Digitale Kontaktverfolgung

Auch Dieburg setzt auf Luca-App

Schlüsselanhänger mit QR-Code – damit können auch Menschen, die kein Smartphone haben, ihre Daten hinterlegen. symbol
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Schlüsselanhänger mit QR-Code – damit können auch Menschen, die kein Smartphone haben, ihre Daten hinterlegen. symbol

Wer in Dieburg Friseur möchte oder in der Gastronomie einen Kaffee trinken will, muss seine Kontaktdaten hinterlegen. In Darmstadt-Dieburg hat sich ein elektronischer Anbieter dafür durchgesetzt.

Dieburg – Wenn nur das Wetter endlich besser wird. Seit Montag dürfen Dieburger Gastronomen ihre Gäste wenigstens draußen wieder bewirten. Voraussetzungen: ein aktueller Corona-Test oder ein Nachweis der vollständigen Impfung, Abstand, die Sitzplatzpflicht sowie die Aufnahme von Kontaktdaten. Letzteres soll laut der entsprechenden Verordnung der hessischen Landesregierung möglichst elektronisch geschehen – neben der Gastronomie übrigens auch beim Friseur, beim Sport oder beim Besuch im Pflegeheim. Der Kreis Darmstadt-Dieburg mit seinem Gesundheitsamt und die Stadt Dieburg setzen dabei auf die aus Datenschutzgründen nicht unumstrittene Luca-App.

„Die Luca-App ermöglicht eine unkomplizierte Kontaktdokumentation jenseits öffentlich ausliegender Papierlisten“, wirbt der Kreis für diese Lösung. Einmal installiert und registriert, scannen Nutzer mit der App beim Betreten den QR-Code des Standorts und checken beim Verlassen ebenso wieder aus.

Die Landesregierung hat mehr als zwei Millionen Euro für die Nutzung der App bereitgestellt, und auch das gemeinsame Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg hat die entsprechende Schnittstelle freigeschaltet. Durch die Landeslizenz ist die Nutzung für Betreiber kostenlos.

„Nur Gesundheitsämter können die gesicherten Daten wieder entschlüsseln“, ist der Kreis sicher. Melden Nutzer der App eine Infektion, würde dies verschlüsselt ans Amt übermittelt. Dieses könne dann Kontaktpersonen informieren und Kontaktketten unterbrechen. „Die elektronische Kontakterfassung erleichtert den Gesundheitsämtern ihre Arbeit und erlaubt Betreibern, ihren Dokumentationspflichten nachzukommen“, sagt Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD). Die Weiterentwicklung der Datenschutzdebatte werde jedoch „aufmerksam verfolgt“.

Papierlisten in Gaststätten oder beim Friseur sind auch weiterhin möglich, und wer kein Smartphone hat, der kann ab Ende Mai einen Luca-Schlüsselanhänger mit QR-Code bestellen.

Mit der Entscheidung für Luca hat sich der Anbieter „darfichrein“ für Dieburg so gut wie erledigt. Die Stadtverwaltung hatte noch im März auf diese App gesetzt und den Geschäftsleuten angeboten, die Lizenzkosten dafür zu übernehmen. Man habe damals das aus Sicht des Datenschutzes „weniger bedenkliche Angebot“ ausgesucht, sagte Bürgermeister Frank Haus (parteilos) dem Dieburger Anzeiger. Nun aber habe des „Festhalten an einer isolierten Dieburger Lösung“ keinen Sinn mehr; die Stadt empfehle also die Luca-App. Grundsätzlich könnten zwar beide Systeme parallel verwendet werden, man rechne aber damit, dass „darfichrein“ auslaufen werde.

Unterdessen sinken die Inzidenzzahlen in Darmstadt-Dieburg weiter und lagen am gestrigen Mittwoch den zweiten Tag in Folge unter 50. Bleibt dies an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen so – also bestenfalls bis Samstag –, tritt Stufe 2 der hessischen Verordnung in Kraft. Dann dürften unter anderem Gaststätten auch drinnen wieder öffnen – und das schlechte Wetter wäre vielen egal.

Infos: Die Luca-App gibt’s im Google Play Store, im App Store von Apple und als Web App. Wer kein Smartphone hat, soll ab Ende Mai bei Luca einen Schlüsselanhänger mit QR-Code bestellen können: schluesselanhaenger@ luca-app.de (Ralf Enders)

Schlüsselanhänger mit QR-Code – damit können auch Menschen, die kein Smartphone haben, ihre Daten hinterlegen.

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