Durch den Wald zur K 128?

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Wo die Wohntürme der früheren Postfachhochschule stehen, soll das „Campus-Viertel“ entstehen. Anwohner der Max-Planck-Straße protestieren gegen die geplante Verkehrsanbindung. Sie fordern einen Durchstich durch den Wald zur K 128.

Dieburg ‐  Teilweise turbulent ging es auf der Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstagabend zu. Von Lisa Hager

Dicht besetzt waren die Zuschauerreihen von Nachbarn des künftigen „Campus“-Viertels, die sich schon vor einiger Zeit zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben (wir berichteten). Sie wollten hauptsächlich eines wissen: Findet ihre Forderung nach einer direkten Anbindung des künftigen Wohngebiets durch den Wald zur K 128 Eingang in die Planungen? Bisher gingen die Pläne davon aus, sowohl den immensen Baustellenverkehr - bei der Abtragung der Hochhäuser wird eine Menge an Abbruchmaterial anfallen - als auch den späteren Quellverkehr über zwei Straßen in die Max-Planck-Straße zu leiten.

Buh- und Pfui-Rufe erklangen von den Zuschauerstühlen während der Diskussion beispielsweise für den heftigsten Gegner des Durchstichs durch den Wald, Herbert Nebel (Grüne). Am Ende des Tagesordnungspunktes aber sah man zufriedene Mienen bei den Anwohnern: CDU und FDP wollen sich laut ihren Anträgen zum Bebauungsplan dafür einsetzen, dass der Baustellenverkehr alternativ geführt wird und die Möglichkeit eines Durchstichs des Wäldchens in Verlängerung der Straße am Hallenbad zur K 128 weiterverfolgt wird. „Das soll unsere politische Marschrichtung sein“, hatte CDU-Fraktionsvorsitzender Markus Oberhuber angekündigt.

Durchstich ein „Wolkenkuckucksheim“

Gleichzeitig wurde Bürgermeister Dr. Werner Thomas beauftragt, noch einmal in dieser Richtung tätig zu werden. Und das obwohl das Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Darmstadt (ASV) quasi schon abgewunken hatte. Die Max-Planck-Straße könne die spätere Belastung durchaus verkraften, hatte es in einer früheren Stellungnahme der Behörde geheißen.

Baurechtlich sei die Idee des Durchstichs, die lediglich aus wahltaktischen Gründen aufgegriffen würde, sowieso ein „Wolkenkuckucksheim“, hatte Herbert Nebel die Durchstichsidee angegriffen. Den Verkehr, den die Anwohner der Max-Planck-Straße ausgesetzt seien, bezeichnete er als „marginal“ im Vergleich zu dem, was Bürgern im Minnefeld oder der Frankfurter Straße zugemutet würde.

Beschluss für ein Millionärsquartier?

CDU und FDP setzten mit ihrer Mehrheit noch weitere Anträge durch: Reihenhäuser sollen nur in der ersten Zeile an der Max-Planck-Straße gebaut werden. Auf dem Gelände insgesamt sollen maximal 170 Häuser - Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften, Reihenhaussegmente - entstehen dürfen. Insgesamt soll der Plan wieder mehr dem Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs näher kommen, so Oberhuber. „Den haben wir doch alle einmal gewollt“, erinnerte er. Zudem soll im städtebaulichen Vertrag zwischen Stadt und Telekom der Betrieb des Hallenbads bis 2019 gesichert werden.

Ferdinand Böhm (SPD) begrüßte zwar die starke Bürgerbeteiligung, wandte sich aber klar gegen einen Durchstich. Ebenso lehne es seine Fraktion ab, Mindestgrößen für die Baugrundstücke vorzuschreiben. „Ansonsten beschließen wir hier ein Millionärsquartier“, sagt er, was laute Proteste („Quatsch!“) beim Publikum hervorrief.

Reuscher: Durchstich sei nicht utopisch

FDP-Fraktionsvorsitzender Wilhelm Reuscher appellierte an alle, realistische Lösungen zu suchen. Und ein Durchstich zur K 128 sei keineswegs utopisch. Und was das Schlagwort vom „Millionärsquartier“ angehe, davon könne er bei einer durchschnittlichen Grundstücksgröße von 300 Quadratmetern nichts entdecken.

In der Abstimmung über die Anträge waren sich alle Fraktionen nur bei der Sicherung des Hallenbads einig.

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