Die letzte Saison wird die längste

Trainingsbad verlängert wegen Corona die Saison - ab Anfang Juni wieder geöffnet

Die letzte Saison könnte die längste werden: Blick ins alte Trainingsbad am Campus. Der WSV Dieburg plant den dortigen Restart für Juni, falls die Politik ihn erlaubt. Foto: Dörr
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Die letzte Saison könnte die längste werden: Blick ins alte Trainingsbad am Campus. Der WSV Dieburg plant den dortigen Restart für Juni, falls die Politik ihn erlaubt. 

Rein formal endet in wenigen Tagen die Ära des Trainingsbads am Campus: Doch wegen der Coronakrise wird die Saison verlängert.

Dieburg – Rein formal endet in wenigen Tagen die Ära des Trainingsbads am Campus: Am 31. Mai läuft die Vereinbarung zwischen den Eigentümern (Arbeitsgemeinschaft der Projektentwicklung Früchtenicht und der Aumann GmbH) und dem betreibenden Wassersportverein (WSV) Dieburg aus. 

Faktisch sind die letzten Bahnen dort aber noch nicht geschwommen: Wegen des Coronavirus ist das alte Dieburger Hallenbad derzeit zwar geschlossen, soll aber am 5. Juni zumindest für bestimmte Nutzer wieder öffnen. Mehr noch: Die letzte Saison vor dem Abriss und der Eröffnung des neuen WSV-Sportbads 2021 wird sogar die längste.

Normalerweise dauert die Saison im Trainingsbad von Anfang September bis Ende Mai, also neun Monate. Im Juni, Juli und August steht Wasserratten das städtische Freibad zur Verfügung – dort der gesamten Öffentlichkeit, während das alte Hallenbad nur WSV-Mitglieder sowie fest eingemietete Gruppen, Vereine und Schulklassen nutzen können. Die Hallenbad-Saison 2020/21 soll trotz beziehungsweise sogar wegen Corona allerdings früher beginnen.

Das stellt Klaus Schulte, Vorsitzender des Wassersportvereins, in Aussicht. Zunächst einmal ist er sicher, dass der WSV das alte Bad noch ein weiteres Jahr lang nutzen darf: „Wir haben mit Früchtenicht und Aumann noch keine Absprache über die auslaufende Saison 2019/20 hinaus“, sagt er zwar. Doch auch wenn der alte Vertrag in Kürze auslaufe, rechne man fest mit der weiteren Nutzung des Trainingsbads bis ins kommende Frühjahr hinein.

Dieses Vertrauen hat gute Gründe. Insbesondere zur Projektentwicklung Früchtenicht pflegt der WSV einen engen Draht: Christian und Timm Früchtenicht sind unternehmerisch auch mit der Firma F+R-Projektbau aktiv, die seit Jahresbeginn das vom WSV beauftragte, mehr als sieben Millionen Euro teure neue Hallenbad („Sportbad“) neben dem Freibad errichtet. Zudem hat sich die Arbeitsgemeinschaft Campus hinsichtlich der längeren Nutzung des alten Hallenbads („Trainingsbad“) schon in der Vergangenheit kulant gezeigt.

Christian Früchtenicht bestätigt, dass man formal zwar noch keine Vereinbarung für die nächste – dann aber definitiv letzte – Saison im Trainingsbad getroffen habe, sie dem Verein aber gewähren werde. Was übrigens auch damit zusammenhängt, dass es mit den geplanten Baugebieten im Dieburger Süden und Westen nur langsam vorangeht. „Kämen in Dieburg in nächster Zeit viele neue Grundstücke auf den Markt, müssten wir am Campus schneller tätig werden, weil dann die Preise niedriger ausfallen würden“, sagt Früchtenicht, dessen Arbeitsgemeinschaft mit Aumann das alte Hallenbad abreißen und dort Grundstücke für ein halbes Dutzend Einfamilienhäuser vermarkten will.

Der WSV will das alte Bad nun nicht nur für eine reguläre letzte Saison nutzen, sondern es schon früher öffnen. „Wir stehen Gewehr bei Fuß“, sagt Schulte. Nach der politischen Erlaubnis vor wenigen Tagen, Bäder in Hessen für Schwimmvereine und Schwimmschulen wieder zu öffnen, soll am Mittwoch der Wasserhahn aufgedreht und das 25-Meter-Becken gefüllt werden. Das Trainingsbad am Campus sei für die Abschlusssaison „bereits gereinigt, lediglich die Umwälzpumpen müssen ab Mittwoch noch eingebaut werden“. Diese lässt der Verein in jeder Saisonpause ausbauen und warten.

Die Wiedereröffnung wird natürlich unter Einhaltung bestimmter Corona-Vorgaben geschehen. Unter anderem dank der Einzelumkleiden (die es im Bad zusätzlich zu den Sammelumkleiden gibt) und eines schon vor Corona umfassenden Hygienekonzepts sieht sich der WSV gerüstet.

Man werde trotzdem nicht alle bisherigen Nutzer sofort wieder ins Bad lassen können, sagt Schulte. „Starten wollen wir vor allem mit den Kursen.“ Zwei Drittel der Schwimmschüler lernen im Trainingsbad am Campus über externe, sich einmietende Schwimmschulen das Schwimmen, die anderen über Kurse des Vereins. All diese ließen sich im Freibad, wo es im Schwimmerbecken im Gegensatz zum Hallenbad-Becken keinen Nichtschwimmerbereich gibt, nicht durchführen.

Andere Nutzer – etwa Wettkampfschwimmer – könnten in den Sommermonaten hingegen aufs Ludwig-Steinmetz-Bad ausweichen, sofern die Stadt es denn öffnet. Zur Wiederaufnahme des Schulschwimmens wird es bis zu den hessischen Sommerferien, die am 6. Juli beginnen, aller Voraussicht nach gar nicht mehr kommen. Was für den WSV Dieburg zumindest keine negativen finanziellen Folgen hat. Schulte: „In unserem Vertrag mit dem Landkreis steht auch, dass der Kreis nur dann keine Zahlungspflicht hat, wenn wir als Verein die Schließung zu verantworten haben.“ Die derzeitige Schließung des Trainingsbads geschieht allerdings wegen höherer Corona-Gewalt und auf staatliche Anordnung hin.

Freibad

Das Dieburger Freibad wird derweil nicht vor dem 5. Juli geöffnet. Denn bis dahin gilt noch die in einer Verordnung verfügte Schließung der Bäder für den regelmäßigen Betrieb.

" Einen Überblick, wie sich die Schwimmbäder der Region, auch in Dieburg, auf den möglichen Neustart vorbereiten, finden Sie auf Seite 9

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