Gelungene Premiere beim Heimatverein: „Die zwaa zänkischen Weiber vom Staawääg“

Doppelhalsgeige schafft Abhilfe

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In der Doppelhalsgeige gelandet: Die zänkischen Weiber Marianne Kolb (links) und Maria Bauer. Seppel Thomas s (Mitte) spielte neben Wolfgang Hönche einen der bedauernswerten Ehemänner.

Dieburg - „Bambelschnut, hinkelhoarisch Weibsleut und Hosebloaser…“ - bereits im späten Mittelalter wussten sich Dieburgs Bürger mit Schimpfwörtern bestens zur Wehr zu setzen. Zu einem munteren Exkurs durch die Historie mit zwei professionellen Streithähnen lud der Heimatverein Dieburg anlässlich der Veranstaltung „Dieburg in Blau“. Von Ursula Friedrich

„Die zwaa zänkische Weiwer vom Staawääg“ wurden im Hof der Gaststätte „Alte Backstub“ von einem Dutzend Laiendarstellern des Heimatvereins uraufgeführt. Beim Disput der beiden „Kratzbürsten“ Maria Bauer und Marianne Kolb in schönster „Dibbojer“ Mundart blieb kein Auge trocken. Auch den männlichen Hauptdarstellern Seppel Thomas und Wolfgang Hönche war der Part der leidenden Ehemänner auf den Leib geschneidert.

Impressionen von „Dieburg in Blau“

Dieburg in Blau

Dem kühlfeuchten Wetter setzte der Heimatverein ein herzerfrischendes Programm entgegen. „Es ist uns zum ersten Mal gelungen, einen ,Dibbojer Nachmittag' mit Liedern, Gedichten und einem Theaterstück zu veranstalten“, sagte Anne Sattig, Vorsitzende des Heimatvereins und Autorin der „zänkischen Weiber“. „Wir wollen das Interesse am Dieburger Dialekt wecken“, so Sattig. Und hierzu wurden alle kreativen Kräfte des Vereins mobilisiert: Inge Zimber sang das „Ourewäller Lied“ und Hedwig Thomas sowie Elisabeth Förster bereicherten den Nachmittag mit lustigen Episoden und Gedichten – im Dialekt, versteht sich.

Souffleusen am Spinnrad: Astrid (links) und Sophia Kreuz.

Ganz nebenbei gab es Nachhilfe in Sachen Lokalhistorie. So erfanden nicht etwa Dieburgs Karnevalisten den närrischen Wahlspruch „Äla“, sondern die Gänsehirten, die das Federvieh derart rufend zum Weiden an die Gersprenz lockten. Der „Staawääg“ sei deutlich älter als Dieburg und Herzstück eines kleinen Dorfes, wusste Sattig zudem zu berichten. Das Schicksal der beiden Zankweiber im Bauernschwank hatte ebenfalls eine „authentische“ Konsequenz: Die Beiden wurden mit der „Doppelhalsgeige“, einem historischen Folterinstrument, gefesselt und auf dem Marktplatz zur Schau gestellt.

72 Helfer organisierten den ersten „Dibbojer Nachmittag“, dem weitere folgen sollen. In liebevoller Kleinarbeit nähte Claudia Poth-Joost die historischen Kostüme für die Darsteller. Anne Sattig arbeitet bereits am nächsten Theaterstück, das im kommenden Jahr gezeigt werden soll.

Im Mühlturm konnten sich die Besucher ebenfalls mit Dieburgs Geschichte vertraut machen: „Kommen Sie ins Gefängnis!“, lud Hans Dörr vom Heimatverein sein Publikum ein. Im „Bauch“ des 1220 erbauten Turms ließ der Hobbyhistoriker bei bescheidenem Kerzenschein das Schicksal vermeintlicher Bösewichter aufleben. „Während der Hexenverfolgung hatte der Turm Hochkonjunktur“, erzählte der Altdieburger. Wegen des schlechten Wetters blieben die Besucherzahlen bei den Führungen im Mühlturm allerdings bescheiden - obwohl das historische Gemäuer heute jederzeit freien Fußes verlassen werden kann.

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