Eine Koryphäe aus Hamburg soll's richten

+
Der neue ärztliche Leiter des stationären Bereichs des St. Rochus Krankenhauses: Dr. Albrecht Bettermann.

Dieburg ‐  Öl ins derzeit arg knirschende Getriebe des St. Rochus Krankenhauses soll ein „Neuer“ gießen: Dr. Albrecht Bettermann, Chirurg aus Hamburg, ist der neue ärztliche Leiter des stationären Bereichs der Klinik. Von Lisa Hager

Zuletzt hatte dort das gesamte Team der Intensivstation um Dr. Patrick Schmenger gekündigt (wir berichteten), weiter Pflegekräfte schoben ihre Kündigung nach. Jetzt haben Stiftungsvorstand Horst Piepenburg und der Bevollmächtigte des Vorstands, Markus Bazan, mit Bettermann („Damit verstärken wir uns um eine Koryphäe“) jemanden präsentiert, der sich intern bereits auskennt: Er verhandelt für das Rochus bereits seit längerer Zeit mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen. Jetzt soll der 61-Jährige vor allem für eins sorgen: Dass das neue Team der Intensivstation besser in das Gesamtgefüge des Krankenhauses eingebunden wird. Daran hat es nach Meinung von Bazan beim alten Team gemangelt: „Da wurde zu eigenständig gedacht und gehandelt“, sagte er beim Pressetermin im Rochus.

Die Regelung wurde in Einvernehmen mit dem belegärztlichen Leiter, Dr. Mario Corcilius getroffen. Dieser begrüße die Ausweitung der ärztlichen Leitungsfunktion auf den Bereich der angestellten Ärzte in Form der neuen Doppelspitze, hieß es.

Erster Ersatz: Ärztin aus Frankfurt

Bei den Anforderungen an die künftigen Intensivmediziner soll sich nichts ändern, sagten Piepenburg und Bazan auf Nachfrage des DA. Zur Erinnerung: Unter anderem hatte Schmenger, der die Intensivstation mit dem Spezialgebiet Beatmungs-Entwöhnung (so genanntes „Weaning“) kritisiert, dass er und seine Kollegen auch zu Einsätzen als Anästhesisten im Kreißsaal herangezogen werden sollten. „Das neue Team wird gleich in eine bestehende organisatorische Struktur eingebettet“, so Bazan. Am Montag wird bereits die Internistin Ebba Ziegler aus Frankfurt ihren neuen Arbeitsplatz antreten. Dazu ist man aber noch auf der Suche nach dem „Alphatier“, wie Bazan es ausdrückte, einem Leiter der Station, der am besten sein gesamtes Team mitbringen sollte. Mit zwei weiteren interessierten Ärzten hat der Vorstand bereits Gespräche geführt, die Entscheidung ist noch nicht gefallen. „Wir stehen unmittelbar vor dem Abschluss weiterer Verträge“, so Bazan. „Insbesondere für die Nachbesetzung der Abteilungsleitung.“

Auch im Pflegebereich zeichnet sich ab, dass zwei neue Mitarbeiterinnen als erste Nachrücker für die drei ausscheidenden Kollegen kommen werden. Um die Leistungsfähigkeit der Intensivstation zu bestätigen, hatte der Stiftungsvorstand unabhängige Prüfer beauftragt. „Damit wollen wir dokumentieren, dass zuletzt entstandene Verunsicherungen keine Grundlage haben“, so Piepenburg. Das Ergebnis liege vor und weise keinerlei Beanstandungen auf.

Unbezahlte Handwerkerleistung nicht dementiert

Weder Bazan noch Piepenburg dementierten in Dieburg kursierende Gerüchte über die schleppende Bezahlung von Handwerkerleistungen und eine Aufforderung ans Personal, auf einen Teil des Weihnachtsgeldes zu verzichten. Auch hier sollten „Kosten optimiert“ werden, sagte Bazan. Deshalb müssten auch Handwerkerleistungen genau unter die Lupe genommen und mit der Mitarbeitervertretung über einen möglichen Verzicht auf Leistungen verhandelt werden. „2011 wird ein brutales Jahr für die Krankenhäuser, nicht nur für ein so kleines Haus wie das unsere“, sagte Bazan. Da müssten alle Register gezogen werden, um den Anforderungen gewachsen zu sein.

Dazu gehört auch der Ausbau der Intensivstation. Bis Ende März soll der jetzige Bauabschnitt für sechs weitere Betten fertiggestellt sein.

Kommentare