200 Teilnehmer 

Herztag in Dieburg: „Jeder kann helfen, das ist wichtig!“

In Dieburg hat der „Herztag“ stattgefunden. 

Der „17. Herztag“ des Landkreises in der Dieburger Römerhalle widmet sich dem plötzlichen Herztod, der in Deutschland jährlich 80 000 Menschen das Leben kostet. 

Dieburg – Als Träger seiner Kliniken, insbesondere jener auf dem Groß-Umstädter Krankenhaus-Berg, ist der Landkreis Darmstadt-Dieburg durchaus geeignet als Veranstalter des „Herztags“. Zum 17. Mal lud der Kreis am Mittwochabend zu diesem Vortragsformat ein. Jedes Jahr in einer anderen Kreiskommune, war diesmal die Dieburger Römerhalle Schauplatz des Ereignisses. 200 Besucher – praktisch alle aus der Altersgruppe Ü60 – machten sich ein Bild über den diesmal gewählten Themenschwerpunkt „Plötzlicher Herztod“.

Der stellt nicht weniger dar als eine der häufigsten Todesursachen in der Bundesrepublik Deutschland. 80 000 Menschen jährlich, also 219 pro Tag, sterben am plötzlichen Herztod. „Die Ursache ist meist das, was man als ,Kammerflimmern’ bezeichnet“, sagte Prof. Dr. med. Michael Weber, Chefarzt der Kardiologie und Angiologie (Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit den Blutgefäßen befasst) an der Kreisklinik Groß-Umstadt. „Das Herz schlägt plötzlich mit 300, 400, 500 Schlägen pro Minute, kann das Blut damit nicht mehr in den Körper pumpen und insbesondere das Gehirn mit Sauerstoff versorgen.“ In der Folge tritt in neun von zehn Fällen der Tod ein.

„Herztag in Dieburg: 80.000 Menschen sterben jährlich den Herztod 

Aber, darauf richtete Weber in seinem Vortrag den Fokus besonders: Die Überlebenschancen könnten verdreifacht werden, wenn Umstehende simple, aber enorm wichtige Dinge beherzigten. „Jeder kann helfen, das ist ganz wichtig!“, stellte der Mediziner heraus. Droht der plötzliche Herztod, werden Betroffene bewusstlos. „Das Erste ist dann immer, über die 112 Hilfe herbeizurufen.“ Weber betonte, dass man keine falsche Scheu davor haben dürfe: „Im besten Fall stellt sich nach Eintreffen des Rettungsdiensts heraus, dass alles doch ganz harmlos war. Seien Sie sicher, dass das dann allen Seiten am liebsten ist.“

Im Ernstfall jedoch könne das Zusammenspiel zwischen Ersthelfer und Profi einem Menschen das Leben retten. Bis der Rettungsdienst eintreffe, solle man am Telefon und mit der Rettungsleitstelle verbunden bleiben, riet Weber. Und den Herzmuskel des Betroffenen aktivieren – durch etwa 100-maliges Eindrücken des Brustkorbs pro Minute, um etwa fünf Zentimeter. „Sie können dabei nichts falsch machen!“, ermutigte er erneut zum entschlossenen Handeln.

Die Herzsport-Gruppe des TV Dieburg hat unter der Leitung von Harald Pohl (vorn) einige Übungen mit dem Gymnastikband gezeigt.

Im besten Fall könne man noch einen nahen Defibrillator einsetzen. Wäre am Mittwoch in der Römerhalle etwas passiert, hätte ein Patient nicht nur auf reichlich präsentes Know-how zurückgreifen können, sondern der Ersthelfer auch auf einen „Defi“: Ein solcher hängt am Eingang der Römerhalle, worauf üblicherweise ein grünes Schild hinweist (mal nur mit weißem Kreuz auf grünem Grund, mal zusätzlich mit einem Herz samt Blitz darin). Auch hier solle man sich unbedingt trauen, aktiv zu werden: „Jeder hier im Saal kann den Defibrillator auf Anhieb bedienen“, sagte Weber. 

Symbole und Sprachanweisungen des Geräts würden erklären, wo die Elektroden am Oberkörper des Betroffenen anzubringen seien und würden den Elektroschock ankündigen. „Der ist für das Herz etwa das Gleiche wie für den Computer die Reset-Taste“, erläuterte der Chefarzt. Im Optimalfall fange das Herz im Anschluss wieder normal an zu schlagen.

Dieburg: Werbung für vorsorgliche Herzuntersuchungen 

Stärker auf die Ursachen des „plötzlichen Herztods“ eingegangen war zuvor Webers Kreisklinik-Kollege, Dr. med. Michael Stanisch. Der Leitende Oberarzt, der in Dieburg lebt, nannte als Hauptfaktoren sowie klare Anzeichen die familiäre, also genetische Vorbelastung, die auch von Weber skizzierten schnellen Rhythmusstörungen aus der Herzkammer und die unerklärliche Bewusstlosigkeit. Mit steigendem Alter vervielfache sich das Risiko. Oft seien auch Amateursportler, die es übertrieben hätten oder unzureichend auf eine Herausforderung vorbereitet gewesen seien, betroffen. Wie viele sich überschätzen, zeigte eine Untersuchung von 800 Läufern, die sich für den Berlin-Marathon angemeldet hatten und sich vorher freiwillig durchchecken ließen: Fast 200 von ihnen rieten die Mediziner, auf den Lauf über 42,195 Kilometer zu verzichten.

Leitender Oberarzt Michael Stanisch 

Stanisch warb ergo intensiv für vorsorgliche Herzuntersuchungen mittels EKG, wofür der Hausarzt der erste Ansprechpartner sei, da dieser in komplizierten Fällen ohnehin einen Kardiologen hinzuziehe. Mit Dr. med. Stefan Rosenbrock, der seine (hausärztliche und internistische) Praxis in der Dieburger Altstadt betreibt, referierte am Mittwoch zudem ein Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er sprach über Möglichkeiten, dem plötzlichen Herztod vorzubeugen, über Medikamente und der Implantation eines Defibrillators als weitere mögliche Maßnahme.  Von Jens Dörr

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