Eine Rampe als Service-Leistung

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Hier ist ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Barrierefreiheit schon geschafft: Christian Stöveken (links), Rainer Hackenberg und Eva Rosenau beim Erproben der neuen Rampe.

Dieburg ‐  „Ich finde es gut, dass es etwas gibt, womit die Leute die Barrieren leicht überwinden können“, sagt Rainer Hackenberg von „Optik Design Hackenberg“ in der Dieburger Fußgängerzone. Von Jens Dörr

Barrierefreiheit schreibt sich die Stadt als eines der wichtigen Zukunftsziele gerade auch im Rahmen des Stadtleitbildprozesses verstärkt auf die Fahnen. Vis-à-vis des Fastnachtsbrunnens nimmt dies Hackenberg am Eingang seines Geschäfts wörtlich: Knapp 200 Euro hat der Unternehmer, der auch ein Optik-Geschäft in Groß-Zimmern besitzt, in eine Rampe investiert, die die kleine Stufe an der Tür zum Laden nun auch für Rollstuhlfahrer und Rollator-Benutzer als Hindernis ausräumt.

Für Betroffene übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Rampe, Hackenberg bezahlt sie aus eigener Tasche. Eine Service-Leistung: „Die Kosten stehen im Verhältnis zum Nutzen“, sagt Hackenberg. „Wir würden uns freuen, wenn nun noch mehr Betroffene zu uns kämen“, sagt Hackenberg. Schön wäre es aus seiner Sicht außerdem, würden weitere Geschäfte gerade in der Innenstadt seinem Beispiel folgen.

Krankenhaus verweigert den Rückruf hartnäckig

Wer den noch jungen Verein auch finanziell unterstützen möchte, hier die Spenden-Kontoverbindung: Verein „Barrierefreies Dieburg“, Konto-Nummer: 0132107244, BLZ: 50852651, Sparkasse Dieburg.

So reibungslos mit der Abschaffung von Barrieren in Köpfen und der Dieburger Infrastruktur gehe es aber nicht überall voran, gestehen Eva Rosenau und Christian Stöveken – der Stadtverordnete der Fraktion der Grünen hat geheiratet und den Namen seiner Frau angenommen, hieß früher Schneider – vom Verein „Barrierefreies Dieburg“. „Das Krankenhaus weigert sich hartnäckig, uns zurückzurufen“, sagt Rosenau etwa. Zum Zeitpunkt des Interviews sei da noch immer keine Reaktion erfolgt auf das, was ihr Verein anprangert: „Besonders der Aufzug ist für Rollstuhlfahrer unbedienbar“, sagt die Vorsitzende, die selbst im Rollstuhl sitzt. Sie selbst habe da schon mehrere „Verzweiflungsanfälle“ gehabt. Mit dem Einkauf von Kleidung in der Zuckerstraße – gerne würde Rosenau dort ihr Geld lassen, ist bei „Optik Design Hackenberg“ ebenfalls Kundin – sei es für sie leider schwierig. Da sie nicht in die Geschäfte hineinkomme, bestelle sie das meiste im Internet. Gut gelöst ist das Problem aus ihrer Sicht im „Sanitätshaus Klein“: „Da gibt es eine sehr große Umkleidekabine, das ist gerade für Rollstuhlfahrer unverzichtbar.“ Doch nicht nur an diese Gruppe denke man mit seinem Verein, betonen Rosenau und Stöveken immer wieder. „Für jemanden mit Rollator sind fünf Stufen schlicht und einfach zu viel“, erläutert Rosenau. Wenn man den demografischen Wandel und auch schon die jetzige Situation im Auge habe, seien Rampen, barrierefreie Toiletten, Aufzüge und ähnliches sämtlich sinnvolle Investitionen in die Zukunft, um die man bald ohnehin nicht mehr herumkomme. „Der ganze Komplex Barrierefreiheit betrifft vieles“, zählt Stöveken auf: „die Verkehrsinfrastruktur, das Gewerbe, den Tourismus und vieles mehr.“

Erstes "Barrierefreies Stadtfest" am 29. August

Natürlich wisse man, dass Dieburg als Fachwerkstadt in manchen Häusern nur begrenzte Möglichkeiten habe, sagen Rosenau und Schneider. Zumindest die öffentlichen Gebäude sollten aber barrierefrei sein. Anträge zum Thema hat die Fraktion der Grünen schon gestellt. Außerdem – so der Wunsch – soll die Stadt eine Behindertenvertretung bekommen, jenseits des Vereins, ähnlich dem Seniorenbeirat. Über diese Anträge wird demnächst in den zuständigen Ausschüssen diskutiert.

Lichtblicke gibt es aber ebenfalls einige: So renne man mit dem eigenen Anliegen bei den Dieburger Kirchen offene Türen ein. Erste Mitglieder hat der Verein ebenfalls schon gewonnen, die Sparkasse unterstützte „Barrierefreies Dieburg“ mit 500 Euro aus ihrer Jubiläumsstiftung. Zudem wird es am 29. August 2010 das erste „Barrierefreie Stadtfest“ Dieburgs geben. 

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