Effektiver: nach eigenem Rhythmus lernen

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Lernleiter Christian Schickling (Mitte) führt die ersten „Weiterbilder“ in eine Lern-Software des Selbstlernzentrums ein.

Dieburg ‐  Die „Mediothek“ der Landrat-Gruber-Schule (LGS) in Dieburg hat seit Donnerstag offiziell eine weitere Funktion: Sie ist Selbstlernzentrum des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Kreisvolkshochschule (VHS), LGS und das Berufliche Schulzentrum schließen sich dem Programm „Hessencampus“ des hessischen Kultusministeriums an. Von Jens Dörr

Die LGS wird nachmittags und abends nicht so genutzt, dass da kein Platz mehr wäre“, umschreibt VHS-Chef Karl-August Bertsch vorsichtig die zu dieser Zeit überwiegend leere „Mediothek“. Bertsch wird das Selbstlernzentrum leiten, im operativen Tagesgeschäft hat zudem Christian Schickling als Lernleiter eine wichtige Funktion. Schickling hat dann gleich im Anschluss an die Einweihung die ersten „Weiterbilder“ in die Lern-Software eingearbeitet: einen Englischkonversationskurs von Anette Benz.

Zuvor hatten Schuldezernent Christel Fleischmann und vor allem Bertsch diejenigen gewürdigt, die mit ihrem Einsatz bislang dazu beigetragen haben, dass sich das Bildungsangebot im Kreis - und in Dieburg im Speziellen - ein Stück verbessert. Dieter Staudt, bis vor kurzem Schulleiter der LGS, aber auch Gerhard Bonifer-Dörr, der sich um die Website www.hessencampus-dadi.de gekümmert hat.

„Beratungsangebot hat wie ein Bombe eingeschlagen“

Viel Arbeit hat auch Karen Käppel. Sie ist Bildungsberaterin, was wichtig ist, wie die Worte von Bertsch verdeutlichen: „Fortbildung kann durch Beratung vermehrt werden. Unsere nächsten Beratungstermine sind ausgebucht, fast stündlich bekommen wir Anfragen. Das Beratungsangebot hat eingeschlagen wie eine Bombe.“

Einer der Schlüssel zum Erfolg sei die Unterstützung dabei, welche Fortbildung sinnvoll für den Einzelnen sei. Denn das klare Ziel der Dieburger „Hessencampus“-Dependance lautet: mehr Weiterbildung. „Die Bundesrepublik Deutschland ist bei diesem Thema im internationalen Vergleich nicht ganz vorn“, sagt Bertsch.

Mehr als „nur“ online lernen

Deutschkurse, PC-Führerscheine, Software-Schulungen - das Angebot ist groß und könnte sich durch das Selbstlernzentrum noch vergrößern: „Jetzt können wir auch Themen belegen, die an der VHS nicht zustande gekommen sind, weil die Gruppen zu klein waren“, meint Bertsch. Vom Konzept, dass sich in der LGS Wissbegierige viel selbst am Rechner beibringen und mittels Software üben sollen, ist er überzeugt: „Selbstgesteuertes Lernen ist wesentlich effektiver als das angeleitete.“

Ganz ohne Anleitung gehe es natürlich nicht - die sei schon wichtig. Einfach „nur“ online lernen könne man ja auch daheim. Was allerdings nicht ganz richtig ist, wie Bertsch schließlich ergänzt: Immerhin ist manche Software nicht ganz billig zu haben. Sie ist einer der Kostenfaktoren, die sich im Jahr 2010 auf mehr als 200 000 Euro insgesamt beziffern ließen, wie unterdessen Fleischmann schätzt. Genau nennen kann er lediglich den Anteil, den das Land Hessen aus seinen Töpfen bezahlt: 120 000 Euro. 200 000 Euro seien einst zugesagt gewesen, die habe es letztlich dann doch nicht gegeben. Der Landkreis stelle vor allem Personal zur Verfügung, das sich um die Niederlassung des „Hessencampus“ an der LGS kümmert.

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