Dreiecksrennen

Legende erfolgreich belebt

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Wieder Höhepunkt des Dreiecksrennens: Die tollkühnen Fahrer und ihre nicht weniger mutigen Beifahrer der historischen Renngespanne.

Dieburg - Wer an Tinnitus litt, dem versprach des Dreiecksrennen am Samstag Linderung: Beim ohrenbetäubenden Röhren der Rennmaschinen hatte der „kleine Mann im Ohr“ keine Chance. Dieburg war wieder einmal im Dreieicksrennfieber – und die Legende ist nach wie vor (NSU-)quicklebendig. Von Lisa Hager

Aber nicht nur auf Rädern waren die Legenden mit so klangvollen Namen wie Horex Regina, Laverda Formula, Honda Dream oder König Solo unterwegs. Auch an zweibeinigen Legenden wurde beim dritten Revival einiges aufgeboten: Der „Erfinder“ des Motorsportereignisses der Jahre 1948 bis 1955, der 97-jährige Gustav A. Petermann, fuhr zur Eröffnung der Strecke eine Ehrenrunde mit. Mit dabei auch Fritz Gullery (87), der es sich aber nicht nehmen ließ, später auch in einem Lauf mit seiner Moto Guzzi Runde um Runde zu drehen. Sein Gefährt mit der Startnummer 35, das das aktuelle Plakat ziert, hatte er mit einer hübschen jungen Dame im Beiwagen bestückt.

Um die 15 000 bis 17 000 Zuschauer, so schätzt Rennleiter Rainer Wieshoff vom veranstaltenden Dieburger Automobil- und Motorradclub im ADAC und der IG Dreiecksrennen, hat die Großveranstaltung am Samstag an die Strecke gebracht. Die Fans, die teils sogar aus Bayern und Baden-Württemberg angereist waren, hatten sich vorm Start schon Appetit bei der Oldtimer-Ausstellung in der Altstadt holen können.

Das Dreiecksrennen im Video

Wieshoff, der mit rund 80 ehrenamtlichen Helfern im Einsatz war, ist froh, dass alles ohne größere Komplikationen ablief, obwohl sich der Start um gut eine halbe Stunde verzögerte. „Die Firma, die die Absperrgitter geliefert und gestellt hat, war zu langsam“, bedauert er. Eigentlich hätte alles um 12 Uhr an Ort und Stelle stehen sollen. Beim Revival vor fünf Jahren hatte das prima geklappt. Und so musste Sprecher Gerd Schüler die Zeit mit lockeren Sprüchen und Musik überbrücken. Dann aber gab es kein Halten mehr: Als die rund 150 straßenzugelassenen Motorräder bis Baujahr 1976 dröhnten, kam richtig Stimmung auf. Es wurde gewunken und applaudiert, viele erkannten ihren „Favoriten“ auch unter Helm und Brille oder hatten sich praktischerweise die Startnummer gemerkt.

Ein bisschen Aufregung gab es durch zwei Stürze, die aber relativ glimpflich abgingen, wie Wieshoff erleichtert sagt. Ein Fahrer war im ersten Lauf in der Groß-Umstädter Straße Höhe Hausnummer 73 weggerutscht, aber gleich wieder aufgestanden. Zuschauer, die es sich mit Gartenstühlen und Tischchen am Straßenrand bequem gemacht hatten, kümmerten sich liebevoll um ihn und drückten ihn erst einmal in einen Liegestuhl. Später wurde dann doch der Rennarzt hinzugezogen. Und da Verdacht auf eine Schulterverletzung bestand, wurde der Fahrer ins Krankenhaus gebracht.

Bilder vom Dreiecksrennen

Dreiecksrennen in Dieburg

Im zweiten Lauf stürzte ein junger Mann mit seinem Rennmotorrad. Beim Versuch, es zurückzuschieben, hatte er sich körperlich verausgabt und war in Kurzatmung geraten. Die Johanniter brachten ihn zur Untersuchung ins Krankenhaus.

„Das ist bedauerlich, aber ich bin froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist“, so Wieshoff. Ein mögliches Horrorszenario habe man bis zum Schluss immer vor Augen: dass eine Maschine in die Zuschauerreihen rasen könnte.

So aber können die Veranstalter eine positive Bilanz ziehen, zu der auch der Wettergott seinen Beitrag geleistet hat: Bis zum Schluss verwässerte kein einziger Regentropfen die ideale trockene Straßenlage.

Mit 80 Meldungen für die historischen Rennmotorräder war die Beteiligung etwas niedriger als 2009, da der Dieburger Termin mit einem Rennen in Hockenheim zusammenfiel. Dennoch waren die Renngespanne natürlich wieder der Höhepunkt: In den Kurven – beispielsweise am dicht besetzten Polizeikreisel – nahmen die Beifahrer in ihrer halsbrecherischen horizontalen Seitenlage sogar manchmal einen Büschel Stroh mit. Aber es waren nicht nur Männer, die sich im wahrsten Sinn des Wortes ordentlich aus dem Fenster lehnten. Mehrere mutige Damen – darunter die Dieburgerin Karin Böhle mit der Startnummer N 52 auf einem BMW-Gespann R51 Baujahr 1954 – hielten die röhrende Rennmaschine mit vollem Körpereinsatz auf Kurs.

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