Klimaschutz vor Ort

„Energiebürgertisch“ leistet Hilfe für Verwaltung und Stadtparlament

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Möchten beim Klimaschutz verstärkt „konstruktiver und positiver“ Partner von Verwaltung und Lokalpolitik sein: Dieburgs Energiebürger, hier der Großteil des derzeit aktiven Kerns. 

Dieburg - Sie verstehen sich als politisch neutrales Bindeglied zwischen Amtsträgern und Bürgern und setzen sich für Klimaschutz ein – konkret vor Ort: die „Energiebürger“. Von Jens Dörr

Klimaschutz und Energieversorgung: Nirgendwo in Deutschland treffen diese beiden Aufgaben derzeit so plakativ aufeinander wie im Landkreis Düren. Im Hambacher Forst geht es darum, ob Bäume stehen bleiben und das für die Erderwärmung mitverantwortliche Kohlendioxid aus der Luft filtern dürfen – oder ob der Abbau von Braunkohle weiteren Raum einnehmen darf. Was das Thema im Lokalteil unserer Zeitung zu suchen hat? „Wir sind in Dieburg auch Hambacher Forst“, sagt Henning Eckel. Er gehört zum „Energiebürgertisch Dieburg“.

Seit 2014 fungiert der politisch neutrale Zusammenschluss von Bürgern aus der Gersprenzstadt als Bindeglied zwischen Einwohnern, Firmen und der Kommune – und tritt zunehmend öffentlich in Erscheinung.

Sieben Personen, darunter eine Frau, bilden derzeit den harten Kern des Energiebürgertischs. Der erwuchs aus einer Klimaschutz-Initiative mit Bürgerbeteiligung, ist von der Initiative wie auch von der Stadt Dieburg von Anfang an gleichwohl unabhängig. Seit vier Jahren trifft sich die Runde meist einmal im Monat zu Informationsaustausch und Abstimmung der nächsten Schritte. Noch deutlich mehr Zeit wenden die „Energiebürger“ zwischen den Treffen auf, für Recherche, konzeptionelles Arbeiten, Vernetzung. Der erste Meilenstein ist erreicht: Im Februar dieses Jahres stellte die Gruppe Dieburgs Verwaltung sowie den Fraktionen im Stadtparlament ein 23-seitiges Papier zur Verfügung. Der Titel: „Kommunaler Klimaschutz in Dieburg“ – mit dem Zusatz „Anregungen zur Umsetzung von Klimaschutzzielen und zur Anpassung an den Klimawandel in der Stadtentwicklung“.

Das unterstreicht bereits recht gut, was Dieburgs Energiebürger für die Stadt und ihre Menschen (und damit automatisch auch für die Allgemeinheit, schließlich macht der Klimawandel nicht am Ortsschild Halt) erreichen möchten. „In unserem Papier haben wir abstrakte Klimaschutz-Ziele für die Stadtverwaltung und die Lokalpolitik heruntergebrochen“, sagt Eckel. Energiebürger Stefan Haugrund ergänzt: „Klimaschutz muss bei jedem Einzelnen anfangen –und auch im Kleinen in Städten wie Dieburg. Unsere Stadt wird im Süden und im Westen bald größer. Hier wollen wir Impulse geben, dass die Entscheider die Entwicklung dieser Gebiete nicht nur auf der Grasnarben-Ebene diskutieren, sich über Straßenquerschnitte Gedanken machen oder darüber, wo mal eine Parkbank hinkommen soll. Wir wollen dazu anregen, die Entwicklung dieser Baugebiete mit Blick auf den Klimawandel konzeptionell zu untermauern, auch qualitative Ahnung von außen hinzuzuholen.“

Man sehe zwar, dass in Dieburgs Süden der Zug ob der weit fortgeschrittenen Bauleitplanung schon ein wenig abgefahren sei. „Dort wird man nicht mehr das große Programm fahren können“, glaubt Eckel. „Eine begleitende Projektplanung wäre aber noch möglich.“ Dafür sensibilisierte die Stadtverordneten vor wenigen Wochen auch ein Vortrag, den die Energiebürger eingefädelt hatten. Für Klimaschutz-Maßnahmen, die man in Dieburgs neuen Baugebieten umsetzen könnte, liefert der Energiebürgertisch eine lange Liste von Anregungen (siehe weiteren Artikel auf dieser Seite).

Sauger, Kleber, Moos: Der bizarre Kampf gegen miese Luft

Bei allem, dazu bekennt sich der Energiebürgertisch Dieburg klar, müsse man als Basis aber zwingend anerkennen: „Der Klimawandel ist schon heute Realität. Unsere auf Kohle, Gas, Erdöl und Uran basierende Energieversorgung ist auf Dauer nicht tragfähig. Ihre Verwendung führt zu Veränderungen des Klimas oder birgt ungelöste Probleme wie die Lagerung radioaktiver Abfälle. Nach Ansicht der Forschung – diesem Ziel schließen wir uns an – ist eine Reduktion der Treibhausgase um 80 bis 90 Prozent bis zum Jahr 2050 erforderlich.“

Dieburg soll sein Scherflein dazu beitragen, aktiviert zunehmend auch von den Energiebürgern. „Wir meinen es konstruktiv und positiv“, stellt Stefan Haugrund heraus, dass man keinesfalls nörgelnde Nervensäge, sondern ehrenamtlich engagierter Partner in der Sache sein will. „Ich hoffe, so werden wir auch wahrgenommen.“ Bedeutsam sei nun aber, dass es in Dieburg künftig stärker als bislang „Leitplanken gibt, wo wir im Klimaschutz eigentlich hinwollen. Sich einfach nur ,die Stadt im Grünen’ zu nennen, ist ein bisschen wenig.“

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