Eine Lehrstelle als Happy End

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Und Action: Dominik Schilling (l.), Daniel Girardi und Natascha Hufnagel proben die „Guter Rat“-Szene, während Adriano Girardi das Mikrofon auf Position hält und Christian Mayer (r.) die Rolle des Kameramanns angenommen hat.

Dieburg ‐ Freizeitstimmung am Spießfeld. Gut gelaunt feiern ein paar Jugendliche mit Musik, Snacks und Getränken. Plötzlich platzt Robin in die Runde und hält voller Stolz seinen frisch unterschriebenen Ausbildungsvertrag in die Höhe. Von Dirk Beutel

Endlich hält er das für ihn so wichtige Dokument in Händen. Doch bis es soweit war, musste Robin einiges durchmachen. Schnitt. Rückblick und Szenenwechsel. Wie findet man überhaupt den gewünschten Ausbildungsplatz? Welche Probleme und welche Fördermöglichkeiten nach der Schule gibt es eigentlich? Die Suche nach dem Ausbildungsplatz ist Thema eines hessenweiten Wettbewerbs des Hessischen Rundfunks, an dem sich das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft in Dieburg mit 16 Schülern beteiligt. Neben der eigenen Reflexion auf ihre berufliche Situation soll mit diesem Projekt die Medienkompetenz und die Fähigkeit, in einem Team zusammen arbeiten zu können gestärkt werden. „Für die Produktion sind neben technischen Fähigkeiten die Kommunikationsbereitschaft und die Kooperation der Schüler untereinander die Basis für ein erfolgreiches Gelingen“, erklärt Klaus Ritzkowsky, Ausbilder im Bildungswerk.

Seit Februar investierten die Schüler zwei bis drei Stunden pro Nachmittag, um ihrem Projekt Leben einzuhauchen. Mittlerweile befinden sich die Filmemacher im Endspurt. Zwar ist als Abgabezeitpunkt erst der 12. April datiert, doch durch die davor liegenden Osterferien wird allmählich der Zeitdruck spürbar. „Jeder Schüler hat mindestens zwei Jobs, um die er sich kümmern muss“, fügt Christian Mayer, ebenfalls Ausbilder im Bildungswerk hinzu.

Wirkliche Planung gibt es beim Film nicht

So wie Dominik Schilling und Matthias Barth zum Beispiel. Die beiden sind für die Kameraaufnahmen sowie den Schnitt verantwortlich und haben bereits bemerkt, dass die Produktion eines Films mit Geduld und Konzentration verbunden ist. Vor allem in der Nachbearbeitung: „Für das Zusammenschneiden einer Szene brauche ich bis zu vier Stunden“, berichtet Matthias. Am Ende sind für den fünfminütigen Beitrag zwischen 30 und 45 Sekunden für eine Szene geplant. Wobei der Begriff „Planung“ beim „filmen“ durchaus dehnbar ist: „Während des Drehs kommen uns immer wieder neue Ideen“, erzählt Natascha Hufnagel, die sowohl eine Schauspiel-Rolle als auch das Schreiben des Drehbuchs übernommen hat.

Animierte Comics sollen Szenenwechsel bereichern

Eine dieser Ideen entpuppt sich als höchst aufwendig. Jeder Szenenwechsel soll durch eine selbst gezeichnete Comicanimation eingeleitet werden. Für die kreative Umsetzung führen Sven Hellwig und Simon Riess die Bleistifte. Für beide wäre eine Ausbildung in diesem künstlerischen Sektor ideal. Während Simon noch ohne Stelle ist, wird Sven in Kürze ein Praktikum im Darmstädter Staatstheater als Bühnenmaler beginnen.

Einen Schritt weiter ist Daniel Girardi, der den Hauptprotagonisten Robin spielt. Eine Idealbesetzung, da Daniels berufliches Schicksal Ähnlichkeit mit dem von Robin hat. In Kürze erwartet Daniel selbst den ersehnten Ausbildungsvertrag als Einzelhandelskaufmann. Ein Happy End funktioniert auch mal ohne Hollywood.

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