Behindertenhilfe Dieburg und Umgebung

Drei Wege zur Sanierung

Dieburg - Die finanzielle Schieflage des Vereins für Behindertenhilfe Dieburg und Umgebung ist wohl größer als die Verantwortlichen bislang versichert haben. Interims-Geschäftsführer Thomas Wieler hat drei Wege zur Sanierung vorgestellt. Von Lisa Hager

An letzter Stelle steht die geordnete Insolvenz.

In einer Pressemitteilung beschreibt der im Juni bestellte Sanierer Thomas Wieler drei mögliche Wege, die aus dem Dilemma führen könnten. Die Abfolge der Vorschläge lässt darauf schließen, dass ihm eine „geordnete Insolvenz in Eigenverwaltung“ als schlechteste Lösung erscheint.

Der Bedarf für die Beschäftigungs- und Betreuungsangebote des Vereins in der Region stehe außer Frage, betont der geschäftsführende Vorstand. Gegenwärtig gehe es vor allem um die Frage, ob die Angebote weiterhin in eigener Regie erbracht werden oder „zukünftig besser im Rahmen unternehmerischer Veränderungen sichergestellt werden können“.

„Die wünschenswerte Möglichkeit stellt die Sanierung aus eigener Kraft da“, macht er deutlich. Erste Schritte dazu wurden von ihm bereits in die Wege geleitet. Dazu gehört, dass er defizitär arbeitende Einrichtungen des Vereins ausmacht. Das hat beispielsweise zur Schließung des Ladens „Unikat“ geführt. Zudem wurde mit der Stadt über einen Defizitausgleich beim Betrieb der integrativen Kindertagesstätte „Kindernest“ verhandelt. Auf dieser „Baustelle“ haben sich bereits seine kostenträchtig freigestellten Vorgänger als Sanierer betätigt. Mit einer Aufstockung der Plätze sei nicht nur für Mehreinnahmen gesorgt worden, sondern man habe auch die „Stadt Dieburg bei der Erfüllung ihrer Verpflichtung, eine ausreichende Zahl von Kinderbetreuungsangeboten sicherzustellen“ unterstützt. Dadurch sei auch der Fortbestand des „Kindernests“ Auf der Leer 24 gesichert.

Voraussetzungen für diese Lösung sind allerdings erfolgreiche Verhandlungen für einen Sanierungstarif sowie die Gewährung eines Sanierungskredits.

Zweites Szenario ist die Zusammenarbeit mit einem anderen Träger, so Sanierer Wieler. In diesem Fall kommt es zur Fusion oder zur Übernahme der Behindertenhilfe. Der Geschäftsführer dazu: „Die Übernahme des Vereins durch einen neuen Träger hat den Vorteil, dass wir vergleichsweise rasch einen Neubeginn durchführen und mit einem neuen Image am Markt starten können.“ Die attraktive Grundstruktur des Traditionsvereins, beispielsweise die externen Arbeitsplätze mit vereinseigenen Job-Coaches bei zahlreichen südhessischen Unternehmen, bliebe erhalten.

Als dritte Möglichkeit bleibt laut Wieler ein geordnetes Insolvenzverfahren für das die Eigenverwaltung angestrebt werden würde.

Im August wurde die Mitarbeiterschaft in einer Betriebsversammlung über die beschriebenen Möglichkeiten des Sanierungsplans informiert. Dem Team wurden auch mögliche Einschnitte bei Löhnen und Sonderzahlungen angekündigt. Wieler: „Bislang gab es trotz unserer angespannten Situation aber keine einzige Kündigung.“

Die Geschäftsleitung hat sich bis zum Ende des Jahres ambitionierte Ziele gesetzt. Zu den wichtigsten gehören neben der Sicherung der Zahlungs- und somit Handlungsfähigkeit die Prüfung möglicher Kooperationspartner für eine Zusammenarbeit oder für eine Übernahme. Gleichermaßen wichtig sei der Unternehmensleitung die Motivation der Mitarbeiter, insbesondere des Führungspersonals, heißt es.

Weitere Details sollen in einem Pressegespräch am kommenden Montag erläutert werden.

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