Druck stand gehalten

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Eingerahmt von KVD-Präsident Friedel Enders (rechts) und dessen Stellvertreter Gunter Fries: Dagmar Metzger mit der 29. „Holzisch Latern“.

Dieburg ‐ Sie gab sich wirklich redlich Mühe - aber „Holzisch Latern“ ging der geborenen Berlinerin nur schwer von den Lippen. Von Lisa Hager

Standing Ovations heimste die Darmstädter Stadtverordnete am Rosenmontag in der Ludwigshall trotzdem ein: Die 51-jährige Wirtschaftsjuristin erntete viel Applaus für ihre standhafte Weigerung, von ihrem Wahlvesprechen abzurücken und aus politischem Kalkül mit der Linkspartei im Landtag gemeinsame Sache zu machen. Metzger hatte mit dieser Entscheidung ihre politische Karriere geopfert. Allerdings war nicht jeder im Saal so begeistert wie der KVD, dessen stellvertretender Präsident, Gunter Fries, die Laudatio hielt. Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück (SPD) sagte in ihrem Grußwort dann auch in Vertretung des Landrats, dass sie damit auch „einige im Regen stehen gelassen hätte“.

Das zum Empfang des Prinzenpaares in der Hall erschiene närrische Volk schien die Haltung Metzgers insgesamt zu goutieren. Fries meinte in Hinblick auf mögliche Kritik an der Entscheidung für die Preisträgerin 2010: ,,Wem des net passt, dem sei gesagt: Tut ihr des gleiche, des sag ich gern, bekommt ihr im nächsten Jahr die Holzisch Latern.“ Der KVD wolle mit der Entscheidung seinen Respekt vor einem Menschen ausdrücken, der ohne Rücksicht auf seine politische Karriere zu seinem Wort gestanden habe: ,,Sie hielt dem Druck stand, welch ein Mut, davor zieh'n wir heut den Hut.“

Metzger wollte das „Possenspiel“ nicht mitmachen

Metzger selbst fühlte sich trotz kalter Hände und heißem Gesicht „ausgezeichnet“, spielte sie in ihrer Rede mit den Worten. Sie dankte auch denen, die die Verleihung kritisierten: „Dafür, dass sie es ehrlich sagen.“ Sie konnte und wollte „dieses Possenspiel im März 2008 nicht mitmachen“, erklärte sie. Damit hatte auch ihre Landtagskarriere ein Ende. Da habe sie erfahren, wie zutreffend die Steigerung „Feind, Freund, Parteifreund“ sei. Sie hoffe nur, dass ihr Beispiel dazu beitrage, dass „Politiker künftig wieder mehr dazu stehen, was sie vor der Wahl versprochen haben“.

Neben der „Holzisch Latern“ erhielt sie auch einen Strauß roter Fastnachtsnasen - überreicht von gut gelaunten Clowndoktoren, den Preisträgern des Vorjahres.

Pfarrer Vogl narrte die Politszene

Sitzungsreife Vorträge gab es im Programm des närrischen Empfangs außerdem: Höhepunkt war der Auftritt Pfarrer Alexander Vogls, der sich aus seiner Soutane schälte und im Till-Kostüm den Berliner Polit-Größen den geschliffenen Ironie-Spiegel vorhielt.

Schultheiß Dr. Werner Thomas sang für die Prinzessin Melanie I., die am Rosenmontag Geburtstag feierte, nicht nur ein Ständchen, sondern rätselte auch über den Namen der künftigen Stadthalle. Ein Thema, das auch Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning in seiner Büttenrede beschäftigte.

Grußworte sprachen auch die Vertreter der Partnerstädte und Nachbar-Bürgermeister Walter Blank, der dem Prinzenpaar einen Gutschein für den Wellness-Tempel in „Bad Münster“ schenkte.

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