende Aula am Campus Dieburg bleibt auf unbestimmte Zeit für öffentliche Veranstaltungen geschlossen. Der Grund ist scheinbar marginal.

Dieburg – Die Auftritte von Kabarettist Urban Priol, Comedian Michl Müller und Illusionist Nicolai Friedrich waren Ende 2018 beziehungsweise im Januar 2019 vorerst die letzten Veranstaltungen im größten Kulturtempel der Stadt. Der bietet im großen Saal mit seiner theaterartigen Reihenbestuhlung, in der jede Reihe ein Stückchen höher liegt als die vor ihr, 1 200 Zuschauern Platz. Des Öfteren, etwa bei Stammgast Priol, war die Aula mit eben dieser stattlichen Zahl auch ausverkauft.

Mieter waren in erster Linie professionelle Agenturen, die ihre Künstler nach Dieburg schickten. Aber nicht nur: Beispielsweise die Sparkasse Dieburg lud ihre Kunden wiederholt zum Konzert des Wiesbadener Johann-Strauß-Orchesters in die h_da-Aula ein. Alle zwei Jahre zeigte das Dieburger Ballettstudio Pawlowski große Aufführungen. Im vergangenen November feierte sich die Hochschule in der Aula selbst, zelebrierte dort das Jubiläum „50 Jahre Campus Dieburg“.

Im Rahmen der Festveranstaltung nannten Hochschul- und Landesvertreter immer wieder Millionenbeträge, die in den nächsten Jahren in den Campus Dieburg fließen sollen. Die Stärkung des Standorts mit seinen 3 600 Medien- und BWL-Studenten ist landes- wie hochschulpolitischer Wille.

Für den kompletten Campus Dieburg hat sich laut h_da-Pressesprecher Simon Colin ein Sanierungsvolumen in Höhe von 60 Millionen Euro aufgestaut. Derzeit laufen hochschulintern Workshops, die sich nicht nur mit der Sanierung, sondern auch einem zusätzlichen Hochschulgebäude im Dieburger Osten befassen.

Vor dem Hintergrund solcher Summen und Pläne mutet der Grund für das vorübergehende Aus der öffentlichen Kulturveranstaltungen in der Aula banal an: „Die Toilettenanlage ist in einem schlechten Zustand“, sagt Simon Colin.

Der große Saal mit seiner theaterartigen Reihenbestuhlung bietet 1 200 Zuschauern Platz.

Darüber hätten sich wiederholt Veranstalter beklagt. „Wenn jemand 30 Euro für eine Eintrittskarte bezahlt, darf er zeitgemäße Toiletten erwarten“, kann Colin die Kritik verstehen.

Schnelle Abhilfe ist jedoch nicht in Sicht: „Die Hochschule hat im Moment kein Geld für die Sanierung.“ Man wünsche sich die „auf alle Fälle, und wir finden auch, dass die Aula ein ganz toller Magnet für Kulturveranstaltungen aus der Region ist“. Letztlich müsse man aber auf das Geld aus Wiesbaden warten. Mittel, die vorhanden seien, setze man zunächst immer für die Aufrechterhaltung des Lehrbetriebs ein: „Das hat die höchste Priorität.“

Derzeit verzeichne die h_da mit Blick auf die Aula in Dieburg „etwa drei bis vier Veranstalteranfragen pro Jahr“. Ob der heruntergekommenen Toiletten bescheide man diese aktuell aber negativ. Im laufenden Jahr 2019 wird in der Aula nahezu sicher nichts mehr stattfinden, auch für 2020 ist noch keine Veranstaltung terminiert. Colin: „Wir können noch kein Jahr oder keinen Zeitpunkt nennen, wann die Aula wieder vermietet wird.“

Immerhin: Der kleinere Hörsaal unter dem großen Theatersaal mit Bühne wird weiterhin für studentische Veranstaltungen, zum Beispiel den „Media Monday“, genutzt.

VON JENS DÖRR

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