Familie Stix schmückt Kreuzigungsgruppe

Drei Generationen packen an

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Die Prozession umfasste mit der Kirchenmusik, den Fahnenträgern der katholischen Vereine, den Kommunionkindern sowie den Gottesdienstbesuchern erneut mehrere hundert Gläubige.

Dieburg - Waren es im vergangen Jahr gerade mal vier Personen, die bei der Vorbereitung des Fronleichnamszug anpackten, engagierten sich nun erfreuliche 15. Auch viele Blumenspenden gingen ein. Von Michael Just 

Für manche Künstler endet die Nacht früh. Am Fronleichnamstag holte der Wecker rund 15 Gemeindemitglieder von St. Peter und Paul bereits um 5 Uhr aus dem Bett. Auf der großen Platte vor der Stadtkirche wartete unter der Leitung von Katharina Neumann mit dem Legen eines Blumenteppichs eine besondere Aufgabe. „Bevor das Streuen beginnt, zupfen wir erstmal die Blütenblätter von den Stengeln“, erzählt Neumann. Die dafür notwendigen Pfingstrosen, Begonien, Chrysanthemen, Stiefmütterchen, Holunder- oder Frauenmantelblüten steuerten eine Dieburger Gärtnerei sowie Privatpersonen aus dem eigenen Garten bei. „Der Aufruf zur Blumenspende im Gemeindebrief war diesmal sehr erfolgreich – genauso wie die Helferzahl“, ergänzt Neumann. Blickte sie 2016 auf gerade mal vier Personen, waren es diesmal 15, darunter eine große Zahl an Firmlingen. Neben den Blütenblättern kamen für das mehrere Quadratmeter große Bild auch Rindenmulch und Tuja-Spitzen zum Einsatz. Aufgrund der großen Gruppe war der Teppich bereits vor 8 Uhr fertig. Er zeigte einen Weg mit verschiedenen Motiven, die die Feiertage der letzten Wochen ausdrückten. Das Feuer beziehungsweise die Sonne stand für Ostern, die Wolke für Christi Himmelfahrt.

Die Familie Stix schmückte am Morgen des Fronleichnamstages mit viel Liebe die Kreuzigungsgruppe an ihrem Bauernhof. Foto: Just

Ab 9 Uhr waren in der Alten Mainzer Landstraße weitere fleißige Hände zugange. Drei Generationen der Familie Stix schmückten die historische Kreuzigungsgruppe, die sich in einer Fassaden-Nische ihrer Hauswand befindet. An die geöffneten Metallgitterflügel wurden Birkenzweige angebracht und die Beweinung Christi am Fuße des Kreuzes mit blühenden Blumen verziert. Zudem wurde ein Tisch als Altar hergerichtet und ein länglicher Teppich – zu beiden Seiten mit frischem Farn versehen – als Weg für die Monstranz ausgerollt. „Seit wann die Kreuzigungsgruppe existiert, wissen wir nicht genau. Fest steht, dass einst der hier ansässige Speditionsbetrieb die Figuren in den 1940er bis 50er Jahren mit einem Pferdefuhrwerk herbrachte“, berichten Beate und Andreas Stix. Da es um den Stix´chen Hof in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts noch keine Bebauung sondern nur Äcker gab, wurde die Figurengruppe einst als Feldaltar genutzt.

Bilder: Dieburg in Blau

Daraus ergab sich auch die Eingliederung in die Fronleichnamsprozession. Die Herrichtung nimmt für die Familie Stix an zwei Tagen mehrere Stunden in Anspruch: „Neben dem Schmücken am Fronleichnamstag öffnen wir die Nische schon ein paar Tage vorher um sie zu putzen und dabei Staub und kleinere Spinnweben zu entfernen“, ergänzt der Hausherr, der sich bei den Arbeiten auf die engagierte Mithilfe seiner schon erwachsenen Kinder Carolin und Matthias verlassen kann. Mutter Maria unterstützt die Arbeit mit kleineren Handreichungen.

Nach dem Gottesdienst in St. Wolfgang stoppte der Prozessionsweg zuerst am Altenheim, wo ebenfalls ein geschmückter Altar und viele Senioren, die im Schatten Platz genommen hatten, auf die Ankunft der Monstranz unter dem Baldachin wartete. Von dort ging es zum „Bauer Stix“ und anschließend zur Stadtkirche. Hier stand der Abschlusssegen und das Pfarrfest an. Die Prozession umfasste mit der Kirchenmusik, den Fahnenträgern von den katholischen Vereinen, den diesjährigen Kommunionkindern sowie den Gottesdienstbesuchern erneut mehrere hundert Gläubige. Sowohl beim Altenheim als auch in der Alten Mainzer Landstraße ist man jedes Jahr aufs Neue auf deren Ankunft gespannt. Damit verbunden auch die Frage, wer aus dem Kreis der Wartenden als erstes aufhorcht und meint: „Ich hab‘ was gehört, ich glaube sie kommen.“

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