„Dunkes“ im Badezuber

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Ehrenplatz im Badezuber: Sarah Sattig (links) und Yvonne Marx nahmen beim Dunkesessen des Heimatvereins im historischen Holzbottich Platz. So ähnlich könnten auch die mittelalterlichen Gäste ihr Bad genossen haben.

Dieburg -  „Dunkes kommt von tunken.“ Anne Sattig muss es wissen. Denn die Vorsitzende des Heimatvereins Dieburg hatte sich diesmal ausgiebig mit Ess- und Trinkgewohnheiten im Mittelalter auseinander gesetzt. Von Ursula Friedrich

Auslöser für eine kulinarische Zeitreise war der landesweite „Tag des offenen Denkmals“, der in Dieburg an Orten des „Genusses“ gefeiert wurde. Im alten „Badhaus“ in der Badgasse wurde also „gedunkt“. Rund 80 Gäste frönten der Pellkartoffel beim dreigängigen Menüabend wie schon zu Urururgroßvaters Zeiten. Vom Arme-Leute-Dunkes (Pellkartoffeln mit Salz) arbeitete sich die muntere Gästeschar bis zum Festtags-Dunkes (Pellkartoffeln mit Haschee) vor.

Gewürzt wurde die kulinarische Zeitreise mit Verdauungsschnäpsen und kulturellen Ausflügen. Bei Moritaten, Liedern und Geschichten sprang das „Gute-Laune-Virus“ im voll besetzten Lokal dann auch schnell von Tisch zu Tisch.

Weil das historische Badhaus in seiner Jugend anno 1579 nicht als Gaststätte, sondern als Badestube betrieben wurde, verbrachten zwei junge Gäste den Abend demonstrativ im hölzernen Zuber: Sarah Sattig und Yvonne Marx präsentierten die mittelalterliche Badekultur. Freilich ohne Wasser – dafür in historischen Gewändern.

Anne Sattig wusste zur Dibbojer Badepraxis allerlei Episoden beizutragen: „Die Leute kamen zum Teil nackt, weil sie Angst hatten, dass ihnen im Badhaus das Gewand gestohlen wurde.“ Das Badhaus wurde trotz der befürchteten Übergriffe von Langfingern als gesellschaftlicher Treffpunkt sehr geschätzt. Hier fielen auch moralische Schranken: Alkoholische Genüsse und amouröse Abenteuer gehörten für viele Badegäste zur „Wellnessbehandlung“. Im Hospital im Obergeschoss des Hauses bot der vielseitige Bader auch medizinische Leistungen an: Für drei Taler gab es eine Blutegelbehandlung, für den gleichen Betrag wurden auch Arme eingerenkt. Für das Einrenken des Halses wurden 20 Taler berechnet.

Was die „Buhlmädchen“ Badegästen für einen Abstecher in eine kleine Kammer abverlangten, ist nicht überliefert. Dafür jedoch gut gemeinte Tipps des Baders gegen unwillkommene Haustiere: „Der Hut bleibt uff - die Läus' drunner.“

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