Dieburger Holz fürs Erbacher Schloss

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Schreiner Robert Münch vermisst die gefällte Eiche. Thomas Schmalenberg (links) und Revierleiter Lothar Seipp betrachten den Baum prüfend.

Viele Bürger nutzen ihn als Freizeitgebiet zum Wandern, Joggen, Radfahren oder Abschalten - den Wald. Das Forstamt Dieburg fördert die Erholung für alle Nutzergruppen. Der Wald soll aber auch Rückzugsgebiet für Wildtiere bleiben. Wie sind alle diese Anforderungen zu vereinbaren? Diesen und anderen Fragen widmet sich die Forstamt-Serie des DIEBURGER ANZEIGERs. Heute geht es um den wirtschaftlichen Aspekt, die Weiterverarbeitung der Bäume. Das wertvolle Holz, das Schreiner verarbeiten, macht dabei nur einen Anteil von fünf Prozent aus. Von Verena Scholze

Dieburg ‐ Prüfend gleitet der Blick von Schreiner Robert Münch aus Groß-Umstadt über die gefällte Eiche auf dem Waldboden. Bewundernd nimmt er die ebenmäßige Rinde wahr, bevor er das Holz und die Jahresringe begutachtet. „Ein guter Baum, den man im Ganzen nutzen kann“, lautet sein fachmännisches Urteil.

Beim nächsten Baum jedoch ist ein kleiner Beschnitt fällig. „Die Eiche weist altersbedingte Spinnenrisse auf und bei der Verarbeitung würde das Holz brechen“, erklärt Thomas Schmalenberg, Bereichsleiter Produktion des Forstamtes Dieburg. Daher muss der Stamm etwas gesund geschnitten werden, um die gute Qualität des Holzes zu gewährleisten. Schließlich sollen in der Schreinerei Münch nur beste Hölzer zum Bau von Fenstern, Haustüren oder Renovierungsarbeiten verwendet werden. Revierleiter Lothar Seipp markiert den Baum entsprechend, um später die gewünschte Änderung vornehmen zu können.

Für den Bereich Holzverarbeitung arbeiten mehr Menschen als für die Autoindustrie

Rund 80 000 Festmeter entnimmt das Forstamt Dieburg jährlich, um sie für die Holzverarbeitung zu verkaufen. Den Hauptanteil bilden Kiefer, Buche und die Eiche. Die Wälder des Forstamtes sind komplett nach PEFC „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“ zertifiziert. Ein Drittel der Forstamtsfläche ist zusätzlich nach dem strengeren FSC „Forest Stewardship Council“ zertifiziert. Beide Zertifikate sind Garanten für eine nachhaltige und ökologische Bewirtschaftung der Wälder.

Teil 16 der DA-Serie über das Dieburger Forstamt.

Wir beliefern vorrangig den heimischen Markt und speziell die Holz verarbeitenden Firmen im näheren Umkreis“, sagt Schmalenberg. Nur ein geringer Prozentsatz der Hölzer geht auf Anfrage ins Ausland. Im Bereich Holz arbeiten in Deutschland über eine Million Beschäftigte in rund 160 000 Betrieben. Das sind mehr als in der Autobranche. Die Holzindustrie setzt jährlich rund 114 Milliarden Euro um. Denn der nachwachsende Rohstoff Holz ist bei jedem Bürger begehrt. So setzt man sich abends auf seinen Stuhl aus Holz, isst das Brot von einem Holzbrett, liest seine Zeitung, die aus Holz gewonnen wird und befeuert vielleicht noch seinen Kamin mit Brennholz.

Letztes Jahr wurden 15 Prozent der gesamten Holzmenge des Forstamtes - das waren 12 000 Festmeter - der energetischen Verwertung als Brennholz zugeführt. Über 2300 Teilnehmer der Brennholzkurse wurden mittlerweile geschult“, berichtet Schmalenberg.

Den Wald stabil ins nächste Jahrhundert bringen

Die Saison zur Holzgewinnung geht von November bis Ende März. In dieser Zeit ist mit Einschränkungen wie beispielsweise Sperrungen der Waldwege für Besucher zu rechnen. „Unser Ziel ist es, die Nachhaltigkeit der Holznutzung zu gewährleisten und den Wald stabil und gesund und vielfältig ins nächste Jahrhundert zu bringen“, erklärt Schmalenberg eindringlich. Daher werden in den Waldbeständen die „schlechteren“ Bäume entnommen und damit die Zukunftsbäume gefördert, was den Bestand wertvoller und dauerhafter macht.

Viele der Eichen in diesem Bestand sind über 180 Jahre alt. Die Nutzung wird abhängig vom Gesundheitszustand nur sehr langsam durchgeführt, so dass auch in 50 Jahren noch viele dieser Bäume vorhanden sein werden“, so Schmalenberg.

Die Holzverarbeitung umfasst nicht nur energetische Verwertung. Der größte Teil des jährlichen Holzeinschlages wird für die Herstellung von Holzverpackungsmaterial wie Kisten und Paletten genutzt oder für Bretter, Balken, Leisten und den Gartenbereich der Baumärkte. Die wertvollen Hölzer, die beispielsweise Münch verarbeitet, machen nur etwa fünf Prozent des ganzen Holzaufkommens aus. „Für meine Arbeit lege ich Wert auf Qualität“, sagt er. Der Schreiner hat schließlich neben den Renovierungsarbeiten am Erbacher Schloss und am Schloss Reichenberg auch schon eine mittelalterliche Burg in Burgund mit neuem Fensterholz bestückt. „In manchen der alten Gemäuer befinden sich noch die ursprünglichen Fenster seit Baubeginn“, berichtet Münch, „was manchmal einer Dauer von rund 200 Jahren entspricht.“

„Holz bedarf besondere Aufmerksamkeit“

Seine Arbeit mit dem Rohstoff Holz vermittelt dem Schreiner eine „Besinnung auf Werte“, denn „Holz bedarf besonderer Aufmerksamkeit“, erklärt Münch. Bereits als Kind bekam der Schreiner einen Blick dafür, wurde er doch in einem Familienunternehmen groß, das bereits seit 1654 besteht.

Die Schreinerei Münch ist einer der Stammkunden des Forstamtes. „Ich erhalte die besten Informationen über das Holz, das Wachstum sowie die Erntezeit“, sagt Münch zufrieden. „Hier bekomme ich die Stämme, die ich für meine Arbeit benötige.“ Auf der anderen Seite weiß auch Schmalenberg genau, was der Schreiner braucht. „Es hat sich seit Jahren eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufgebaut und wir wissen, was unsere Kunden wollen“, sagt Schmalenberg.

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