Theater- und Bühnenbild-AGs der ADS, Lehrer und Schüler treffen sich virtuell

Eine Premiere ganz anderer Natur

Onlinetreffen der Theaterbegeisterten: Schüler und Lehrer, Ehemalige und Neue bei der Zusammenkunft im virtuellen Raum.
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Onlinetreffen der Theaterbegeisterten: Schüler und Lehrer, Ehemalige und Neue bei der Zusammenkunft im virtuellen Raum.

Dieburg – „Gleich geht’s los!“ Mit diesem Bühnenwerk, das im Check-in-Bereich eines Flughafens spielt, haben die theaterbegeisterten Schüler der Alfred-Delp-Schule (ADS) vor rund einem Jahr ihre Premiere gefeiert. Es war das letzte Werk, das fünfmal vor begeistertem Publikum gezeigt wurde – seither ist der Vorhang auf der Bühne des Oberstufengymnasiums gefallen.

Schon zur letzten Darbietung im März 2020 herrschte ein erster Corona-Lockdown, der (mit kurzer Unterbrechung für die Oberstufenschule) faktisch bis heute anhält. An der ADS, wo junge Menschen seit vielen Jahren mit viel Anspruch Literaturklassiker und moderne Theaterstücke, meist in eigener Fassung inszenieren, liegt seit fast einem Jahr alles auf Eis. Das ADS-Theater ist unter dem Joch der Corona-Pandemie ausgesetzt. Mit dem Mut der Verzweiflung und technischen Möglichkeiten setzten rund 25 junge Leute am Samstagabend jedoch ein Zeichen. Es war eine Premiere anderer Natur. Ein virtuelles Treffen der Theater- und Bühnenbild AGs, von Lehrern und Schülern, Ehemaligen und vielleicht Künftigen, falls, ja falls ab Sommer wieder etwas geht. „Dass in diesem Schuljahr nichts gehen würde, war uns ziemlich schnell klar“, berichtet ADS-Lehrer Christian Lampe, der die Theaterspielenden coacht. „Aber wir sind noch da“, ergänzt Tanja Mohrhardt, die gemeinsam mit Lampe die Theater AG leitet und an der ADS Darstellendes Spiel lehrt – derzeit im Distanzunterricht, was recht gut funktioniere, trotz allem. Dass aktuell alles schlimm ist, das kristallisierte sich rasch heraus. Nicht Wochen, nein Monate, ohne Schulalltag, Freunde und Bekannte, das Gros der Hobbys und Vereinsaktivitäten ausgesetzt, das zehrt. „Das Soziale fehlt“, meint Hannah, sogar der Aushilfsjob beim Bäcker mit kurzen Kontakten zu anderen Menschen war Balsam. Sharleen hat die ADS mit der Hochschulreife verlassen, auf ihren Abiball verzichten müssen, und quält sich im Onlinestudium: „Corona ist sehr belastend, ich kriege überhaupt nichts hin.“

Verena ergänzt zum Daheimsein: „Mir tut es nicht gut, es zehrt an der Schulleistung, zu Hause hat man weniger Motivation, und meine Hobbys, die sind gar nicht möglich.“ Auch Alan berichtet: „Es fehlt alles: nicht raus können, das ganze Miteinander. Mir war nicht klar, dass ich das so brauche, ich vermisse es.“ Und natürlich: das Schultheater mit all seinen Facetten. „Ich hatte quasi ein Lehrjahr“, berichtet Marco Dörsam, der die Bühnenbild AG übernahm und mit „Gleich geht’s los“ erstmals mit seinem Team für Kulissenbau und Beleuchtungstechniken in der Verantwortung stand. „Es fehlt mir massiv“, sagt die Lehrkraft, „der Raum ist noch da und ich kann mir die Kabel an der Decke angucken.“ Falls nach den Sommerferien auch die handwerkliche und technische Seite wiederbelebt werden kann, sind von der alten Crew aus der Bühnenbild AG nur noch drei Schüler da. Das ADS-Schultheater ist mitunter derart prägend, dass eine Berufslaufbahn in der Welt des Theaters gesucht wird. Julia hat nach dem Abi als FSJlerin derzeit die Chance, am Staatstheater Darmstadt viel zu lernen. Das sei großartig, auch wenn derzeit das Publikum fehlt. Als wäre das vergangene Bühnenstück ein visionäres Zukunftsszenario, wo Reisende auf den Start warten, sind sie auch in der Realität in einer Warteschleife, warten und hoffen. Christian Lampe sagt: „Wir hoffen auf das nächste Schuljahr, darauf, dass wir nach den Sommerferien wieder auf der Bühne zusammen sein können.“ Dass so viele Neue und Alte sich beim Internettreffen zuschalteten, die vielen Rückmeldungen machten es den Lehrern „ganz warm ums Herz“. So bleibt der Titel des alten Stücks Programm: „Gleich geht’s los?“ – eventuell nach den Sommerferien. Die Pandemie und ihre Last, die junge Menschen derzeit tragen müssen, künstlerisch auf der Bühne zu verarbeiten, das sei allerdings ausgeschlossen, bekräftigen mehrere Darsteller, „es wäre ein deprimierendes Stück“. Auch Marco Dörsam hat genug von Dramen, „ich wünsche mir ein Happy End.“ (zah)

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