Nicht überall ist auch „Stihl“ drin

Dieburg/Münster - Viele suchen noch nach einem passenden Geschenk für Papa. Da kommt ein richtiges Schnäppchen in Form einer Motorsäge gerade recht. Dies haben sich offenbar auch zwei Männer am Montag in Münster gedacht, als sie aus ihrem Fahrzeug angebliche Kettensägen der Firma Stihl zum Kauf anboten. Von Lisa Hager

Normal ist so eine Säge im Fachhandel für 1100 Euro zu haben. Die beiden 20 und 47 Jahre alten Männer boten diese deutlich günstiger an. Eingekauft hatten sie die Plagiate gar für nur 50 Euro. Das stellten Beamte der Polizeistation Dieburg bei einer Kontrolle des Fahrzeugs auf der B45 anhand von sichergestellten Quittungen fest. Um die Kettensägen auf Echtheit zu trimmen, wurden jedoch mehrere Aufkleber mit dem Firmennamen der Firma Stihl aufgeklebt. Daneben als besonders dreiste Masche wurden die Sägeblätter mit einem kurz zuvor erworbenen Original-Kettenschutz ausgerüstet.

Die Polizei stellte die Plagiate mit dem Original-Kettenschutz, mehreren Toolkits und Nachfüllkanistern sicher und erstattete Strafanzeige wegen gewerbsmäßigen Betruges gegen die beiden Männer. Beide sind gerade auf diesem Gebiet keine Unbekannten.Wenig überraschend ist, dass die Männer auch über keine Reisegewerbekarte verfügen. Da die Quittungsbelege der beiden Beschuldigten den Ankauf noch weiterer Kettensägen ausweisen, geht die Polizei davon aus, dass weitere Betrugsopfer vorhanden sind. Die Kriminalpolizei in Darmstadt (K 23) ermittelt und bittet weitere mögliche Geschädigte sowie Angesprochene, sich unter 06151/969-0 zu melden.

Wie aber kann man ein Original von einer Fälschung unterscheiden? „Im Gegensatz zum Plagiat befinden sich auf dem Original keine Aufkleber mit dem Firmennamen“, so die Polizei. Auf dem Gehäuse ist hier der Name „Stihl“ eingeklippt oder angegossen. Jedes Original verfügt über eine eingravierte Seriennummer (muss nicht zwangsläufig mit dem stilisierten „S“ abschließen, das „S“ befindet sich von außen sichtbar auf manchen Bauteilen).

Auch auf der Kette gibt es deutliche Unterschiede. Auf den Schneidezähnen ist wiederum der Schriftzug „Stihl“ eingraviert. Auf dem Schalldämpfer befindet sich ein zerlaufener Farbpunkt. Die aktuellen Modelle verfügen über zwei oder drei „Fenster“ im vorderen Handschutz.„Neben dem finanziellen Schaden, der durch diese Form des Betrugs für die Opfer entsteht, der vom mutmaßlichen Original-Hersteller nicht zu erwartenden Garantie, ist das Hantieren mit einer minderwertigen Kettensäge sicher auch nicht ganz ungefährlich für den Nutzer“, warnt die Polizei weiter.Deshalb sollte man von solchen vermeintlich „günstigen“Straßenkäufen Abstand nehmen - seien es Kochtöpfe, Messersets, Werkzeuge oder Lederjacken. Der Eindruck, ein Schnäppchen gemacht zu haben, werde sich bald verflüchtigen, sind sich die Kriminalbeamten sicher: „Die praktische Realität sieht leider anders aus und der Ärger stellt sich schnell ein.“

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