„Dreggsagg“ statt Rasenmäher

+
Michl Müller, der selbst ernannte „Dreggsagg“, in voller Aktion auf der Bühne.

Dieburg ‐   Wie ein Wirbelwind fegt Michl Müller auf die Bühne und hat sein Publikum sofort im Griff. Ohne Vorwarnung oder Geplänkel legt der kleine, quirlige, selbst ernannte „Dreggsagg“ aus Bad Kissingen sofort los, gibt sein Bestes - und wird von den Zuschauern mit spontanem Applaus und langanhaltenden Lachsalven angefeuert, unterstützt und belohnt. Von Verena Scholze

In seinem aktuellen Programm „jetzterstrecht“ nimmt der inzwischen auch aus dem Fernsehen bekannte Kabarettist in der Campus-Aula in Dieburg alles und jeden unter die Lupe. Tagesaktuelle politische Ereignisse wie der Rücktritt Roland Kochs oder das anrauschende Hochwasser aus Brandenburg werden mit spitzer Zunge und aus einer ganz besonderen fränkischen Sichtweise und mit „rrrrrrollendem R“ beleuchtet.

Er lästert über die Kanzlerin („Wer ist denn die kleine dicke Frau im Hosenanzug?“), Wolfgang Schäuble, den „rollenden Panzerknacker“, „den gestiefelten Kater Karl-Theodor von und zu Guttenberg“ oder Guido Westerwelle, den „neoliberalen Sonnenkönig“, der sich während Merkels Abwesenheit im Kanzleramt singend und tanzend wie Rumpelstilzchen freue.

Statt zum Psychiater geht es auf die Bühne

Auch Verkehrsminister Peter Ramsauer, „das oberbayrische Stoppschild“, wird wegen der Flugverbote während des Vulkanausbruchs in Island nicht verschont.

Mitleid hat Müller mit dem griechischen Ministerpräsidenten Papandreou: „Ich stehe hier am Mittelmeer und habe keine Mittel mehr.“ Auch „Schumi“ bekommt eine wohl dosierte Portion Mitgefühl „Der Rennfahrer, der aufgrund der niedrigen Renten wieder arbeiten gehen muss.“

Vor 13 Jahren, als Michl Müller nach eigener Aussage die wichtigsten Dinge des Lebens bereits hinter sich gebracht hatte, hat der Kabarettist sein erstes Programm gestartet. Darin hat er das bisher Verlebte verarbeitet: Andere gehen zum Psychiater, er geht stattdessen auf die Bühne.

Mit Wortakrobatik gegen die Dummheit

Seit damals steht der kleine Franke mit wechselnden Programmen landauf, landab in den Hallen Deutschlands vor begeistertem Publikum. Er schafft es immer wieder, die wesentlichen Dinge des Weltgeschehens auf den Punkt zu bringen. Mit genialer Wortakrobatik beleuchtet er die menschliche Dummheit, kleine Schwächen oder die Ungereimtheiten des gesellschaftlichen Lebens.

Da bleibt selbst das Umfeld oder Freunde des Kabarettisten nicht verschont, gnadenlos witzelt er auf der Aula-Bühne über die eigenen Landsleute, den Stammtisch oder die Fleischereifachverkäuferin, die zur Heilpraktikerin umschult.

Zwischen Schelm und Hofnarr

Ein bisschen Schelm, ein bisschen Eulenspiegel, ein bisschen Hofnarr: Michl Müller ist von jedem etwas und mischt dies in seinem Programm zu einer wohlbekömmlichen Melange. Und wenn der Kabarettist dann auch noch zu singen anfängt, hält das Publikum nichts mehr. Auch im südhessischen Dieburg treibt der Franke den Zuschauern mit seinem Auftritt Lachtränen in die Augen. Sprachprobleme scheint es nicht zu geben.

Sehenswert und jederzeit wieder einen Besuch wert“, freut sich beispielsweise Wolfgang Drechsler nach der Vorstellung. Er hat die Karten von seiner Frau zum Geburtstag geschenkt bekommen. „Mein Mann hat sich eigentlich einen neuen Rasenmäher gewünscht, aber ich wollte zu Michl Müller und da habe ich ihm ganz uneigennützig die Karten geschenkt“, räumt Ehefrau Ursula mit einem verschmitzten Lächeln ein.

Eine kleine Geschichte am Rande des unterhaltsamen Abends, die den „Dreggsagg“ sicher gefreut hätte.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare