Drei Millionen Liter Heizöl eingespart

Etwa eine Million roter Waldameisen sind in einem solchen Ameisenhaufen zuhause.

Dieburg - Ungewohnt früh in der Jahresfolge ging es 2011 in den Wald: Nicht wie sonst Ende Oktober, schon Anfang September hatte die Stadt Dieburg zum traditionellen Waldrundgang eingeladen. Von Matthias Grimm

Gut 80 Teilnehmer folgten am Samstag bei sommerlichen Temperaturen gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Werner Thomas den Ausführungen von Revierförster Peter Sturm, der den Waldrundgang bereits zum 21. Mal durchführte.

Zum Start des Rundgangs am Vereinsheim des Reitclubs hob Forstamtsdirektor Helmut Seitel die Bedeutung der Forstwirtschaft hervor. Allein im hiesigen Forstamtsbezirk würden durch das Brennholz der Selbstwerber drei Millionen Liter Heizöl eingespart, rund eine Million Euro Gewinn flösse in die Kassen der Kommunen.

„Klimaplastische“ Bäumen

Anschließend erläuterte Sturm an mehreren Stationeninteressante Aspekte aus dem Alltag seines vielseitigen Arbeitsfeldes. Neue Baumarten drängen in die deutschen Wälder, solche die sich an die Folgen des Klimawandels anpassen können. In der Fachsprache sprechen die Forstleute von „klimaplastischen“ Bäumen. So auch die Elsbeere, die außerdem ein hochwertiges Möbel- und Drechselholz liefert, dessen Wert bei bis zu 1 000 Euro pro Kubikmeter liegt. Zum Vergleich: ein Meter Brennholz kostet die Selbstwerber zwischen 16 und 25 Euro.

Gut 80 Bürger machten sich mit Bürgermeister Dr. Werner Thomas und Revierförster Peter Sturm auf den Weg. Foto: M. Grimm

Eine große Herausforderung ist es, die verschiedenen Interessen am Wald in Einklang zu bringen. Es gibt wirtschaftliche Interessen, die Menschen suchen im Wald Erholung und alles muss umweltfreundlich sein. Sturm lobte in diesem Zusammenhang das Engagement des Dieburger Reitclubs beim Instandhalten des 30 Kilometer langen markierten Reitwegenetzes. Die Reiter befreiten die Wege von Büschen und Ästen, wobei sie mit ihren Arbeitsstunden einen Gegenwert von 4 000 bis 5 000 Euro erbrachten. Durch das Reitwegenetz wird der Reitverkehr weitgehend von den Hauptwegen ferngehalten und das Risiko von Unfällen minimiert.

1 100 Laufmeter des Messeler Wegs stehen vor einer Sanierung, wofür die Stadt Dieburg 4 000 Euro aufbringen muss. In den nächsten zwei Jahren sind keine Zuschüsse für den Wegebau zu erwarten, so Sturm, „weil die Kassen einfach leer sind.“ Und alleine kann die Stadt die Sanierung ihres 50 Kilometer umfassenden Waldwegenetzes nicht stemmen, schließlich muss für jeden Kilometer mit einem Kostenaufwand von bis zu 10.000 Euro gerechnet werden. „Deshalb“, erklärte der Förster auf Nachfrage eines Bürgers, „ sind die Kleeplatten- und Moretschneise erst mittelfristig dran, wenn wieder Zuschüsse fließen“. Beide Wege, die viel von Erholungssuchenden genutzt werden, sind in einem schlechten Zustand.

Tonlöcher bieten Tieren neue Heimat

Im Rahmen des Projektes „Messeler Hügelland“ wird im Stadtwald Einiges für den Erhalt von Tierarten getan. So wurden zahlreiche Tonlöcher, aus denen die Dieburger in früheren Zeiten Ton förderten, freigelegt. In den Tümpeln fühlen sich heute Lurche, Salamander und Frösche so wohl, dass mehrere Arten anzutreffen sind, die dort vor Jahren nicht mehr zu finden waren.

In der Nähe der Bahnstrecke gab Sturm ein Beispiel für nachhaltige Waldwirtschaft: Auf einer Fläche von 5,2 Hektar werden dort in den kommenden zehn Jahren 250 Festmeter Kiefern und Fichten jährlich entnommen, um nachwachsenden Buchen Platz zu machen. In jedem Jahr wachsen jedoch 320 Festmeter nach, sodass der Holzvorrat trotz des Einschlages sogar erweitert wird.

Beratung für alle Waldbesitzer

Im Dieburger Wald gibt es noch zahlreiche Parzellen, die in Privatbesitz sind. Etliche Besitzer bewirtschaften ihren Wald nicht, weil er entweder schlecht zugängig ist oder ihnen schlichtweg das Wissen über die Waldwirtschaft fehlt. Allen Waldbesitzern bietet Hessenforst eine Beratung für die Waldwirtschaft und die Vermarktung des Holzes an.

Für den Dieburger Stadtwald sind für das kommende Jahr der 3 600 Festmeter Holz für den Einschlag veranschlagt. In Sinne der Nachhaltigkeit werden allerdings eher etwas weniger Bäume dem Wald entnommen. Insgesamt sind rund 20.000 Euro Gewinn für die Stadtkasse kalkuliert, im letzten Jahr wurden daraus 40. 000 Euro. Die Preise für die Selbstwerber von Brennholz bleiben stabil bei 25 Euro für Laub- und 16 Euro für Nadelholz. Die Bestellungen nimmt Sturm ab dem 1. Oktober entgegen.

Zum Abschluss des Waldrundgangs lädt die Stadt traditionell zum Eintopfessen ein. In diesem Jahr bewirteten die Reiter die Waldrundgänger.

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