„Die Statue schleifen“

Dieburger startet bei Deutscher Meisterschaft im Bodybuilding

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Ganz klar: So einen Rücken bekommt man nicht durch den gelegentlichen Gang ins Fitness-Studio.

Dieburg - Im Fitness-Studio ein paar Muckis machen – das ist es für den Dieburger Christian Kiefer schon lange nicht mehr. Der 25-jährige Student betreibt Bodybuilding, und zwar ohne die Einnahme künstlicher Stoffe. Bald geht er bei den Deutschen Meisterschaften an den Start. Von Jens Dörr 

Für Christian Kiefer besteht das Jahr aus zwei Hälften. Mit Sommer und Winter oder Studium und Semesterferien hat seine ganz persönliche Halbierung allerdings nichts zu tun. „Über sechs Monate hinweg baue ich Muskeln auf, dann folgen sechs Monate Diät“, sagt der Dieburger. Der 25-jährige BWL-Student ist Bodybuilder – und geht dabei weiter als die meisten, die in Sportstudios einfach „nur“ Muskeln aufbauen. Am 4. November startet er im nordrhein-westfälischen Siegen zum zweiten Mal bei der Deutschen Meisterschaft der German Natural Bodybuilding & Fitness Federation (GNBF).

Ohne Fleiß kein Preis: Christian Kiefer beim Training

Die GNBF tritt für eine natürliche Art von Bodybuilding ein, bei der etwa die Einnahme künstlicher Steroide untersagt ist. Dem hat sich Kiefer insofern unterworfen, dass ihn jederzeit eine unangemeldete Kontrolle des Verbands treffen kann. Im September vergangenen Jahres mischte er im Leichtgewicht der Männer (Klasse bis 75 Kilogramm Körpergewicht) erstmals auf nationaler Ebene mit, verpasste damals jedoch das Finale der besten fünf Athleten. „Zu dieser Zeit haben mir dafür noch zwei Kilo Muskelmasse gefehlt“, meint Kiefer. Dieser „Mangel“ soll ihm in gut drei Monaten nicht mehr zum Verhängnis werden.

Bis dahin gibt der Dieburger nicht nur als Student, sondern auch bei seiner liebsten Freizeitbeschäftigung Vollgas. Was sehr vereinfacht heißt: hart trainieren, clever essen. Doch der Reihe nach.

Denn vor sieben Jahren hätte Kiefer wohl selbst kaum geglaubt, sich einmal auf Augenhöhe mit den am stärksten definierten Körpern der Republik messen zu können. „Ich habe Fußball bei der Hassia gespielt, doch mein Knie war immer wieder anfällig für Verletzungen. Mit 18 habe ich dann mit ein bisschen Muskelaufbau im Studio begonnen“, blickt Kiefer zurück.

Bodybuilding-EM: Ist das schön?

Dort zählte schließlich auch Bodybuilder Sven Knöspel, über dessen Erfolge unsere Zeitung bereits berichtete, zu seinen Trainingspartnern. „Er hat mich inspiriert“, sagt Kiefer. Fortan kniete er sich immer ausgiebiger und gewissenhafter in den Aufbau seiner Muskeln hinein. „Seit inzwischen vier Jahren schreibe ich mir jede Übung und jeden Satz auf“, verdeutlicht er die Akribie, mit der er bei der Sache ist. Und erläutert mehr und mehr die Details seiner Herangehensweise.

Die sieht im Kern also die Harmonie von Training und Ernährung vor. In den sechs Monaten, in denen Kiefer seine Muskelmasse durch Krafttraining vergrößert, stählt er seinen Körper nach bestimmten Mustern. Dann trimmt er sich viermal pro Woche, unterteilt die Einheiten dabei vor allem in gemeinsame für Brust und Beine, für Rücken und Bizeps sowie für Schultern und Trizeps. „Pro Einheit brauche ich 90 Minuten“, sagt Kiefer. Am ersten Tag stehen Brust und Beine an, gefolgt von einem Tag Pause. Dann folgen Rücken und Bizeps und wieder ein Tag Pause, ehe Schultern und Trizeps an der Reihe sind. „Dazu achte ich bei der Ernährung vor allem auf viel Eiweiß.“ Proteindrinks dienen neben „normalen“ Lebensmitteln als Quelle. Auf Süßigkeiten verzichtet Kiefer fast vollständig, „Alkohol kann man sich in der Off-Season-Phase mal gönnen“, ergänzt er und meint damit das halbe Jahr, in dem er deutlich an Masse zulegt.

Dann kann der Dieburger schon mal bis zu 95 Kilogramm auf die Waage bringen – obwohl er auch für die Deutsche Meisterschaft in diesem Jahr wieder die Teilnahme im 75-Kilogramm-Limit anpeilt. 40 Pfund muss der massige, aber keineswegs im klassischen Sinne übergewichtige oder gar „dicke“ Bodybuilder dann binnen der sechsmonatigen Diätphase abnehmen. Natürlich ohne dabei Muskeln zu verlieren: „Dann geht es darum, das Fett abzuschmelzen. Es ist ein super Gefühl, wenn man die Diätphase anfängt und damit beginnt, die Statue zu schleifen.“

Bilder: Turnier und Party bei Hassia Dieburg

Das gelingt Christian Kiefer wie den meisten Sportlern seines Schlags einerseits durch die noch gezieltere Ernährung. Gerade in den letzten beiden der sechs Monate der Diätphase werde es schon recht einseitig, gibt er zu: „Dann, in der Wettkampfdiät, ernähre ich mich nur noch von Hähnchen, Reis, Thunfisch, Kartoffeln, Gemüse und ein bisschen Leinöl fürs Fett.“ Zudem steht in den zwei Monaten vor dem Wettkampf auch Cardio-Training auf dem Plan: „Dann gehe ich aufs Laufband, mit Vollsprint und Gehen im Wechsel.“ Die Intensität im Krafttraining reduziere er dann ebenfalls: „In der Diät gehe ich nicht mit jedem Satz bis ans Muskelversagen.“

Unter Muskelversagen verstehen Kraftsportler jenen Zeitpunkt während einer Übung, an dem sie die nächste Wiederholung nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Dann sind sie etwa beim Bankdrücken auf Helfer angewiesen, die ihnen das Gewicht abnehmen.

Läuft alles wie geplant, wird Kiefer zum Martinsmarkt die 75 Kilogramm knapp unter- schreiten und sich bei der Deutschen Meisterschaft in Bestform präsentieren. „Dann kommt es nicht nur auf die Definierung der einzelnen Muskeln und deren Masse an, sondern auch auf die Ausgewogenheit zwischen den verschiedenen Muskelgruppen“, sagt der Bodybuilder. Wer etwa einen mächtigen Oberkörper zeige, aber offensichtlich die Beine vernachlässigt habe, werde von den Wertungsrichtern mit Abzügen bedacht. Sitzen müssen auch die Posen: „Das Posing ist beim Wettkampf selbst das Schwierigste. Man muss die Grundstellung halten und dabei die Muskeln anspannen.“ Und am besten noch lächeln. Selbstbräuner verleiht dem Teint Glanz.

Wohin all das bei Kiefer in diesem Jahr führen könnte, wagt der DM-Teilnehmer kaum zu prognostizieren. Fraglos habe er sich in den vergangenen Monaten weiter verbessert, Gewicht und Masse zugelegt. Das Wichtigste aber: „Du musst am Wettkampftag einfach so aussehen, dass du weißt, dass du das Maximale aus dir rausgeholt hast. Wenn dann jemand besser aussieht als du – was willst du dann schon machen?“

Quelle: op-online.de

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