Einblicke ins ganz Private

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Vorher, nachher: Architekt Udo Raabe zeigt anhand von Fotos die Umbaumaßnahmen. Beim Tag der Architektur war am Wochenende in Dieburg die umgebaute Saftkelterei Jakob in der Rheingaustraße Objekt einer Begehung.

Dieburg - Selbst so manch alt eingesessenem Dieburger ist nicht immer bekannt, welches Kleinod sich hinter einer Haustür oder altem Gartentor verbirgt. Von Verena Scholze

Oftmals nur durch Zufall wird man auf ein Objekt aufmerksam,oder man nutzt eine offizielle Veranstaltung wie den „Tag der Architektur“, um mal einen Blick hinter das ein oder andere Mäuerchen werfen zu können.

Anlässlich des 17. Tages der Architektur öffneten sich am Wochenende so manche Türen im Umkreis und die stolzen Bauherren ließen einen Blick hinter die Kulissen zu. Unter dem Motto „Besser Wohnen mit Architekten“ präsentierte sich die bundesweite Veranstaltung und zahlreiche Besucher und Interessierte nutzten die Möglichkeit, sich über bauliche Möglichkeiten und Veränderungen vor Ort informieren zu lassen. Der „Tag der Architektur“ wird jeweils von der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH) organisiert und mit Architekten, Planern und Bauherren realisiert. An 75 Orten in ganz Hessen öffnen sich die Türen zu 175 neuen Bauten und Umbauten, neugestalteten Freiräumen und Gärten. Die gezeigten Projekte reichten von Wohnhäusern über Schulen, Verwaltungs- und Industriebauten bis hin zu Garten und Parks.

Wohnhaus seit vielen Generationen in Familienbesitz

Zu den Bauherren, die das Publikum einen Einblick hinter die Kulissen gewährten, zählte auch das Ehepaar Simone und Johannes Jakob aus Dieburg. Ihr jetziges Wohnhaus ist bereits seit vielen Generationen in Familienbesitz und besitzt eine lange Tradition. Bevor es nämlich in ein heutiges modernes Domizil umgebaut wurde, kaufte dort so mancher Dieburger seinen Apfelsaft, denn das Gebäude, eine Hinterhofbebauung, war ehemals die Kelterei von Friedrich Jakob in der denkmalgeschützen Altstadt. Es bestand aus einer Scheune und einem Lagerraum und stieß mit drei Seiten an Grenzbebauung, was die Architekten vor eine große Herausforderung stellte. Diplom-Ingenieur und Architekt Udo Raabe von der Planungsgruppe Darmstadt musste sich bei der ersten Besichtigung erst einmal sammeln. „Es war eine Phase des Überlegens nötig“, blickte er lächelnd zurück.

Bei der Führung durch das Wohnhaus der Familie zeigte Raabe anhand eines Bebauungsplanes und alter Fotos den Urzustand des Grundstückes und der Kelterei. Anhand dieser Fotos staunte so mancher Besucher nicht schlecht, wie extrem sich das Gebäude nun verändert hatte. Durch einen Teilabbruch wurden für die Familie neue Freiräume wie eine Terrasse und eine Dachterrasse geschaffen. Besonders beeindruckend waren die Fotos vom Transport und Einbau einer vier Meter langen Glasscheibe zeigten. An einem Kran schwebend mit übergroßen Saugnäpfen befestigt wurde die Scheibe vorsichtig über die Nachbardächer transportiert und dann ohne Verbindung nur Glas an Glas auf der neu angelegten Terrasse eingesetzt. „Wir wollten einen Fluss von Räumen schaffen“, erzählte Raab und zeigte gleich die gelungene Umsetzung, denn lichtdurchflutet und offen präsentieren sich nun die Räumlichkeiten im unteren Bereich.

Geschmackvolle Gestaltung und viel Flair

Alte erhaltene Mauerstücke im Arbeitsbereich erinnern an das frühere Gebäude und bilden einen interessanten Kontrast zu den modernen Elementen aus Holz, Glas und Chrom. Geschmackvolle Gestaltung und viel Flair zeugen von der liebevollen Arbeit, die das gesamte Bau- und Planungsteam geleistet hatte.

Die Bauzeit betrug nach einer langen Planungsphase rund ein Jahr und die Bauherren Jakob legten fleißig Hand mit an und leisteten viel Eigenarbeit.

Dass sie ihr Haus der Öffentlichkeit im Rahmen der Veranstaltung zur Begehung öffnete, da hatte Simone Jakob keine Bedenken. „Herr Raabe hat hier sehr gute Arbeit geleistet, das kann gerne jeder sehen“, sagte sie.

Die Besucher zeigten sich sehr beeindruckt und bedankten sich bei der Familie Jakob, die einen sehr persönlichen Einblick in ihr Haus gewährte.

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