Dunkle Wolken haben sich verzogen

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Freude über die Rückkehr ins neue alte Domizil: Besitzer Peter Kolb (3. von rechts) mit Team, Mietern und Bürgermeister Dr. Werner Thomas.

Dieburg (hov) ‐ Zehn Monate ist es her, und doch erinnert Peter Kolb sich ganz genau an diesen 18. Februar, als er „mal schnell gucken ging, was am Markt los ist“, weil seine Mitarbeiter dort dunkle Wolken gesehen haben wollten.

Nur wenige Augenblicke später der Schock: Kolb wurde „vom Zuschauer zum Hauptdarsteller“. Das Geschäftshaus des Unternehmers am Markt stand in Flammen. Ihnen fiel nicht nur der NKD-Textilmarkt im Erdgeschoss, in dem das Feuer ausbrach, zum Opfer, sondern das gesamte Gebäude samt Schülerhilfe, Zahnarzt- und Hebammenpraxis. Dass niemand ernsthaft verletzt wurde, grenzt an ein Wunder. „Es liegen schlimme Tage hinter uns, Tage des Entsetzens, dass es gebrannt hat, und Tage des Chaos, denn keiner unserer Mieter wusste, wo er so plötzlich hin sollte“, erinnert sich Kolb. „Weil viele vor dem Aus standen, war beim Wiederaufbau große Eile geboten.“

Das Resultat aller Mühen ist nun am „Markt 2“ zu sehen. Die Fassade des nahezu völlig niedergebrannten Hauses zeigt sich in neuem Glanz – modern und schnörkellos. Der neue Hausteil strahlt in frischem Apricot geradezu mit dem angrenzenden und ebenfalls frisch renovierten Fachwerkhaus um die Wette. Drinnen erledigen Handwerker in diesen Tagen die letzten Handgriffe.

Wiederaufbau verschlang 1,2 Millionen Euro

Modern und schnörkellos zeigt sich das Geschäftshaus am "Markt 2" nach dem Wiederaufbau.

Der Wiederaufbau hat neun Monate gedauert und 1,2 Millionen Euro verschlungen, die Renovierungskosten für das weniger betroffene Fachwerkhaus nicht eingerechnet. „Dass das alte Gebäude weitgehend vom Feuer verschont blieb, verdanken wir dem hervorragenden und umsichtigen Einsatz der Feuerwehr“, so Kolb. Deren Arbeit könne er gar nicht oft genug loben. Ebenso wie die seiner Mitarbeiterinnen Ulrike Hofmann und Christina Frank. Als Architektin und Bauleitung der Unternehmensgruppe Kolb koordinierten die beiden Frauen den Wiederaufbau. Dabei arbeitete das Team eng mit Liane Mannhardt, der Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Darmstadt-Dieburg, zusammen. Um die Fassade abzurunden und eine einheitliche und dem Marktplatz würdige Optik zu erzielen, wurde etwa auch das unter Denkmalschutz stehende angrenzende Fachwerkhaus restauriert. Mannhardt unterstützte den Bauherrn bei der Farbauswahl für die Fassaden.

Schülerhilfe und Zahnarzt sind schon eingezogen

Wenn das Wetter mitspielt, soll auch der hinter dem Haus gelegene Park, der unter Brand, Lösch- und Bauarbeiten stark zu leiden hatte, noch vor dem Jahreswechsel mit neuen Pflanzen und Büschen wieder hergestellt werden. Inzwischen sind auch die ersten Mieter wieder eingezogen. In der zweiten Etage büffelt der Nachwuchs bereits seit Ende November bei der Schülerhilfe, deren Leiterinnen Jutta Schmitt und Margarita Cabodevila mit den neuen Räumen sehr zufrieden sind – auch, weil ihre Wünsche beim Bau berücksichtigt wurden.

Eine Etage tiefer hat Zahnarzt Dr. Ingo Gerlach letzte Woche seine neue Praxis bezogen. Alles wirkt hell und freundlich, die Mieter starten mit neuem Mut – und mit Rauchmeldern in ihren Räumen. „Wir hatten Glück im Unglück, es hätte noch viel schlimmer kommen können“, sagt Gerlach, der am Brandtag half, das Gebäude schnell zu evakuieren.

Für den kleineren Laden im Erdgeschoss verhandelt Kolb derzeit die letzten Details mit einem „heißen Interessenten“ – einem Dienstleister, den der Geschäftsmann vor Vertragsabschluss nicht näher benennen will. Fest steht, dass im Februar der NKD wieder einzieht. „Dann ist diese schreckliche Episode endlich beendet“, sagt Kolb sichtlich erleichtert.

Frage nach der Brandursache bleibt offen

Einzig die Hebammenpraxis ist nicht zurück gekommen. Laut Kolb lag das daran, dass das Haus keinen Aufzug hat und das Treppensteigen für Mütter mit Kinderwagen zu beschwerlich sei. Die Praxis von Britta Rüth und Sina Kaiser hat seit dem 1. Dezember ein neues, besser geeignetes Domizil in der Zentturmstraße 8 bezogen.

Auf die Frage, was den Brand auslöste, dem sein Geschäftshaus zum Opfer fiel, wird der Unternehmer indes keine Antwort mehr bekommen. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingestellt. Damit Kolb mit dem neuen Haus mehr Glück hat, übergab Bürgermeister Dr. Werner Thomas beim Pressetermin zur Vorstellung der Räume ein Glaswappen mit dem Bildnis des Heiligen Martin, der als Schutzpatron den Neustart begleiten soll. Auch Thomas freut sich, da „das Gebäude im Vergleich zu vorher eindeutig gewonnen hat“.

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