Versteigerung der Fundräder vorm Rathaus war für viele ein Schnäppchenmarkt

Drahtesel unterm Hammer

„Wer bietet mehr? Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten!“ Die Fahrradversteigerung vorm Rathaus zog viele Interessierte an. Vorab konnten die potenziellen Käufer die aufgereihten Drahtesel wie bei einer Modenschau begutachten. - Fotos (2): Sell

Dieburg - Einsame Fahrräder – abgestellt, stehen gelassen und vergessen. Einmal im Jahr versteigert die Stadt Dieburg Drahtesel, die nicht mehr in den heimischen Stall zurückgefunden haben. Die Versteigerung am Donnerstag lockte zahlreiche Interessenten vor das Rathaus. Von Fabian Sell

Und dort begutachteten die potenziellen Käufer vor Beginn die 39 zur Versteigerung stehenden Räder. Unter ihnen auch eine Dieburgerin, die sich nach einem Fahrrad für ihre Tochter umsah. „Sie braucht eins, um in Karlsruhe zur Arbeit zu fahren“, erzählte sie. Ein einfaches Fahrrad soll es sein, möglichst mit Rücktritt und preislich unter 50 Euro. Denn: „Ihr letztes Fahrrad wurde geklaut. Es war das dritte innerhalb von vier Jahren.“

Als die Versteigerung begann, zeigte sich deutlich: Der Großteil war für unter 50 Euro zu haben, viele sogar für unter zehn Euro. Vereinzelt wechselten die Drahtesel gar für ein oder zwei Euro den Besitzer. Nicht ohne Grund: Den meisten Fahrrädern war das Alter deutlich anzumerken - hier ein platter Reifen, da ein rostende Kette, dort ein fehlendes Rad.

„Es sind viele Schrotträder dabei“, brachte es Theo Beilstein, Leiter der Allgemeinen Verwaltung, im Gespräch mit unserer Zeitung auf den Punkt. Die einleuchtende Erklärung: „Die Finder haben das Eigentumsvorrecht. Wenn das Fahrrad innerhalb eines halben Jahres keiner abholt, können sie es behalten.“ Und dies passiere eben vor allem bei Fahrräder, die sich noch in einem guten Zustand befänden.

Dennoch kam auch das eine oder andere gut erhaltene Fahrrad unter den Hammer. So etwa auch ein schwarzes Mountainbike für 70 Euro. Das Kuriose dabei: der Vorderreifen fehlte. „Na, dann sollten wir ab jetzt die Fahrräder nur noch ohne Vorderreifen versteigern, dann bringt es mehr ein“, scherzte daraufhin ein städtischer Mitarbeiter.

Als Scherz sah der Auktionsgewinner Michael Wedel den Kauf jedoch nicht an. „Das Fahrrad kostet neu 500 Euro“, sagte er. Um es als Ersatzrad einsetzen zu können, müsse er sich zwar ein neues Vorderrad anschaffen. Aufgrund des Neupreises sei es aber dennoch günstig. Bei der Versteigerung in Dieburg war Wedel letztes Jahr das erste Mal dabei. „Ich habe für 30 Euro ein Mountainbike für meinen Sohn gekauft. Allerdings hat es ihm nicht gefallen.“ Daher habe er das Fahrrad im Internet verkauft – mit hohem Gewinn.

Doch nicht nur Wedel hatte Glück: Auch die Dieburgerin, die auf der Suche nach einem billigen Fahrrad für ihre Tochter war, gewann eine Auktion. Sechs Euro lautete der Preis, nachdem der Hammer gefallen war. „Es erfordert zwar ein bisschen Arbeit, aber für sechs Euro ist es in Ordnung“, sagte sie angesichts der deutlich zu sehenden Gebrauchsspuren.

Ein anderer Mitbieter fiel hingegen durch sein reges Kaufverhalten auf: Sechs Fahrräder lehnten am Ende der Versteigerung an einem Baum im Fechenbach-Park. Auch ein Tandem war darunter. Die Frage nach dem Warum beantwortete der Zweirad-Fan schlicht mit: „Ich bin einfach ein Sammler und Bastler.“

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