Direktor Zünglein an der Waage?

Dieburg - Für Christof Maruschka wird die Entscheidung schwierig: Der Direktor der Goetheschule muss nicht nur weiter abwägen, ob er die achtjährige oder neunjährige Gymnasialschulzeit (G 8 beziehungsweise G 9) für die Entwicklung „seiner“ künftigen Schüler als besser ansieht. Von Jens Dörr

Sofern sich Maruschka in der Schulkonferenz am 26. Januar nicht mit seiner Stimme enthält, wird er sich entweder gegen die Mehrheit der Lehrer der Mittelstufenschule stellen - oder gegen die Meinung des Eltern-Gros.

Mit am Tisch werden auch Vertreter der mehr als 900 Schüler sitzen. Angesichts einer Entscheidung am Mittwoch wird die Konferenz eine spannende Sache: Die Lehrer haben ihr Votum mehrheitlich für die teils als „Turbo-Abitur“ geschmähte G8-Zeit abgegeben. Etwas mehr als die Hälfte der 61 Lehrer, die am Mittwoch abstimmten, befürworteten G 8. Die derzeitigen Gymnasiasten der Goetheschule betrifft eben diese verkürzte Schulzeit, durch die sie schon nach Klasse zwölf das Abitur an der Alfred-Delp-Schule (ADS) machen. Bis vor einigen Jahren waren in Dieburg 13 Schuljahre bis zum Abitur die Regel. Das fehlende Jahr wird in der Mittelstufe eingespart: Gymnasiasten gehen nur noch fünf statt sechs Jahre auf die Goetheschule, von der fünften bis zur neunten Klasse. Die drei Jahre auf der ADS, in selteneren Fällen auch auf dem Beruflichen Gymnasium der Landrat-Gruber-Schule (LGS), blieben erhalten.

Für die Rückkehr zu G9

Etwa ein Drittel der Lehrer votierte am Mittwoch für die Rückkehr zu G9, die erneute Umwälzungen mit sich bringen würde. Der Rest enthielt sich. Eltern der Goetheschüler, aber auch der beiden Grundschulen (Gutenberg- und Marienschule) hatten zuvor mit wesentlich deutlicheren Mehrheiten für die Rückkehr zu G 9 gestimmt.

Insofern könnte man die Mehrheitsmeinung der Goetheschullehrer als Rückschlag für die Bemühungen des Schulelternbeirats um die im Herbst neu gewählte Vorsitzende Antje Buchert werten. Im Sinne der Kinder wollte man einen Gang im schneller gewordenen Schulalltag runter schalten, mehr Lern- und Entwicklungszeit herauszuholen.

Jetzt aber entscheidet allein das Ergebnis der Abstimmung der Schulkonferenz, ob die Rückkehr zu G 9 weiterhin verfolgt wird. Und in der erscheint das Votum für G 9 derzeit nach wie vor als wahrscheinlicheres Resultat.

Das hat mit der Konstellation zu tun

Das hat mit der Konstellation zu tun: Der Schulkonferenz gehören elf Personen an - fünf Lehrer, drei Eltern, zwei Schüler und Direktor Christof Maruschka. Das Votum der Eltern und Schüler pro G 9 scheint eher Formsache zu sein als die aller fünf Lehrer - schließlich zeigte sich diese Gruppe in ihrer Abstimmung gespaltener als die Eltern, die auch auf die Schülervertreter größeren Einfluss haben dürften. Allerdings ist keiner der Beteiligten an die bisher gebildeten Mehrheitsmeinungen gebunden - so ist es etwa denkbar, dass einer der Lehrer der Ansicht von Eltern und Schülern folgt. Folgen beide Seiten den Abstimmungsergebnissen ihrer Klientel, stünde es nach Stimmen in der Schulkonferenz fünf zu fünf - und Maruschka würde das Zünglein an der Waage spielen. Sofern er, der sich gewiss auch mit dem Schulamt beraten wird, sich nicht enthält, würde er ergo auf einer Seite für Unmut sorgen.

Entweder begräbt also die Richtungsentscheidung am 26. Januar die G9-Pläne zumindest auf absehbare Zeit - oder sie untermauert den Willen zur Abkehr von G8. Womit das noch lange nicht das sichere Aus für das „Turbo-Abitur“ bedeuten würde, allerdings das Erklimmen der nächsten Stufe: Im Anschluss müsste sich der Kreis als Schulträger mit dem Vorhaben befassen, der Kreistag darüber beschließen. Dem könnte wiederum das Stadtparlament mit einer Resolution gegenüber dem Kreis Nachdruck verleihen. Dafür müsste ein Parlamentarier zunächst einen Antrag stellen, dass das Thema im Rathaus - bei Schulthemen nicht in der Entscheidungsgewalt - diskutiert wird. Vor allem müsste in letzter Instanz aber das Hessische Kultusministerium (nach Prüfungsbitte des Kreistags) die Rückkehr der Goetheschule zu G9 genehmigen. Dafür wiederum würde das Schulamt angehört, das sein Okay geben müsste.

Quelle: op-online.de

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