Niestatek denkt an Kündigung

Streit um die Römerhalle droht zu eskalieren

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Die Römerhalle von Nordwesten aus – dort liegen Eingang, Terrasse und auch das Obergeschoss, dessen Nutzung Knackpunkt der aktuellen Meinungsverschiedenheiten zwischen einigen Stadtverordneten und Pächter Tobias Niestatek ist.

Dieburg - Der Streit um die Dieburger Römerhalle droht zu eskalieren: Nachdem einige Stadtverordnete kürzlich im Haupt- und Finanzausschuss der Ansicht waren, bei den Öffnungszeiten und der Nutzung der Räume im Obergeschoss müsse sich etwas ändern, denkt Stadthallen-Gastronom Tobias Niestatek an Kündigung. Von Jens Dörr 

Vor allem die Art und Weise des Umgangs mit ihm hat ihn in den vergangenen Wochen verärgert und enttäuscht.

Kurz zum Sachverhalt, den unsere Zeitung kürzlich bereits thematisierte: Die Römerhalle besteht aus Nutzersicht in der Hauptsache aus dem großen Veranstaltungssaal, dem Restaurant, dem Foyer und dem Obergeschoss mit zwei kleineren Räumen. Seit die Halle vor sieben Jahren eröffnet wurde, ist Niestatek im Rahmen eines Vertrags mit der Stadt Dieburg Pächter von Restaurant, Foyer und Obergeschoss. Den großen Saal mietet er wie andere Veranstalter stets separat an, zum Beispiel für Hochzeitsgesellschaften, die dort feiern und von ihm bewirtet werden wollen. Im großen Saal hat Niestatek an allen sieben Wochentagen das Recht und die Pflicht zur Bewirtung.

Derzeit hat der 37-jährige Dieburger, der gelernter Koch ist und vor der Übernahme der Römerhallen-Gastronomie bereits zwölf Jahre Berufserfahrung (unter anderem im Allgäu, in Florida und auf einem Kreuzfahrtschiff) sammelte, seinen Pachtgegenstand – also ohne den Saal – an drei Abenden pro Woche geschlossen. Dies betrifft den Montag, den Dienstag und den Mittwoch. Ausnahmen bei größeren Anlässen sind auch an diesen Tagen möglich.

Knackpunkt der verschiedenen Ansichten zwischen einigen Lokalpolitikern und Niestatek ist, dass der Gastronom an den drei genannten Abenden nicht nur sein Restaurant geschlossen hält, sondern dass an diesen drei Tagen auch das Obergeschoss nicht für kleinere Gruppen oder Vereine zur Verfügung steht. Einige Stadtverordnete sind der Ansicht, dass gerade dieser Bereich der Halle als eine Art „Haus der Vereine“ dienen und auch zu Wochenbeginn zugänglich gemacht werden soll. Niestatek widerspricht: „Für die Vereine war von Anfang an in erster Linie der große, unterteilbare Saal gedacht, nicht aber das Obergeschoss.“ In dem verhalte es sich anders: „Die Vereine können wegen der Nutzung bei uns anfragen – wir entscheiden dann aber selbst, ob es für uns wirtschaftlich ist und ob wir die Räume zur Verfügung stellen.“ Dies geschehe kostenlos, er partizipiere lediglich am Speisen- und Getränkeumsatz. „Meiner Kenntnis nach gibt es derzeit nur einen Gesangverein, der an den geschlossenen Tagen gern mit zwölf Leuten rein möchte“, sieht Niestatek auch gar keinen großen Bedarf. „Da reden wir teils von 15 Euro Umsatz. Dafür habe ich die Personalkosten und nachher gegebenenfalls auch noch Reinigungskosten. Das lohnt sich nicht. Und wenn wir nicht da wären: Wer kontrolliert, dass alles sauber ist, das Licht aus, die Tür zu? Es hat für uns einfach keinen Sinn, das Obergeschoss zu vermieten, wenn wir nicht sowieso wegen des geöffneten Restaurants da sind.“

Unstrittig sei zwar, dass der Pachtvertrag auch die Öffnungszeiten regele und Niestatek eigentlich nur einen Abend pro Woche geschlossen haben dürfe. „Der Pachtvertrag, der über zehn Jahre geschlossen ist, wurde aber vor acht Jahren geschrieben. Es haben sich Dinge ganz einfach verändert, so dass man auch einen Pachtvertrag zwischenzeitlich mal ändern kann und muss.“ Zudem habe der Magistrat die gegenüber den ersten Jahren veränderten Öffnungszeiten „geduldet“. Seit ein paar Monaten sei die Zahl der Servicestunden, die die Kernbelegschaft (neben Niestatek drei Vollzeit- und zwei Halbtagskräfte, zudem 15 Kräfte mit 450-Euro-Jobs für Großevents) durch ein Frühstücksangebot an sechs Tagen pro Woche und einen längeren Mittagstisch sogar umfangreicher als je zuvor.

Niestatek stellt klar heraus, dass es aus Kraft- und Kostengründen kaum eine Alternative zu den drei geschlossenen Abenden zu Wochenbeginn gebe. All das hätte er den Stadtverordneten jüngst im Ausschuss gern einmal persönlich erläutert. „Man hat mich aber nicht eingeladen und verbreitet in Unkenntnis des Vertrags stattdessen Stammtisch-Parolen. Wir machen das hier weiter mit viel Herzblut und ich konnte mir bis vor einiger Zeit vorstellen, den in drei Jahren auslaufenden Pachtvertrag noch einmal zu verlängern.“ Das jetzige Verhalten Einzelner ärgere sein Team und ihn aber sehr „und nimmt einem den Spaß an der Arbeit“.

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Extrem sauer aufgestoßen sind Niestatek vor allem Andeutungen aus der Lokalpolitik, man müsse ihm notfalls eben kündigen, wenn er nicht mitspiele. Bürgermeister Frank Haus (parteilos) hat sich bereits auf seine Seite gestellt, würde eine Kündigung nur unter dem Zwang durch das Parlament aussprechen. Inzwischen betont Tobias Niestatek unmissverständlich: „Verträge kann man beiderseitig kündigen. Wenn das so weitergeht wie zuletzt, ergibt eine Zusammenarbeit über die Veranstaltungen, die ich für 2019 schon angenommen habe, hinaus kaum mehr einen Sinn.“

Das Obergeschoss mit einer separaten Schließanlage vom Restaurant und seinem Pachtgegenstand zu entkoppeln, sei für ihn jedenfalls kein tragbarer Deal. Die dortigen Räume, die er an den Öffnungstagen zusätzlich zu den Plätzen in seinem Restaurant bewirte, müssten unter seiner Regie bleiben. „Nur vom Restaurant allein könnten wir nicht leben. Neben den Veranstaltungen im großen Saal sind zusätzliche Gruppen im Obergeschoss für uns sehr wichtig. Diese Räume müssen uns bleiben. Und dort sind wir eben kein Haus der Vereine.“

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