Wegen Schulrochade

Blau-Gelb sorgt sich um Zukunft

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Dieter Hergott, Vorsitzender des SV Blau-Gelb Dieburg, auf der Terrasse am Vereinsheim. Im Hintergrund zu sehen sind vier der sieben Tennisplätze, dazu rechts hinten der kleine Parkplatz gegenüber der Goetheschule sowie links hinten (zwischen den Bäumen) der Festplatz im Schlossgarten.

Dieburg - Kommt der Schultausch von Alfred-Delp- und Goetheschule, ist auch der SV Blau-Gelb mit seinen Tennisplätzen betroffen. Vorsitzender Dieter Hergott: „Als ich von den Plänen hörte, war ich erstmal platt.“ Von Jens Dörr 

Eigentlich wäre beim SV Blau-Gelb Dieburg alles im Lot. Der einstige Mehrspartenverein hat sich inzwischen gut mit seiner Verwandlung zum reinen Tennisklub arrangiert. 200 aktive Mitglieder, darunter fast 70 Jugendliche im in Dieburg boomenden Nachwuchstennis, zählt der frühere Postsport-Verein. Finanziell ist er solide aufgestellt. Das in Erbpacht von der Stadt übernommene Gelände mit sieben Plätzen, einem verpachteten Vereinsheim sowie einer Sommerterrasse liegt am Rande des Schlossgartens in geradezu malerischer Atmosphäre. Und doch drücken den SV arge Zukunftssorgen. Grund ist die von Kreis-Schuldezernent Christel Fleischmann ersonnene Schulrochade.

Nach der sollen, wie berichtet, die Alfred-Delp-Oberstufen-Schüler binnen der nächsten drei bis fünf Jahre in die Goetheschule umziehen. Dort sollen sie mehr Platz vorfinden, als ihnen der Kreis Darmstadt-Dieburg im ursprünglich für die ADS geplanten Neubau auf der Schulinsel „Auf der Leer“ zubilligen würde. In diesen Neubau will der Kreis nun stattdessen die Goetheschule einziehen lassen. Auf die in einem Wohngebiet gelegene Goetheschule, die bald zur ADS werden soll, kommt als größte Herausforderung die Schaffung der vielen Parkplätze zu, da viele Delp-Schüler schon volljährig sind und mit dem Auto zur Schule fahren.

In naher Umgebung der derzeitigen Goetheschule sind Abstellmöglichkeiten rar. Der Festplatz im Schlossgarten wird als Lösung bislang nicht ernsthaft erwogen, die Parkplätze am Skaterpark werden als zu weit entfernt eingestuft. Zudem soll die Schlossgartenhalle, wie ebenfalls berichtet, neu gebaut werden. Nun ist auch der SV Blau-Gelb betroffen. Man könnte sogar sagen: Dieburgs Tennisverein ist unfreiwillig zum zentralen Mitspieler in den Kreis-Plänen zur Umgestaltung eines ganzen Quartiers geworden. Denn ohne das Blau-Gelb-Gelände ließen sich weder der Schlossgartenhallen-Neubau bei parallelem Betrieb der alten Halle während der Bauzeit noch schulnahe Parkplätze realisieren.

Als Dieter Hergott, Vorsitzender des SV Blau-Gelb, im vergangenen Herbst vom Kreis erstmals offiziell über das Vorhaben informiert wurde, sei er „erstmal platt“ gewesen. Zunächst sei es in Planspielen nur um die zwei nördlichsten der sieben Plätze gegangen, auf denen sich der Kreis ein Parkhaus vorstellen konnte. Inzwischen soll ein Großteil des Geländes verlegt werden sowie das jetzige Vereinsheim verschwinden. „Der Kreis stellt sich vor, dass wir unser Vereinsheim dann in der neuen Schlossgartenhalle unterbringen.“ Hergott ist es in diesem Zusammenhang wichtig klarzustellen, dass das derzeitige Vereinsheim mitnichten so marode sei, wie es etwa Bürgermeister Frank Haus schon dargestellt habe: „Wir waren zwar schon in der Planung für einen Neubau, die derzeit natürlich ruht. Das jetzige Vereinsheim hält aber durchaus noch einige Jahre, wir haben keinen großen Zeitdruck.“ Generell sei das Vereinsheim „wichtig zur Identifikation mit dem Verein“. Räume in einer neuen Schlossgartenhalle seien keine Alternative.

Der SV Blau-Gelb, dessen Erbpachtvertrag mit der Stadt über 2019 hinaus bisher noch nicht verlängert wurde, hat jedoch eine noch größere Sorge. „Während der zweijährigen Bauzeit von Parkplätzen und Halle – ich selbst rechne eher mit drei Jahren –müssten wir auf drei Plätze verzichten“, erläutert Hergott die bisherigen Planungen. „Wir sind aber schon mit unseren derzeit sieben Plätzen am Anschlag, auch weil es mit der Jugend so gut läuft. Nach der Verlegung unserer Anlage bekämen wir noch sechs Plätze, das wäre schon extrem eng.“ Die nur vier Plätze in der zwei- bis dreijährigen Bauzeit hätten aber „dramatische Auswirkungen“ auf den Verein. „Unsere Mitglieder wollen spielen, sonst sind viele von ihnen weg. Wenn uns zeitweise drei Tennisplätze wegfallen, ist das der Tod des Vereins.“

Abiplakate an der Alfred-Delp- und Landrat-Gruber-Schule

Trotz der vor einem Jahr noch nicht absehbaren neuen Lage ist der SV Blau-Gelb grundsätzlich gesprächsbereit, nahm vor ein paar Tagen auch an einem Treffen von Vertretern aus Vereinen, Kreis und Stadtpolitik teil. Wirklich schlauer sei er hinterher aber nicht gewesen, meint Hergott. Die Schulrochade und Quartiersneugestaltung insgesamt wolle er „politisch nicht bewerten“. Er frage sich aber unter anderem, „warum man nicht den Festplatz als Parkplatz hernimmt“. Dieter Hergotts Hoffnung ruhe nun vorerst auf der Stadt und den Fraktionen, ohne deren Beschlüsse der Kreis seine Pläne im Quartier rund um Goetheschule, Schlossgartenhalle und Tennisplätze kaum umsetzen könnte. Eins stehe für den SV Blau-Gelb aber fest: Kommt es tatsächlich zu einer Verlegung des Vereinsareals, „dann verschlechtern wir uns mit Blick auf die Anzahl der Plätze und die attraktive Lage unsere Geländes auf jeden Fall“.

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