„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“

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Mit großem Festzug und einem Volksfest im Schlossgarten wurde 1960 das 50-jährige Jubiläum des Dieburger DRK gefeiert.F.: p

Dieburg ‐ „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ Mit diesem Goethespruch begannen die Gründer der freiwilligen Sanitätskolonne des Roten Kreuzes Dieburg am 19. März 1910 ihr Protokollbuch. Im März 2010 kann die DRK-Ortsvereinigung Dieburg somit auf eine 100-jährige Vereinsgeschichte zurückblicken.

Das Vereinsjubiläum wird am Samstag, 20. März, um 20 Uhr bei einem Festabend in der Ludwigshalle gefeiert. Doch zurück zu den Anfängen im Jahre 1910: Groß muss die Begeisterung in jener Zeit bei der Bevölkerung gewesen sein, denn siebenundsechzig junge Leute erklärten bei der Gründungsversammlung im „Grünen Baum“ spontan ihren Beitritt zur Kolonne. Dem Protokollbuch ist zu entnehmen, dass die Ausbildungskurse in den ersten Jahren nach der Gründung der Freiwilligen Sanitätskolonne im Volksschulgebäude in der Marienstraße abgehalten wurden. Diese Regelung wurde bis in die 30er-Jahre beibehalten.

Während des 1. Weltkrieges war ein großer Teil der Sanitäter der Kolonne als freiwillige Krankenpfleger beziehungsweise als Sanitätssoldaten eingesetzt. In dem von der Sanitätskolonne in der Strafanstalt eingerichteten Vereinslazarett wurde mit Unterstützung der Alice-Schwestern aus Darmstadt viele verwundete Kriegsteilnehmer aus dem Dieburger Raum betreut. In den Jahren 1919 bis 1926 beschränkte sich die Arbeit der Sanitätskolonne fast ausschließlich auf Krankentransporte.

Geist der Nächstenliebe blieb stets erhalten

Im 2. Weltkrieg wurden die meisten aktiven Helfer der Kolonne zur Wehrmacht eingezogen. Viele von ihnen ließen ihr Leben auf dem Schlachtfeld. Die zurückgebliebenen Helfer wurden in Krankenhäusern und Lazaretten zur Betreuung der Verwundeten und Kranken eingesetzt.

In den letzten Kriegsjahren kam die Arbeit der Kolonne fast völlig zum Erliegen. Der Geist der Nächstenliebe lebte jedoch schon sehr bald nach Kriegsende wieder auf. Bereits im Herbst 1945 wurde die ehemalige Sanitätskolonne mit der Bezeichnung „Ortsvereinigung Dieburg im Roten Kreuz Hessen“ wiedergegründet und die Arbeit gleichzeitig aufgenommen.

Vereinsheim in Selbsthilfe renoviert

Der Festabend zum 100-jährigen Bestehen des DRK findet am Samstag, 20. März, um 20 Uhr in der Ludwigshalle Dieburg statt. Hierzu sind nicht nur alle DRK-Mitglieder, sondern auch die ganze Dieburger Bevölkerung eingeladen; der Eintritt ist frei. Der Festabend wird vom Fanfarenzug Dieburg 1973 und der Freien Sängervereinigung Dieburg umrahmt. Außer den Grußworten der Gäste erfolgt das Vorstellen der neuen Vereinschronik, die momentan im Druck ist. Mit Bildern und Zeitdokumenten werden die letzten 100 Jahre des DRK in Dieburg dargestellt. Dabei wird nicht nur auf die geschichtliche Entwicklung, sondern auch auf heutige Tätigkeiten wie zum Beispiel den Altenclub „Abendsonne“, die Unterstützung von kranken Kindern in Polen oder die aktuellen Blutspendeaktionen, eingegangen. Ehrungen von langjährigen Mitgliedern und Blutspendern mit außergewöhnlichen Spendenzahlen (über 100) schließen sich an.

Die anfänglichen Schwierigkeiten wurden durch die tatkräftige Mithilfe aller Mitglieder schon bald überwunden. Fast das ganze Vermögen der Ortsvereinigung war durch die Auswirkungen des Krieges verloren gegangen. Als provisorischer Übungs- und Schulungsraum diente ein Klassenzimmer in der Knabenschule. Die Betreuung von Heimatvertriebenen, Spätheimkehrern und Hilfsbedürftigen wurde von den Helferinnen durchgeführt. Im Jahr 1955 wurde der Ortsvereinigung vom Magistrat der Stadt Dieburg das freiwerdende Labor des Kreismuseums in der Eulengasse als Übungs- und Schulungsraum zur Verfügung gestellt. Mit großem Eifer und an zahlreichen Abenden wurde das neue Heim in Selbsthilfe renoviert. Die Ortsvereinigung hatte nun endlich wieder eine neue Heimstätte gefunden, in der sich das Vereinsleben aufs Neue entfalten konnte. In leuchtenden Buchstaben strahlte der Spruch „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“ von der Wand. Die Anfänge im Blutspenden waren bescheiden. Der erste Termin wurde 1955 mit 36 Spenden durchgeführt. Das Blutspendewesen hat sich bis heute überaus erfolgreich entwickelt.

