Die Fohlenweide nordwestlich von Dieburg

Eine Insel im Wald

Lisa Wettklo und Stefan Rickert, beide von Hessen Forst, unterhalten sich über die Besonderheiten des Naturschutzgebiets Fohlenweide.
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Lisa Wettklo und Stefan Rickert, beide von Hessen Forst, unterhalten sich über die Besonderheiten des Naturschutzgebiets Fohlenweide.

Dieburg – Die Fohlenweide zählt mit 24 Hektar zu den eher kleineren Naturschutzgebieten (NSG) im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Als solches wurde die Fohlenweide im Oktober 1989 ausgewiesen aufgrund des Naturschutzgesetzes aus 1980. Maßgebend für die Ausweisung ist der Bestand an feuchten Wiesen, die heute eher selten sind, weil sie von Menschen für eine spätere Nutzung, sei es landwirtschaftlicher Art oder als Baugebiet, oft trockengelegt wurden.

„Zweck der Unterschutzstellung ist es, extensiv genutzte Grünlandbereiche auf sehr nassen Standorten sowie Brachflächen, Fließgewässern, Gehölzen und Waldrändern als Lebensräume für gefährdete und seltene Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und zu sichern sowie Waldbestände naturnah zu entwickeln“, heißt es in der Verordnung über das Naturschutzgebiet Fohlenweide von Dieburg. Der ehemalige Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Dr. Wolfgang Heimer, hat ein Verzeichnis aller Naturschutzgebiete im Kreis angelegt und auch ihre jeweiligen Besonderheiten verzeichnet. Für die Fohlenweide hat er das Vorkommen von Ringelnatter und Springfrosch festgehalten. Aber auch Baumpieper und Waldschnepfe brüten hier. Außerdem gibt es große Bestände des Breitblättrigen Knabenkrautes. Mit dem jetzigen Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Matthias Kisling, und dem Forstrat Stefan Rickert hat sich der Dieburger Anzeiger das Gelände angeschaut. Kisling gibt erst einmal Aufklärung über den Namen. „Im ersten Weltkrieg war hier die Pferdeaufzucht der Armee“, weiß der Behördenleiter. Ein verfallenes Gebäude eines Privatbesitzers zeugt noch von der ursprünglichen Nutzung. Der bekannte Naturschützer Otto Diehl, mittlerweile verstorben, hätte das Gebäude, als es noch intakt war, gerne gekauft, um dort Informationen zum Naturschutz geben zu können.

„Beweidung ist, wie der Name schon sagt, der Schwerpunkt“, sagt Rickert, nur grasen hier heute keine Fohlen mehr, sondern Rinder verschiedener Rassen, die aber nur im Sommer draußen weiden. Der umgrenzende Wald hat ursprünglich der Stadt Dieburg gehört, sie tauschte ihn aber für ein anderes Waldgebiet ein, nun gehört er dem Land Hessen. Auch das Weidegebiet gehört mittlerweile zum größten Teil dem Land Hessen, nur noch ein kleiner Teil der Stadt. Als die Fohlenweide noch regulär bewirtschaftet wurde, wurden nach nassem Frühjahr und Winter die Flächen noch entwässert, was heute nicht mehr der Fall ist. Für Pflanzen ist das Gebiet nicht einfach zu besiedeln, denn im Sommer sind die Böden dann doch eher trocken, vor allen Dingen in den vergangenen drei Jahren. Viele Gräser, darunter auch Seggen, bilden im Wesentlichen den Bewuchs. Landwirt Will stellt seine Rinder im Sommer auf die Weide und mäht die Fläche auch noch, falls Bedarf besteht. Das ist nötig, weil ohne eine regelmäßige Bewirtschaftung auch die Weiden sich langfristig in Wald verwandeln würden, was hier nicht gewünscht ist. Das Gebiet war schon einmal teilweise bewaldet. Als das Gebiet als NSG ausgewiesen wurde, hat Hessen Forst veranlasst, dass die Gehölze nach und nach gefällt wurden. Ein paar Sträucher sind an den Grenzen der einzelnen Weiden aber stehengelassen worden, auch die Vögel brauchen Brutplätze. „Als grünes Auge im Wald“, charakterisiert Rickert das Gebiet, „es ist nicht offen, sondern eine Insel im Wald“.

Von Agnes Badener

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