Voll, aber nicht überfüllt

Dieburger Musiknacht: Veranstalter kündigt dritte Auflage an

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Im „Krone Keller“ kam das Publikum den Rockern von John Doe ganz nah.

Dieburg - Wie klingt eigentlich „Knusper Pop“? Dies war eine der Fragen, die die „2. Dieburger Musiknacht“ am Samstagabend in der Innenstadt zu beantworten vermochte. Die Zweitauflage der Veranstaltung lockte Hunderte in die Gersprenzstadt. Von Jens Dörr

Das Mainzer Trio „Thriller Pfeifen“ spielte im „Hopfensack“ eben diese Richtung – „Knusper Pop“– deren Inhalt wohl kaum jemand so schön formulieren könnte wie die Sänger Toto und Kammi sowie Drummer David selbst: Knusper Pop bestehe aus „eingängigen Melodien, getrieben von groovigen Rhythmen in einem akustischen oder elektrischen Gewand“. Der Sound erinnere etwa an Johannes Oerding, Revolverheld oder Coldplay. Wozu am Samstag zumindest ein Teil der Besucher der Zweitauflage der Musiknacht selbst die Lauscher stellte.

Wären sämtliche Musikfans auf die Idee gekommen, einmal selbst mitzuknuspern, und das dann auch noch zur selben Zeit, sie hätten überwiegend wohl vor der Tür warten müssen. Denn der „Hopfensack“ ist das kleinste der neun Lokale, die am Samstag Musiknacht-Gastgeber waren. Auch die „Alte Backstubb“, der „Krone Keller“ und der „Lehrer Lämpel“ gehören zu den kleineren Vertretern in Dieburgs Gastronomie, die beim genannten Quartett wunderbar kneipig daherkommt. Etwas mehr Platz boten da schon die „Stoawäjer Stubb“ mit ihrer „Hofstubb“ und das Restaurant der Römerhalle. Dort feierte Gastronom Tobias Niestatek ebenso seine Musiknacht-Premiere wie „Mephisto“- und „Krone Keller“-Inhaber Manfred Rau. „Alles super“, lautete gegen 22 Uhr, mittendrin im bunten innerstädtischen Treiben, Raus Zwischenfazit. Auch Veranstalter Alexander Schäfer, Inhaber einer Mainzer Agentur und in Dieburg vom Gewerbeverein und besonders dessen Vorstandsmitgliedern Evelin Allmann und Jasmin Sauerwein unterstützt, blies in dieses Horn.

„Die Kneipen waren alle voll, aber nicht überfüllt“, resümierte er am Sonntagvormittag. Angesichts des Wetters mit Herbstwind und vereinzelten Schauern sei der Abend „ein Traum“ gewesen. Er selbst habe natürlich alle neun Gaststätten und auch das Open-Air-Areal auf dem Marktplatz abgeklappert. Dort riefen Radioactive mit Sängerin Silvana Lodatos ein bisschen auch frühere Sushiduke-Zeiten in Erinnerung – die in Dieburg und Umgebung extrem beliebte Rockband hatte sich Ende 2016 aufgelöst. Überall habe er positive Resonanz erhalten. „Ich fand, das war eine klasse Stimmung.“ Die rein betriebswirtschaftliche Rechnung dürfte erneut ebenfalls aufgegangen sein: „Die Anzahl der Besucher war okay, sie war identisch zum Vorjahr.“ Damals hatte Schäfer von „mehr als 1 000 Besuchern“ gesprochen, die sich eins der elf (Vorverkauf) beziehungsweise 14 Euro teuren Tickets gekauft hatten.

Bilder zur Dieburger Musiknacht

Bei den Lokalen landete am Samstagabend davon direkt zwar nichts in der Kasse. Allerdings bekamen sie für einen geringen Betrag nicht nur eine Band zugewiesen, sofern sie nicht im Rahmen ihrer Mitsprachemöglichkeit bestimmte Buchungswünsche geäußert hatten. Schäfer übernahm auch das gesamte Marketing, wobei das Groß-Zimmerner „Fahrwerk“ als Sponsor erstmals einen wichtigen Beitrag zur Kostendeckung leistete. Die Lokale verdienten am Abend an den Getränken. Schäfer sah die Werbewirkung aber noch grundsätzlicher: „Es geht nicht nur um ein paar hundert Euro Umsatz am Abend selbst, sondern auch die Gelegenheit, sich Gästen zu präsentieren, die später vielleicht mal wiederkommen.“ Schließlich ist die Musiknacht, die es unter Schäfers Regie in der Region in ähnlicher Form etwa in Groß-Umstadt oder Rimbach gibt, keine reine Dieburger Sache, wie Stichproben am Samstag deutlich machten: Der Autor dieser Zeilen unterhielt sich mit Münsterern und Groß-Zimmernern ebenso wie mit Gästen aus Babenhausen und Langen.

Die fanden mit Blick auf die Genres unterdessen besonders diverse Untergenres des Rock vor, ob klassisch gecovert von den Dieburger und Groß-Zimmerner Lokalmatadoren Lehman 5 im „M22“, das neben dem „Schwarzen Löwen“ die größte Zahl an Feiernden schlucken konnte, oder im Rockabilly-Stil wie bei Frankfort Special in der „Stoawäjer Stubb“. Während die Riwwels in der Römerhalle zurück gen Rock ´n‘ Roll der 60er und 70er gingen, heizten beim Getränkehandel Braunwarth, für den gerade Junior Dennis Braunwarth mehr und mehr auch zum Eventveranstalter wird, Radio Attack mit Liedern aus Charts und Neuer Deutscher Welle ein. Das einstige Sudhaus dürfen Dennis Braunwarth und sein Vater Eric auch im kommenden Jahr wieder für die Musiknacht illuminieren: „Wir werden es dann wieder machen, Termin ist der 6. Oktober“, blickte Alexander Schäfer voraus.

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