Eigene Stärke für den Kampf gegen AIDS mobilisiert

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Joachim Franz (2. v. l.) motivierte die Schüler der Goetheschule mit seinem Vortrag, selbst etwas bewegen zu wollen.

Dieburg ‐ Wie gewinnt man Aufmerksamkeit und Anteilnahme für ein unbequemes Thema wie HIV/AIDS? Joachim Franz hat sich dieser sehr schwierigen Aufgabe zusammen mit seinem Team gestellt.

Seine spektakulären Aktionen der letzten Jahre haben geholfen, Menschen unterschiedlicher Nationen für die Immunschwächekrankheit und ihre katastrophalen Folgen zu sensibilisieren“, so beschrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel einmal das Engagement von Joachim Franz. Er selbst gewinnt seine Motivation aus dem Glauben an die eigene Kraft: „Die Stärke liegt in dir selbst. Nur mit der richtigen Motivation in deinem Herzen kannst du selbst dann noch Kräfte mobilisieren und Wege finden, wenn dein Kopf dir sagt, dass es nicht mehr weiter geht. Und genau dadurch kannst du die Welt verändern.“ Er orientiert sich dabei an Werten, die er selbst in fünf Worte fasst: „Mut, Intelligenz, Disziplin, Vertrauen und Menschlichkeit.“

Joachim Franz, am 11. November 1960 geboren, war bis Januar 1990 Werkzeugmacher und Schichtarbeiter im VW-Werk in Wolfsburg. Mit dem Ziel „Ab heute alles anders“ verlor der ehemals stark Übergewichtige durch Marathonläufe in nur drei Monaten fast 50 Kilogramm. In den folgenden Jahren widmete er sich dem Leistungs- und Extremsport.

Aufklärungsarbeit auf der ganzen Welt

Nach einem schweren Verkehrsunfall 1993 und der Begegnung mit einem an AIDS erkrankten Schulfreund, folgte 1999 die persönliche Wende. Seine sportlichen Aktivitäten nutzte er fortan für sein soziales Engagement, seinen Einsatz für humanitäre Projekte und seinen Kampf gegen HIV/AIDS. Seit 2001 macht er im Rahmen seiner „AIDS Awareness expedition“ weltweit auf die AIDS-Problematik aufmerksam. So auch mit seiner 2005 ins Leben gerufenen Aktion „cape2cape“, bei der er und sein Team in 20 Ländern der Erde den jeweils höchsten Berg besteigen, um auf die Dunkelziffer der HIV-Infizierten aufmerksam zu machen. Dabei verfolgt er immer auch das Ziel „Aufklärungsarbeit hier in Deutschland zu leisten“.

So will er im Rahmen seines 2006 gegründeten Vereins „be your own hero“ durch seine Vorträge in Schulen jungen Leuten bewusst machen, dass Stärke notwendig ist, wenn es um die Gefahren und Versuchungen des Alltags geht - vor allem um die Gefahren von HIV/AIDS.

Franz 2009 als Europäer des Jahres ausgezeichnet

Ein weiterer Pfeiler seiner Arbeit ist der „Bulli Bildungsfond“, seit September 2009 eine Einrichtung, über die gezielt Spenden für die Aus- und Weiterbildung von Kindern und Jugendlichen, die durch HIV/AIDS betroffen sind, gesammelt werden. 2009 wurde Joachim Franz für sein weltweites Engagement für AIDS von Reader's Digest als Europäer des Jahres ausgezeichnet und erhielt im selben Jahr auch den Prix Liebold für europäische Werte und Tugenden.

Umso erfreulicher, dass es Claudia Kömpel, Lehrerin an der Goetheschule und in der der UNESCO-AG engagiert, mit viel Einsatz gelang, Joachim Franz für einen Gastvortrag im Rahmen der UNESCO-AG an der Goetheschule zu gewinnen.

„Habt den Mut, anders zu sein“

So saßen schließlich Schüler der Abschlussklassen H 9, R und G 10 der Goetheschule, Lehrer sowie auch interessierte Eltern in den Zuschauerreihen und es war die berühmte Stecknadel, die man hätte fallen hören können, als Joachim Franz begann, einerseits seinen persönlichen Werdegang zu schildern, wie auch über seine weltweiten Expeditionen und Aktionen zum Thema HIV und AIDS zu berichten.

Die unmittelbare Verzahnung seines Lebens mit seiner Vision, weiter den Kampf gegen AIDS aufzunehmen, wurde nicht nur erlebbar, sondern zog die Schüler durch die Vielzahl seiner sportlichen Expeditionen von Anfang an in den Bann. Wenngleich diese noch den Bildern seiner Aktionen bewundernd nachhingen, zeigte er ihnen auch die andere Seite seiner Botschaft. Mit Humor, aber auch respektvollem Ernst motivierte er sie, an sich und an ihre eigene Stärken zu glauben. „Habt den Mut, anders zu sein“, so sein Credo. Denn, so fuhr er fort: „Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel!“

Symbolischer Scheck als Anerkennung

Aber auch ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass das Thema AIDS alle, auch Schüler angeht, zeigten die Bilder „seiner kleinen Freunde“, Kinder, die an AIDS erkrankt und an dessen Folgen gestorben sind. Hier wurde die spürbare Betroffenheit vieler sichtbar, die sich ihrer Tränen nicht schämten. Nach einem fast zweistündigen Vortrag wurde Joachim Franz nicht nur mit anhaltendem Beifall bedacht, sondern alle standen als Zeichen ihres Respekts von ihren Plätzen auf.

So stand der symbolische Scheck in Höhe von 300 Euro, der mit Hilfe von Spenden aller beteiligten Schüler der Abschlussklassen zusammengekommen war und die Arbeit des Bulli Bildungsfonds unterstützen wird, für die besondere Wertschätzung und Anerkennung der von Joachim Franz geleisteten Aufklärungsarbeit, gerade auch für Jugendliche hier in Deutschland.

Es soll nicht nur beim Vortrag bleiben

Dass die Schüler sich bereits im Vorfeld des Vortrags mit dem Thema AIDS/HIV auseinander gesetzt hatten, zeigte schließlich auch das Überreichen eines selbstgestalteten „Memory-Books“ durch den Ethikkurs der Klassen G 10 am Schluss des Vortrags übergaben, verbunden mit einem Dank und einem Blumenstrauß an ihre Lehrerin.

Und so bot darüber hinaus die anschließende, außerplanmäßige Unterrichtsstunde den Schülern eine besondere Möglichkeit, ihren Gedanken, Fragen, aber auch ihren persönlichen Gefühlen Raum zu geben. Und alle waren sich einig: Es soll nicht beim Vortrag bleiben, sondern auch sie selbst wollen etwas „bewegen“, helfen, um ein Zeichen zu setzen gegen Unwissenheit und Gleichgültigkeit.

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