Ehemaliges Schloss Stockau

Museum ist steinreich

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Ingo Hoffmann (links) und Dr. Peter Prüssing haben das Geheimnis der Sandsteinskulpturen enträtselt. Sie zierten einst die Umfriedung, die Terrasse oder auch das Parkareal des ehemaligen Schlosses Stockau.

Dieburg - „Steinreich“ wird das Museum Schloss Fechenbach: Neben vielen bedeutenden Fundstücken aus der Römerzeit zieren künftig fünf zentnerschwere Sandsteinskulpturen die Räumlichkeiten. Von Lisa Hager 

Sie schmückten vormals den Garten und die Terrasse des ehemaligen Schlosses Stockau der Adelsfamilie Groschlag. Von graugrünen Flechten waren die vasenförmigen Gebilde lange Jahre überzogen: Jetzt erstrahlt der Sandstein wieder frisch. Möglich gemacht hat das eine 1000-Euro-Spende des Rotary-Clubs Dieburg-Babenhausen. Und ein Mitglied der Rotarier ist es, auf das die Schenkung ans Museum zurückgeht: Physikprofessor Ingo Hoffmann war 1983 mit seiner Familie nach Dieburg gezogen und fühlte sich hier schnell zuhause. „Dieburg ist bald meine Heimat geworden“, sagte er bei der Übergabe der zentnerschweren Geschenke am Denkmalstag. Hoffmann war bis letztes Jahr bei der GSI in Darmstadt beschäftigt, seit 1990 lehrt er an der Goethe-Universität Frankfurt. Bis zu seinem Umzug 2013 nach Potsdam war er auch Geistlicher Rat der Bahá-í-Gemeinde in Dieburg. Seit 2008 ist er Mitglied im Rotary-Club.

1985 hatte er das Anwesen „Am Schloss Stockau“ am Schlossgarten gekauft und auf dem Gelände teils schon umgestürzte Skulpturen entdeckt, die der Witterung ausgesetzt waren. „Sie gehören zur Familiengeschichte, denn es turnten über die Jahre hinweg die Kinder und dann auch meine Enkelkinder drauf herum“, sagte Hoffmann. Aber woher stammten diese Steine? Das historische Interesse Hoffmanns war geweckt. Ein Rotatierfreund, der ehemalige Kreisarchäologe Dr. Peter Prüssing, der in Dieburg lebt, konnte weiterhelfen. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es sich bei den künstlerisch ausgestalteten Werkstücken um Zeugnisse des ehemaligen Schlosses Stockau beziehungsweise der Mauereinfassungen des Schlosses und des Parkareals handelt“, erläuterte Prüssing. Mit den Steinen könnten beispielsweise Torpfosten gekrönt gewesen sein.

„Die trägt keiner weg“

Nach einer ersten Besichtigung schlug Prüssing vor, die Steine fotografisch dokumentieren zu lassen. Als Hoffmann dann im letzten Jahr sein Anwesen umzugsbedingt verkaufte, änderte sich die Lage. „Wir entwickelten die Idee, die Sandsteinskulpuren als eine der wenigen noch real fassbaren Belege des im 19. Jahrhundert niedergelegten Schlosses für die Allgemeinheit zugänglich zu machen“, so Prüssing. Mit der Schenkung und der Auflage, sie in die Dauerausstellung zu integrieren, scheint das Anliegen gesichert.

Museumsleiterin Maria Porzenheim, die sich neben Erstem Stadtrat Wolfgang Schupp beim Spender bedankte, gab einen Ausblick auf eine Sonderausstellung im Jahr 2018: Thema werden die wertvollen Stein-Objekte des Museums – darunter natürlich viele römische Exponate – und die Methoden der Steinbearbeitung sein.

Museumsmitarbeiter Lothar Lammert, der auf die Geschichte des Schlosses und seine Lage im Schlossgarten anhand eines Plans von 1789 einging, kann sich auch gut vorstellen, einige Stücke im Außenbereich zu integrieren. „Die Steine sind so schwer, die trägt keiner weg“, meinte er.

Quelle: op-online.de

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