Klimaschutzmanager 

Fahrrad statt Auto: Dieburg hat einen Klimaschutzmanager

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Dieburgs neuer „Chef-Klimaschützer“: Andreas Achilles mit den neuen „intelligenten“ Heizungsthermostaten.

Seit ein paar Wochen arbeitet Andreas Achilles als städtischer Klimaschutzmanager in Dieburg. Er hat einen „Fahrplan“ mit 14 Maßnahmenpaketen. 

Dieburg – Seine persönliche Klimabilanz hat Andreas Achilles in den vergangenen Wochen bereits verbessert. Zehn Jahre lang arbeitete der diplomierte Energiewirt bei der Agentur HessenEnergie in Wiesbaden. Statt wöchentlich hunderte Kilometer zu pendeln, schwingt sich der 39-Jährige nun einfach ein paar Minuten aufs Rad: Seit Oktober ist Achilles der neue Klimaschutzmanager der Stadt Dieburg. Er ist im ganzen Landkreis erst der zweite seiner Art. Denn vor Andreas Achilles, vierfacher Vater und waschechter Dieburger, hat mit Eric Maercker lediglich in Münster ein Klimaschutzmanager in einer Kommune in Darmstadt-Dieburg die Arbeit aufgenommen. Zudem ist ein solcher Manager noch auf Kreisebene aktiv.

Womit Dieburg also zur Avantgarde gehört, was verwundern kann: Schließlich ist der Klimaschutz in aller Munde, und die finanziellen Rahmenbedingungen für Städte und Gemeinden sind attraktiv. Achilles’ Stelle etwa, zunächst befristet auf drei Jahre, wird in dieser Zeit (über den Projektträger Jülich) etwa zur Hälfte vom Bund finanziert. Möglich ist zudem eine zweijährige Anschlussförderung, ehe eine Kommune ihre Art „Chef-Klimaschützer“ ganz aus eigenem Säckel bezahlen müsste. Bis zu fünf Jahre also, in der auch der neue Dieburger Klimaschutzmanager zeigen kann, dass seine Arbeit unentbehrlich ist. „Nachhaltigkeit hat mich schon früh interessiert“, sagt Achilles. „Das ist auch Kinderstube.“ Für die neue Herausforderung im Rathaus bewarb er sich auch, weil er über den reinen Energiesektor, der seine vorherige berufliche Station dominierte, hinausgehen wollte. In seiner Heimatstadt kann er sich mit dem Nachhaltigkeitsgedanken nun ganzheitlich befassen.

Ein weites Feld auch für den Profi, wie schon das von der Stadt ausgeschriebene Stellenprofil zeigt. Insbesondere soll Achilles die Umsetzung der Maßnahmen koordinieren, die 2014 unter anderem der Dieburger Energiebürgertisch für das „Integrierte Klimaschutz-Konzept der Stadt Dieburg“ erarbeitet hat. „Das Konzept, an dem auch das Darmstädter Institut für Wohnen und Umwelt mitgewirkt hat, ist praktisch meine Arbeitsgrundlage“, sagt der Manager. Konkretisiert wurde das Konzept 2017 unter dem Namen „Aufbau eines Klimaschutz-Managements der Stadt Dieburg“. „Das ist für mich eine Art Fahrplan.“

In diesem „Fahrplan“ festgehalten sind 14 Maßnahmenpakete, um Dieburg klimafreundlicher zu machen. Einige Beispiele zeigen die noch ungenutzten Möglichkeiten in der Gersprenzstadt auf. „Am schnellsten kann man am kommunalen Energieverbrauch drehen“, erläutert Achilles. „Da geht es darum, Potenziale zu erkennen – und dann ran an die Liegenschaft!“

Die „Muggelburg“ wird im Laufe des Jahres erweitert. Ihr gen Süden ausgerichtetes Dach bietet Potenzial für eine Fotovoltaik-Anlage. 

Neue Fenster, LED-Beleuchtung und „intelligente“ Heizungsthermostate (die erfassen, ob Menschen im Büro sind oder nicht) im Rathaus sind simple Investitionen, die teils ganz aktuell umgesetzt werden. Fürs „Jugendcafé“ auf der Leer, wo die Heizung ausgetauscht werden muss, erarbeitet man besser gleich ein umfassendes Sanierungskonzept. Überhaupt bietet gerade das, was noch kommt, besonders große Chancen: „Beispielsweise über Vorgaben für ein Energiekonzept fürs Baugebiet Dieburg-Süd. Ziel ist es, dass der Süden weitestgehend ohne fossile Energieträger versorgt wird.“ Auch bei der Beschaffenheit der dortigen Gebäude könne man Sinnvolles vorgeben.

In den Bereich Energiesparen fällt auch die sukzessive Erneuerung der Dieburger Straßenbeleuchtung, die Achilles einen „Flickenteppich mit System“ nennt und die ihn so manches Telefonat mit der Entega führen lässt. Überhaupt ist die Vernetzung mit weiteren Klimaschutz-Akteuren eine weitere wichtige Aufgabe des Managers. Der soll zudem Fördertöpfe für die Umsetzung konkreter Maßnahmen auftun („Da hilft mir auch mein Ex-Job“), klimaschutzrelevante Daten in Dieburg systematisch erfassen und auswerten und die Klimaschutz-Aktivitäten aller Fachbereiche der kommunalen Verwaltung koordinieren. „Da hilft mir, dass ich in den Runden der Fachbereichsleiter dabei bin“, freut sich Achilles über Informationen aus erster Hand.

Obgleich der Dieburger wie geschildert an seinem Wohnort nicht nur mit Energiesparen und -erzeugung befasst ist, so führt ihn doch auch sein neuer Job – und auch das Gespräch mit dem Dieburger Anzeiger – immer wieder auf diesen Bereich zurück. Nach noch ungenutzten Standorten für Fotovoltaik auf städtischen Liegenschaften oder Grundstücken gefragt, hat Andreas Achilles gute wie schlechte Nachrichten: Während solche Anlagen etwa auf dem Rathaus oder dem Museum nicht möglich seien, könnte auf einem künftigen Erweiterungsbau der Kläranlage Strom aus Sonnenenergie erzeugt werden. Auch beim neuen Betriebshof, der an der Altheimer Straße gebaut werden soll, wird eine solche Anlage mitgedacht. Im Zuge des Anbaus der Kita „Muggelburg“ gebe es ebenfalls eine „positive Tendenz – eventuell sogar mit Bürgerbeteiligung“.

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