Dieburgs „Robin Hood“ wartet noch aufs Geld

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Karlheinz Bellmanns T-Shirt trägt den inzwischen nur noch zynisch zu verstehenden Spruch „Kaupthing. Das nenn’ ich Festgeld“.

Dieburg - „Kaupthing-Opfer erhalten Geld zurück“ – so oder ähnlich lauteten in den vergangenen Tagen die Schlagzeilen, die sich mit den angekündigten Zahlungen durch die DZ-Bank als Dienstleister für die bald insolvente isländische Kaupthing-Bank beschäftigten. Von Jens Dörr

Im Internet-Forum, in dem sich die 30 800 deutschen Sparer – oder besser: Opfer – über die Geschehnisse austauschen, herrschte gestern schon große Freude: Einzelne Anleger haben nun zumindest ihre Einlagen zurückerhalten.

Sie alle bedanken sich überschwänglich bei einem Dieburger, der seit Herbst letzten Jahres mehr Medienaufmerksamkeit erfährt als jeder andere Einwohner der Stadt: Karlheinz Bellmann. Der 49-Jährige hatte bei der Kaupthing-Bank 110 000 Euro angelegt, die mit 5,65 Prozent verzinst werden sollten. Das Geld hatten Bellmanns Eltern und Großeltern über viele Jahre hinweg angespart, der IT-Spezialist wollte den Betrag für die Ausbildung seiner vier Kinder anlegen und vergrößern.

„Ich habe mein Geld, dem ich seit Oktober hinterher renne, noch nicht wieder bekommen“,so Bellmann im Gespräch. Das dürfte bei ihm – da ist er trotz der Odyssee der vergangenen Monate optimistisch, „demnächst irgendwann“ eingehen. Erst in der letzten Woche war er, der schon rund 10 000 Euro aus eigener Tasche in seinen Kampf für sein Geld und das der anderen Betroffenen gesteckt hat, wieder in Island – und brachte dort endgültig die Bevölkerung hinter sich.

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Kaupthing-Opfer kämpft weiter

„Die hat einen derartigen Druck aufgebaut, dass man bei Kaupthing reagieren musste“, sagt Bellmann. Vor allem mit seinem Versprechen, die Zinsen für einen sozialen Zweck in Island zu spenden, brachte er die Einheimischen hinter sich. Von einem Vorstandsmitglied der Kaupthing-Bank erhielt er sogar eine Dankes-Mail: „Vielen Dank, dass Sie den Druck aufrecht erhalten haben“ – steht darin. Der „Robin Hood der Kleinanleger“, wie der inzwischen aus Funk und Deutschlands größten Zeitungen und Magazinen bekannte Mann bereits genannt wurde, schreibt sich die aktuellen Entwicklungen somit auf seine eigene Fahne.

Gerne würde der Familienvater auch andere loben, fühlt sich aber mit Ausnahme der Bevölkerung und der anderen Kaupthing-Opfer hierzulande alleine gelassen. „In Deutschland habe ich nirgends klare Aussagen bekommen, wurde meist mit Standardschreiben abgewimmelt.“ Weder auf Finanzminister Peer Steinbrück noch auf Kanzlerin Angela Merkel ist er gut zu sprechen, ganz besonders nicht auf die DZ-Bank und die Bankenaufsicht BaFin. „Die hat noch im Februar verlauten lassen, dass sie nicht zuständig sei und es sich um einen privaten Rechtsstreit handelt“, sagt Bellmann.

Auch polemisch wird Bellmann das eine oder andere Mal: „Ich weiß nicht, was der oberste Langschläfer da macht - außer Golfspielen.“ Denn schon im Februar hätte man das Geld zurückbekommen können. „Die Anleger aller anderen Länder hatten da ihre Einlagen schon wieder zurück“,sagt Bellmann. Sollte das dem 49-Jährigen in der kommenden Woche ebenso ergehen, ist die Sache dennoch nicht vorbei: Dann wollen er und fast 31 000 andere Anleger die Zinsen, um die sie geprellt werden sollen. „Da wird es einen Prozess geben“, erklärt Bellmann. Denn die Zinsen – in seinem Fall rund 5 000 Euro - sollen nicht bei der Bank verbleiben. „Die DZ-Bank hat seit Oktober 55 Millionen Euro eingefroren“, weiß Bellmann. „Die liegen nicht unter dem Kopfkissen, sondern werden verzinst.“ Dieburgs Robin Hood wird also weiterkämpfen: „Es macht mir ja auch Spaß, denen da oben die Meinung zu sagen.“

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