Revision verworfen

Prozess um sexuellen Missbrauch: Urteil bestätigt

Darmstadt/Dieburg - Seiner Strafe wird der 54-jährige Dieburger nicht entgehen, der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern bereits vor knapp einem Jahr verurteilt wurde. Von Sina Beck und Lars Herd 

Eine sechsmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung erachtete das Amtsgericht Dieburg für angemessen, doch der Angeklagte legte gegen das Urteil Berufung ein – die wurde diese Woche nun im Revisionsprozess verworfen. Bedenkt man, dass der erwerbsunfähige Mechaniker erstinstanzlich eingeräumt hatte, dass sich die Ereignisse am 20. Oktober 2014 möglicherweise so zugetragen haben könnten, wie sie laut Anklageschrift geschildert werden, wirkt der erneute Prozess mit zwei Verhandlungstagen fast schon überflüssig.

Drei Minderjährige – ein Mädchen und zwei Jungs, damals 12 und 14 –, die der Dieburger tags zuvor auf dem Marktplatz kennenlernte, habe er demnach in seine Wohnung mitgenommen und ihnen Alkohol und Zigaretten angeboten. Schließlich sei er generell ein netter Mensch, der kein Problem damit habe, Fremde in sein Heim zu lassen.

Den 14-jährigen Jungen und das gleichaltrige Mädchen habe er gefragt, ob sie ihm „einen blasen“ würden, sie zu Geschlechtsverkehr miteinander aufgefordert und als sie beides ablehnten einen pornografischen Film auf dem Laptop laufen lassen, während er im Beisein der Minderjährigen onanierte. Dem Mädchen soll er zudem mehrfach an den Hintern gefasst haben.

Am ersten Verhandlungstag hatte der Dieburger die Vorwürfe abgestritten. Die Kinder seien unangekündigt zu ihm gekommen und er habe ihnen die Tür in Unterhose geöffnet. Es sei daher möglich, dass „seine Nudel rausgehangen“ habe. Daraufhin wurde der Dieburger hart von der Staatsanwältin kritisiert. „Sie können froh sein, dass Sie so gut weggekommen sind“, sagte sie.

Zweifelsohne war der Angeklagte zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert, etwa 1,9 Promille müsse er Berechnungen des medizinischen Sachverständigen zufolge intus gehabt haben. Seinerzeit habe er bei der polizeilichen Vernehmung auch angegeben, sehr betrunken zu sein und sich an nichts erinnern zu können, schildert der 38-jährige Kriminaloberkommissar, der als Sachbearbeiter mit dem Fall betraut war. Gleichzeitig will sich der damals ebenfalls angetrunken zur Vernehmung erschienene Angeklagte aber auch sicher gewesen sein, keine Pornofilme mit den Kindern angeschaut oder onaniert zu haben. Aufgrund von eingenommenen Antidepressiva sei es physisch nicht möglich gewesen, dass er eine Erektion gehabt habe. Diese Möglichkeit kann vom Sachverständigen aber weder belegt noch bestritten werden.

So können Eltern das kindliche Selbstbewusstsein stärken

Sicher ist sich der Mediziner, dass das Handeln des 54-Jährigen, der sich wegen seiner psychischen Erkrankung in neurologischer Behandlung befand, durch den zu jener Zeit extremen Alkoholkonsum enthemmt war. Es sei nicht auszuschließen, dass der Angeklagte zur Tatzeit vermindert schuldfähig war. Dieser versucht den Zeugen, die 2014 im Klein-Zimmerner Jugendhilfezentrum St. Josephshaus untergebracht waren, eine Verschwörung zu unterstellen. Der Betreuer der Geschädigten solle schon immer etwas gegen den Angeklagten gehabt haben, so die These.

Richter Martin Rößler sieht jedoch keinen erkennbaren Grund, den drei Belastungszeugen keinen Glauben zu schenken. „Das war ja schon vor vier Jahren“, hört man zwar immer wieder im Gerichtssaal; die meisten Zeugen können sich kaum noch an den Vorfall erinnern. Die Befragung der Geschädigten nach fast vier Jahren habe sich in der Tat teils als schwierig gestaltet, doch konnten die Erlebnisse schlüssig und überzeugend wiedergegeben werden.

Der Vorsitzende verwirft daher die Berufung und hält das Urteil vom April 2017 weitestgehend aufrecht: Sechs Monate Freiheitsstrafe sowie 100 Arbeitsstunden, die binnen eines Jahres abzuleisten sind. Den Angeklagten einem Bewährungshelfer zu unterstellen, wird nun allerdings als unnötig empfunden, da es sich bei der Tat offensichtlich um eine einmalige Episode handele.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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