Digitale Übungswiese für Studis: dieblogburg

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Online-Blattmacher vor ihrem „Baby“: Tobias Schmidt (v. li.), Benjamin Runge und Dozent Dr. Peter Schumacher demonstrieren den Auftritt von „dieblogburg.de“.

Dieburg ‐  Das Internet und die Tageszeitung - eine Fusion, die den Verlagshäusern eine Menge Hausaufgaben abverlangt. Zu jedem gedruckten Blatt existiert mittlerweile ein digitales Pendant (beispielsweise http://www.da-imnetz.de zum Dieburger Anzeiger) - dazu reihen sich reine Online-Zeitungen sowie eine schier unüberblickbare Anzahl von Blogs, die von so genannten Bürger-Journalisten mit Inhalten gefüllt werden. Von Dirk Beutel

So beliebt die schnellen News auf dem Bildschirm bei den Nutzern auch sein mögen, alle eint ein Problem: Wie lässt sich ein solches Onlineangebot refinanzieren? Bislang hat auf diese Frage noch niemand eine echte Antwort gefunden, dennoch aber wächst die Anzahl von Online-Journalisten. Wie etwa an der Fachhochschule Dieburg, die jedes Jahr rund 40 angehende Redakteure fürs Netz ausbildet und auf den angeschlagenen Medienmarkt wirft.

Bereits in den ersten beiden Semestern des sechssemestrigen Bachelorstudiengangs lernen die „Onliner“ grundlegendes Handwerkszeug des Journalismus. Daher kann man kaum von Anfängern sprechen, betrachtet man sich die 24-köpfige Redaktion des am 20. Mai online gegangenen Blogs „dieblogburg.de“.

Im Lokaljournalismus lernt man am meisten

Die Studenten befinden sich im zweiten Semester und beschäftigen sich mit Lokaljournalismus als Projektarbeit, so lautet die Aufgabe des von Dr. Peter Schumacher geleiteten Seminars, das jedes Semester angeboten wird. „Was die Arbeit des Journalisten ausmacht, lernt man besten im Lokalen“, erklärt der Dozent. Dazu gehören Themenfindung, Recherche und Aufbereitung. „Und da sich unsere Fakultät in Dieburg befindet, liegt es nahe, sich mit dieser Stadt und was sie bietet, zu beschäftigen.“

Hier geht es zur Internetseite der „dieblogburg“.

Nicht unbedingt einfach für die Studenten, denn nur ein Kommilitone stammt aus der Stadt an der Gersprenz. Jeden Donnerstag werden neue Artikel rund um die fünf Ressorts Stadtleben, Politik, Portraits, Kultur und die „Hüpfburg“, in denen Themen für Kinder und Jugendliche veröffentlicht werden sollen, online gestellt.

Keine täglichen Nachrichten

Da wir nur einmal in der Woche ,erscheinen‘, verfassen wir unsere Artikel magazinartig, wodurch sie länger lesbar sind. Den täglichen Nachrichtendruck können wir nicht mitmachen“, fasst Student Tobias Schmidt (28) zusammen. Schließlich ist das Projekt nur ein Teil des Studiums.

Bevor neue Beiträge ins Netz kommen, läuft der Tag zuvor trotzdem wie in einer echten Redaktion ab. In kleinen Gruppen mit jeweils einem Chef vom Dienst werden die Beiträge besprochen, redigiert, neues Material gesichtet und zur Diskussion gestellt. Dabei wird auch auf die Zielgruppe zwischen Anfang 20 und Mitte 40 geachtet.

Dennoch, die Themen sind denen der „echten Papierzeitungen“ nicht unähnlich: Bislang sind Artikel über die Kostenexplosion bei der Römerhalle, ein barrierefreies Dieburg oder ein Kneipenführer online zu finden.

Vielfältigere Möglichkeiten für Themenaufbereitung

Die Studenten zeigen großes Engagement und genießen dafür eigene Autonomie, was die Inhalte betrifft“, sagt Schumacher. Dazu gesellt sich stets der Blick auf die Möglichkeiten, die das Internet dem gedruckten Medium voraus hat.

Eine Zeitung kann zu einem Thema ein oder höchstens zwei Bilder abdrucken. Wir können vielfältiger agieren, indem wir eine Bildergalerie, Audio- und Videoaufnahmen anbieten können“, zählt Schmidt auf, der sich dem Politikressort verschrieben hat.

Mittels der Verknüpfung über die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter hat sich das Angebot im Netz bereits herumgesprochen. „Am ersten Tag hatten wir 118 Besucher, gestern waren es 50“, liest Benjamin Runge (25) aus dem integrierten Zähler ab. Er ist einer von drei Webmastern, die für die technische Umsetzung der Artikel zuständig ist. Bis Ende Juni wird die kostenfreie Seite wöchentlich aktualisiert, dann ist das Seminar zu Ende.

Den Studenten steht es frei, auch nach dieser Zeit den Blog am Leben zu erhalten. „Falls sich keiner findet, landet ,dieblogburg' im Internetmuseum“, witzelt Schumacher.

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