Kurvenreich durch die Gassen

18. Dieburger Stadtlauf verläuft rund und soll terminlich flexibel werden

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Auf die Plätze, fertig, los! Beim Start zum Lauf der U10 war das Gewusel groß.

Dieburg -  Manchmal steckt der Teufel im Detail: „Zwischen einem Volkslauf über zehn Kilometer und einem 10. 000-Meter-Lauf gibt es einen feinen Unterschied“, erläuterte  Mirko Theiss. Er weiß, wovon er spricht, schließlich ist er einer der Hauptorganisatoren des Dieburger Stadtlaufs, den der Turnverein zum 18. Mal in der Innenstadt veranstaltete. Von Jens Dörr 

Der Unterschied sei, dass ein 10.000-Meter-Lauf auf den Meter genau diese Distanz haben müsse. Bei einem Zehn-Kilometer-Lauf wie dem alljährlichen Hauptlauf über fünf Runden in Dieburgs Zentrum mit vielen Kurven durch große und kleine Gassen und die Fußgängerzone könne es hingegen Abweichungen geben. So war die Stadtlauf-Strecke am Samstag tatsächlich „nur“ 9 850 Meter lang und damit nicht bestenlistenfähig. Dem Zuspruch und den vielen positiven Rückmeldungen der Läufer tat dies jedoch keinen Abbruch.

„Das ist alles super gelaufen“, resümierte Theiss und meinte das wohl im wahrsten Wortsinn. Auch die Teilnehmerzahlen stellten ihn zufrieden: 111 Erwachsene über die zehn Kilometer, 112 über die vier Kilometer sowie 188 in den Schülerläufen über einen und zwei Kilometer plus mehrere Dutzend Bambinis auf einer Minirunde. „Das war mehr, als wir erwartet hatten“, freute sich Theiss stellvertretend für den Gastgeber TV Dieburg und hatte dabei auch einige andere Dieburger Veranstaltungen im Hinterkopf, die ebenfalls am Samstag stattfanden.

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Allen Finishern winkte der Zieleinlauf auf dem Marktplatz. Dort ist inzwischen auch der Start des Hauptlaufs angesiedelt, der früher noch in der Albinistraße war, um auf exakt 10 000 Meter zu kommen. Davon hat sich der Turnverein im Sinne der Attraktivität für die Zuschauer mittlerweile verabschiedet. Überhaupt lockt der Dieburger Stadtlauf zwar durchaus ambitionierte Athleten in die Stadt sowie einige starke Läufer aus den Partnerstädten Aubergenville (Frankreich) und Mladá Boleslav (Tschechien). Dennoch kommt der Breitensport in Dieburg klar vor dem Spitzensport. Prämien zahlt der Turnverein nicht, lockt entsprechend auch keine Profis an. Womit über die zehn Kilometer der Weg erneut frei war für den tschechischen Vorjahressieger Jiri Miller. Dessen Hauptkonkurrent und Vorjahreszweite, der in Dieburg lebende Flüchtling Damy Alamo Sambata, hat inzwischen einen Job beim Logistiker Fiege gefunden. Er sei nun oft zu müde zum Laufen, verriet Sambata, der am Samstag lediglich als Zuschauer vor Ort war. „Laufen kann ich jetzt nur noch am Freitag, Samstag und Sonntag.“ Zu wenig offenbar, um sich beim 18. Stadtlauf auf die Strecke zu begeben und dabei den eigenen Ansprüchen zu genügen.

Wie immer schrieb der Dieburger Stadtlauf neben seiner sportlichen Hauptgeschichte auch seine kleinen Randgeschichtchen. Über die vier Kilometer sichtete man auch Teilnehmer mit närrischen Perücken oder im Schafskostüm. Johanniter liefen in Kluft mit langer orangefarbener Arbeitshose mit. Ein Sturz beim Start von einem der Schülerläufer ging glimpflich aus; mehr als ein paar Schürfwunden mussten die Sanitäter am frühen, diesmal nicht allzu heißen Abend nicht vermelden. Szenefotograf Reinhold Daab lief erst die vier Kilometer an der Seite seines Enkels und schnappte sich nach dem Zieleinlauf schnell die Kamera, um den nächsten Lauf im Bild festzuhalten. Der Dieburger Michael Krause, der jüngst als Zweiter beim Halbmarathon in Altheim hatte aufhorchen lassen, begnügte sich wegen Kniebeschwerden wie „Ironman“ Holger Hinze mit den vier Kilometern.

Bilder zum Dieburger Stadtlauf 2017

Dafür brachte es die Dieburgerin und Triathletin Susanne Ritter stahlhart und lief gleich beide Läufe der „Großen“ mit. Der Dieburger Laufguru Otto Sauer meinte nach bewältigtem Rennen, er käme normalerweise erst nach einigen Kilometern richtig in Tritt. Der Hauptlauf wäre für ihn wie gemalt gewesen. Da aber in den Vier-Kilometer-Lauf eine Teamwertung integriert war und er die Gruppe des Fitness-Treffs nicht hängenlassen wollte, „sprintete“ Sauer mannschaftsdienlich nur zwei Runden durch die City.

Dort wird der Dieburger Stadtlauf auch künftig nicht mehr zwangsläufig am bisherigen Stammtermin, dem ersten Juli-Samstag, stattfinden. „Wir wollen das nach Möglichkeit auch künftig flexibler handhaben und den Termin außerhalb der Sommerferien legen“, kündigte Organisator Mirko Theiss an. Nur dann würden so viele Schüler – diesmal allein mehr als 100 aus der Marienschule – mitmachen. „Und gerade die wollen wir ja zum Sport bringen.“

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