Den Geist des Ortes eingefangen

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Rudolf Schmidt (rechts) mit Bruder Berthold und dessen Konterfei.

Dieburg (ves) - Lag es nun an dem bekannten Maler, der seine Werke präsentierte oder an dem Thema, das er auf Leinwand gebannt hatte, dass so viele Besucher den Weg zur Vernissage gefunden hatten? Sicherlich war es eine Kombination aus beidem, die die Kunstinteressenten selbst von Erbach und aus dem Taunus anreisen ließ.

Hinzu kamen möglicherweise die Aspekte, dass ein Kollege des Künstlers die Laudatio hielt und die Werke in der Bücherinsel ausgestellt wurden, wo schon so manche Ausstellung zu besichtigen war. Die Rede ist vom Künstler und bekannten Maler Rudolf Schmidt, der Dieburg seine Heimatstadt nennt. Und das Thema, das er auf Leinwand festhielt, ist ein aktuelles, das alle Dieburger beschäftigt: das Kapuzinerkloster und dessen bevorstehende Schließung. .

Auch wenn Schmidt seit vielen Jahren den Hunsrück und Indonesien – seine Frau stammt von dort – seine Heimat nennt, so zieht es den 82-Jährigen doch immer wieder in seine Geburtsstadt. Er ist über das hiesige Geschehen informiert.

Maler griff zur Kamera

Rudolf Schmidt, Schüler von Professor Anton Kling und Paul Thesing, Student der Kunstakademie Karlsruhe und der Accademia di belli Arti in Rom, arbeitet seit den achtziger Jahren als freier Maler mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland, darunter waren eine Gruppenausstellung und zwei Einzelausstellungen auch in Dieburg.

„Hinter Klostermauern - Impressionen aus dem Kapuzinerkloster“, so benannte Schmidt seine Ausstellung, die Einblicke in das Leben im Minnefeld widerspiegeln. Insgesamt zwanzig Werke sind in rund acht Wochen entstanden. „Aufgrund der unstetigen Wetterverhältnisse konnte ich nicht oft im Kloster malen“, erzählte Schmidt. Daher griff der Maler zur Kamera, fertigte Fotos von seinen Motiven an und stellte die Bilder zu Hause fertig. Während seiner Besuche im Kloster beobachtete er die Kapuziner so gut wie möglich in ihren Alltagsabläufen und suchte den Austausch mit ihnen. Deren Ebenbilder hielt er dann in Posen versunkener Stille auf Leinwand fest. Auf die Frage, was er am meisten mit den entstandenen Gemälden verbinde und im Nachhinein für ein Resümee ziehe, antwortete Bruder Berthold zögernd „dass aus der Geschichte jetzt Geschichte wird“.

Meditative Einblicke

Bildhauer und Lichtenbergpreisträger Martin Konietschke hielt die Laudatio für den Künstler und beschrieb die entstandenen Gemälde mit einprägsamen Worten. „Bei der Farbgebung bevorzugte der Künstler die erdigen Töne und heimische Farben. Die Motive reflektieren die Sicht meines Kollegen“, erläuterte Konietschke. In seiner weiteren Charakterisierung der Werke hob er die zentrale, fast mittige Darstellung der Motive hervor und erklärte die Kontroverse der Konturen, die unter den Malern herrscht. Er beschrieb die Kraft, die die Bilder entwickeln und die meditativen Einblicke, die sie dem Betrachter bieten.

Sicherlich empfand das Publikum ebenso, denn innerhalb kurzer Zeit zierte der erste rote Punkt, der einen Verkauf signalisierte, eins der Gemälde. Währenddessen hielt sich der Künstler still und bescheiden im Hintergrund. „Er hat den Geist des Ortes in seinen Bildern eingefangen“, lautete die Meinung eines Besucher, dem andere gerne zustimmten. Schließlich haben viele Dieburger seit der Kindheit Erinnerungen ans Kloster und konnten in angeregten Gesprächen viele Erlebnisse austauschen.

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