Fahne zum 50-jährigen Jubiläum

Das 50-jährige Jubiläum wurde im Juli 1960 als Volksfest im Schlossgarten begangen. Ein großer Festzug und die Illumination des Schlossgartens bildeten die Höhepunkte. Aus Anlass dieses Jubiläums wurde auch eine Fahne angeschafft und während eines feierlichen Gottesdienstes in der Gnadenkapelle geweiht. Ein bescheidener finanzieller Erfolg dieses Festes wurde als Grundstock für ein eigenes DRK-Heim zurückgelegt.

Auf eine Mitgliederwerbeaktion im Herbst 1960 reagierte die Dieburger Bevölkerung überaus positiv. Die Mitgliederzahl konnte um 350 auf über 500 gesteigert werden. Diese Entwicklung hat sich bis zum Jahr 1981 fortgesetzt. In diesem Jahr konnte ein Stand von 1 350 Mitglieder erreicht werden. Aufgrund des hohen Altersdurchschnitts sank die Mitgliederzahl seitdem durch Todesfälle, Wegzüge usw. und konnte durch Neueintritte nicht in gleichem Maße kompensiert werden. Heute beträgt der Mitgliederstand zirka 800 Personen.

Übergangsunterkunft im Zintelschen Haus

Vom Schloss aus musste sich das DRK nach fünfzehn Jahren erneut auf die Suche nach einer neuen Bleibe machen, denn die Seitengebäude des Schloss Fechenbach sollten abgerissen werden. Gleichzeitig stimmte am 23. April 1969 der Magistrat der Stadt Dieburg der Überlassung von zirka 500 Quadratmetern Grundstück an der Landstraße 3094 gegenüber den Forsthäusern (Auf dem Frongrund) im Erbbaurecht zu. Doch bis das neue DRK-Heim stand, sollten noch sechs Jahre ins Land gehen.

Übergangsweise zog das DRK in das Zintelsche Haus in die Zuckerstraße um, wo bisher ein Lebensmittelgeschäft untergebracht gewesen war. Die Lage war zwar zentral, aber die baulichen Verhältnisse waren für die Bedürfnisse des Vereins nicht geeignet.

Tiefpunkt mit dem Umzug in die Spitalstraße

Nachdem die Baugenehmigung für das neue Vereinsheim im März 1972 vorlag, wurde umgehend mit der Umsetzung des Bauvorhabens begonnen. Zusätzlich zu den vielfältigen Rotkreuzaufgaben sollte das Heim in Selbsthilfe erstellt werden, denn die Verwirklichung dieser Idee war nur so zu realisieren. Öffentliche Mittel standen nur in bescheidenem Umfang zur Verfügung. Mit Geld- und Materialspenden vieler Mitglieder und Firmen, dem Ehrgeiz der Helfer, allen voran Polier Georg Herbert, entstand in zwei Jahren das Heim. Über dreizehntausend Stunden wurden unentgeltlich geleistet.

Doch bevor das Vereinsheim fertig war, stand für das Rote Kreuz Anfang 1974 ein erneuter Umzug an. Das Zintelsche Haus war ebenfalls dem Abbruch preisgegeben.

Mit dem Umzug in die Spitalstraße (ehemals Gasthaus „Sonne“) hatte der Verein seinen Tiefpunkt erreicht. Das Gebäude war abbruchreif.

Gesundheitstage fanden großen Zuspruch

Erst im August 1975 konnte das vereinseigene Heim bezogen werden. Am 18. November 1975 wurde mit vielen Gästen die Einweihung gefeiert. Das Vereinsheim ist seitdem Mittelpunkt der Schulungs- und Ausbildungstätigkeit der Ortsvereinigung und des Jugendrotkreuzes.

Im Jahre 1990 veranstaltete die Ortsvereinigung erstmalig den Dieburger Gesundheitstag. Die in zweijährigem Abstand ausgerichteten Gesundheitstage unter dem Titel „Gesundes Leben in Dieburg“ fanden großen Zuspruch im Dieburger Land mit mehr als 2 000 Tagesbesuchern und bis zu 50 Ausstellern.

Der Dieburger Altenclub „Abendsonne“, der der Ortsvereinigung angegliedert ist, konnte im Dezember 1999 sein 25-jähriges Bestehen feiern. Über 80 Senioren aus Dieburg gehören dieser Rotkreuzgemeinschaft an und profitieren von den Angeboten. Neben regelmäßigen Kaffeetafeln gehören auch Kurzausflüge zum umfangreichen Jahresprogramm.

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