Bürgschaft für neues Trainingsbad

„Im Prinzip ja, aber ...“

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Viele Kinder waren unter den Teilnehmern des Aktionsbündnisses, das bei den Stadtverordneten vor deren Sitzung im Rathaus für eine Bürgschaft warb. Die Stadt soll einen 3-Millionen-Kredit des Wassersportvereins für ein neues Trainingsbad absichern.

Dieburg - Bekommt der Wassersportverein (WSV) Dieburg eine Bürgschaft über drei Millionen Euro von der Stadt Dieburg für den Bau eines neues Trainingsbades? Diese Frage ist auch nach einer heißen Sitzung des Stadtparlaments am Donnerstagabend noch nicht beantwortet. Von Ralf Enders 

„Ich bin seit etwa 45 Jahren im Parlament, aber so viele Leute, vor allem mit Kindern, habe ich hier noch nicht erlebt.“ Das sagte CDU-Parlamentarier Friedrich Jakob über eine in der Tat denkwürdige Sitzung der Stadtverordneten. Zuvor hatten etwa 250 Teilnehmer, darunter viele Kinder, vor dem Rathaus für den Schwimmsport in Dieburg demonstriert. Viele verfolgten anschließend die Debatte, teils auf dem Flur. Im Sitzungssaal ging es um eine Bürgschaft über drei Millionen Euro, die die Stadt Dieburg auf Wunsch des WSV für den Bau eines neuen Trainingsbades übernehmen soll. Doch dem entsprechenden Antrag der FDP mochte sich die Mehrheit nicht anschließen, zu groß seien die Risiken. Beschlossen wurde nach langer und wohltuend sachlicher Diskussion quasi eine „Light-Version“ des Antrags, die eine Bürgschaft nicht gleich verwehrt, aber auch nicht ohne Weiteres gewährt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie ist der Sachstand?

Das Trainingsbad an der Max-Planck-Straße wird seit 2003 vom WSV erfolgreich betrieben. Etwa 2 000 Menschen – aus Schulen, WSV und anderen Vereinen – nutzen es pro Woche. Allerdings ist Ende 2019 Schluss, das Bad gehört einem privaten Investor, der dort Wohnungen errichten möchte. Der WSV will ein neues Trainingsbad neben dem Freibad bauen, braucht dafür aber die Bürgschaft der Stadt.

Was sagt die Stadt?

Der Magistrat verweist auf einen Parlamentsbeschluss von 2017, wonach die Stadt ein erschlossenes Grundstück bereitstellt. Eine Empfehlung für die Bürgschaft mochte er nicht geben.

Bürgermeister Frank Haus (parteilos) persönlich unterstützt die Bürgschaft. Er sprach von einem Projekt, das in Hessen Vorbild sein könne – „ein herausragendes Beispiel für die Zusammenarbeit der öffentlichen Hand mit einem Verein“.

Was sagen die Parteien?

Alle lobten unisono die Arbeit des WSV und sind freilich nicht gegen ein Trainingsbad. Der Weg dahin aber ist umstritten.

Die FDP plädierte leidenschaftlich für die Bürgschaft unter genau definierten Voraussetzungen. Sie hat das Thema maßgeblich ins Parlament gebracht. Fraktionsvorsitzender Wilhelm Reuscher: „Das Trainingsbad ist eine Erfolgsgeschichte, bekannt über die Stadtgrenzen hinaus und ein Symbol für Bürgerengagement.“

Für die CDU erinnerte Frederik Schikora daran, dass die Stadt bereits 700 000 Euro für Areal, Erschließung und Planung in die Hand nehme. Eine Bürgschaft aber berge hohe Risiken und verletze zudem die Gleichbehandlung der Dieburger Vereine. Generell müsse der Landkreis als Schulträger seiner Verantwortung gerecht werden.

Aus den Reihen der CDU votierte nur Benedikt Oberhuber für die Bürgschaft gemäß FDP-Vorschlag; sein Zusatzantrag, schon Synergieeffekte mit dem Freibad berechnen zu lassen, wurde abgelehnt.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Dr. Helena Schwaßmann kritisierte, dass die 3-Millionen-Bürgschaft ohne aktuelle Berechnung gewährt werden solle. Sie beantragte die letztlich erfolgreiche Änderung des FDP-Antrags.

SPD-Sprecher Rolf Netzlaff meinte, der Begriff „Trainingsbad“ verschleiere, dass es ein „Vereinsbad“ werden solle. Die Stadt sei dem WSV schon „weit über die übliche Vereinsförderung“ entgegengekommen.

Die Unabhängige Wählergemeinschaft Dieburg (UWD) äußerte sich in der Debatte nicht, beantragte aber erfolgreich, dass die vom WSV verlangten Unterlagen bis 1. April vorliegen müssen.

Und der Landkreis?

Der hat das Projekt „Jedes Kind soll schwimmen lernen“ verkündet – hält sich ansonsten aber eher raus. Im November ist die Union im Kreistag mit einem Antrag gescheitert, ein neues Bad in Dieburg finanziell zu unterstützen. Dies hielt CDU-Fraktionschef Renée Exner dem FDP-Kreistagsmitglied Reuscher auch genüsslich vor.

Wie geht’s weiter?

Am 15. März ist die Hauptversammlung des WSV in der Römerhalle. Dort entscheiden die Mitglieder über die Fortführung des Projekts. Sprechen sie sich dafür aus und legt der WSV bis 1. April alle geforderten Unterlagen vor, muss das Parlament verbindlich Farbe bekennen.

Was bleibt hängen?

Ein schwer zu lösender Konflikt – Schulschwimmen und Wassersport gegen finanzielle Risiken für alle Steuerzahler. CDU-Parlamentarier Thorsten Winkler brachte es auf den Punkt: „Wenn wir sagen, wir wollen ein Hallenbad, dann müssen wir es auch subventionieren.“

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